Chor der Bergschule sang in der Dresdner Semperoper, …

… natürlich nicht auf der für die Abendvorstellung vorbereiteten Bühne – die blieb den Profis internationalen Rufs vorbehalten; aber der Reihe nach:

Das 7. Chorseminar unseres Jugendchores fand erstmals im Bischof-Benno-Haus in Schmochtitz statt. Das Anwesen, eine Bildungsstätte im sorbischen Teil des Bistums Dresden-Meißen, bot ein hervorragendes, fast feudal anmutendes Ambiente nicht nur für Register- und Gesamtproben, sondern auch für das Warm-up im Freien unter Anleitung von Frau Leineweber, für Übungen zur Stimmerfahrung, für vertiefende und ergänzende Lerneinheiten (zu Stimmgattungen und Stimmumfang, zur menschlichen Stimme, zum Stimm- und Atmungsorgan, zur Haltung, zu Resonanz, Klang und Tonansatz) sowie zur Reflexion des Chorlebens und Chorprofils (Wo stehen wir? Wie ist die Wahrnehmung des Chores außerhalb und wie innerhalb der Schule? Warum bin ich in den Chor eingetreten? Welchen Chor erträume ich mir? Was sind unsere langfristigen Ziele? Welche Wege sehen wir?).

Wegen des guten Wetters wurden die Mittagspausen gern für Spaziergänge, für die Suche nach Fotomotiven oder fürs Joggen durch den Schmochtitzer Park genutzt.

Auch die Abende verdeutlichten eine Vielfalt unterschiedlicher Gesangsstile (an den Beispielen „wise guys“, Anna Netrebko, Rolando Villazón, …) und der Film „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ unter anderem den Wert von gemeinschaftlichem Singen und Wertschätzung des anderen Menschen. Und hatte der Tag mit einem Morgengebet in der Kapelle oder Kirche begonnen, so beendete ihn das stimmungsvolle Abendsingen bei Kerzenschein und ein kurzes Abendgebet. Bei den Tischgebeten erlebten wir vor einem Mittagessen etwas ganz Besonderes: Eine sorbische Jugendliche, welche in dem Bildungshaus ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvierte, trug uns in ihrer Muttersprache ein Lied vor – beeindruckend der Gesang, aber auch der Mut, die eigene Stimme solistisch und ohne jede Begleitung so schön vor Fremden erklingen zu lassen.

Auf der Hinfahrt am 2. April 2008 gab es bereits erste Höhepunkte der Chorfahrt: In Dresden nahmen wir zunächst an einer musikalischen Vesper mit anschließender zentraler Erläuterung der symbolträchtigen Frauenkirche teil. Nach einer Pause in kleinen Gruppen bestaunten alle bei einer jugendlichen Führung die Semperoper, in der erst kurze Zeit zuvor die beiden Weltstars Anna Netrebko und Rolando Villazón auf der Bühne gestanden und in einem der Prachtgänge ein interessantes Interview für ihre neueste DVD gegeben hatten. Mehrmals lud die Führerin die Chormitglieder ein, in dem prächtigen Theatersaal die Stimmen erklingen zu lassen. Und weil sie nicht locker ließ, trauten wir uns dann doch, von einer der Galerien aus zu singen und die Akustik auf uns wirken zu lassen – die anderen Gruppen, die im großen Theatersaal gerade ihre Führungen erlebten, hielten inne.

Schmochtitz liegt unweit von Bautzen. Der Name der Stadt ist für viele ehem. DDR-Bürger mit dem Begriff „gelbes Elend“ verbunden – der Umschreibung eines berüchtigten Gefängnisses der Staatssicherheit. Frau Leineweber kümmerte sich perfekt um eine kostengünstige Fahrt in die Stadtmitte und die Führung durch das Stasi-Gefängnis. Dr. Peter-Paul Straube illustrierte an konkreten Beispielen unterschiedliche Formen physischer und vor allem psychischer Drangsalierung von Menschen in der Stasi-Haft. Jeder Einzelne konnte dann auch selbst Informationen in den verschiedenen Zellen sammeln. Und als Frau Leineweber von einem persönlich bekannten Zeitzeugen aus dem Eichsfeld berichtete, der in diesem Gefängnis gelitten und als Überlebensmittel ein Schachspiel aus Streichhölzern gebastelt hatte, welches nun dort zu sehen ist, spürte jeder, welche Bedeutung die notwendige Auseinandersetzung mit DDR-Geschichte(n) hat. Diese Begegnung mit konkreter und nicht verklärter DDR-Geschichte hinterließ einen bedrückenden, nachhaltigen Eindruck – bevor in Presse und anderen Medien dies seit einiger Zeit zu einem Schwerpunkt geworden ist.

Aber Bautzen ist eine Stadt, die auch andere, schönere Bauten aufzuweisen hat. Das konnte man bei der anschließenden individuellen Stadterkundung in kleinen Gruppen feststellen.

Da der Weg von Dinslaken nach Polen recht lang ist, machte Frau Fuehr, welche seit ihrem Eintritt in den „Ruhestand“ in einer Begegnungsstätte in Oswiecim (Auschwitz) ältere und jüngere Menschen begleitet, Station in Schmochtitz und freute sich sehr, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrer der Schule, die sie über viele Jahre geleitet und geprägt hat, zu treffen und spontan eine Chorprobe unter Leitung von Schülerinnen der Jahrgangsstufe 12 und das Abendsingen mitzuerleben. Gern würde sie unseren Chor einmal in einer Kirche in Auschwitz in einem Konzert hören. In den Gesprächen bei Tisch berichtete sie uns über ihre interessante Tätigkeit und Erfahrungen in Polen …

Die Rückfahrt am Sonntag, dem 6. April 2008, bot noch einen abschließenden Höhepunkt, der hervorragend in das Gesamtkonzept unseres Chorseminars passte: Wir hatten die Gelegenheit, nicht nur in der Dresdner Kathedrale, der ehem. Hofkirche, einen Gottesdienst mitzufeiern, sondern wir konnten auch die berühmte Silbermannorgel hören und die weltbekannten Dresdner Kapellknaben auf der Empore live und nah erleben.

Stand: 07.01.2009

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Akzeptieren