Gottesdienst im Livestream

Jeden Sonntag um 10.30 Uhr wird die Heilige Messe aus der Kirche St. Ägidien in Heilbad Heiligenstadt bis auf Weiteres live übertragen. Jeder ist herzlich eingeladen, sie  mitzufeiern.

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Gebetsanliegen können per MAIL weitergeleitet werden.

Füreinander Dasein, wenn es schwierig wird!

Krisen sind besonders für eine Schule herausfordernde Situationen. Zwischen Angst und Sorge, aber auch Hoffnung und Zuversicht bewegen wir uns. Als Schulseelsorger möchte ich hier aus unserem christlichen Glauben heraus immer mal wieder meine Gedanken mitteilen. Vor allem möchte damit unsere Verbundenheit untereinander stärken. Niemand soll sich in Krisen- und Notzeiten alleine fühlen.

Grenzen annehmen und überwinden

Donnerstag, 26.03.2020

Bei dem Wetter kann ich heute nicht im Büro oder im Haus bleiben. Also, habe ich mich auf unseren Turm begeben. Schön kalt und windig hier oben!

Die moderne Technik macht‘s möglich, dass ich am hellichten Tage sogar Himmelskörper beobachten kann. Ja, ich weiß, was vielleicht jetzt einige von euch denken werden: Er schaut in die Sterne, um vorauszusagen, wie lange die ganze Corona-Krise noch andauern wird. Aber da kann ich euch beruhigen, an solchen Spekulationen beteilige ich mich nicht. Nein, mir geht es heute um etwas ganz Anderes. Etwas, was uns alle angeht, nämlich unsere Grenzen. Wir hören gerade davon, dass alle Grenzen irgendwie geschlossen, oder zumindest stark kontrolliert werden. Jeder von uns merkt, dass seiner Bewegungsfreiheit und seiner vielfältigen Möglichkeiten schmerzhafte Grenzen gesetzt werden. Wir beobachten sorgenvoll, dass Menschen in den Kliniken, Pflegeeinrichtungen, Supermärkten und anderen Dienstleistungsunternehmen, aber auch in Familien an ihre physischen und psychischen Grenzen stoßen. Und auch schulisch gesehen, gibt es Grenzen der Planungssicherheiten, was zu manch Unruhe und Verärgerung führt. Wohl nicht nur mir geht es so, dass ich in dieser Zeit heftig zu spüren bekomme, wie begrenzt mein Menschenleben ist.

Mit dem Blick in den Himmel wird mir aber auch bewusst, wie ehrgeizig und erfinderisch der Mensch immer gewesen ist, wenn er an Grenzen gestoßen ist. Nachdem der Mensch alle Berge und Täler, Flüsse und Urwälder erforscht hatte, da wollte er weiter. Der Mensch will immer weiter, Begrenzungen halten ihn nicht auf. Harte Arbeit, viele Rückschläge und Menschenleben hat es gekostet, bis der Traum zum Mond zu fliegen wahr wurde. Und seitdem hat sich der Mensch auch nicht zurückgelehnt und damit zufriedengegeben. Die Lust, die nächste Grenze zu überwinden, ist uns irgendwie eingepflanzt.

Auch wenn uns die derzeitigen Grenzen unsicher und ängstlich machen, sie werden uns als Menschen, als Gesellschaft und auch als Schulgemeinschaft weiterbringen. Es ist halt immer eine Frage der Betrachtung (ohne alles schön reden zu wollen).

Nichts wird mehr so sein, wie es ist. Es wird auch kein Zurück geben. Sicher habe ich keine Beweise, ich habe nur meine feste Überzeugung und mein Vertrauen, die mich durch diese Zeiten des Zweifels und der Gefahr tragen. Vermutlich nicht bis zum Mond, aber sicher hier auf Erden meinen und unseren gemeinsamen Weg weiterzugehen und neue Ziele hinter den Grenzen von heute zu erreichen. Deshalb:

Seid gut zueinander!

Den Durchblick behalten

Dienstag, 24.03.2020

Nun ist es schon eine Woche her, dass der Unterricht aus der Schule in die häusliche Wohnung verlagert wurde. Und ganz ehrlich, ich vermisse euch. Ich weiß ja nicht, wie es euch grad so geht, aber mir ist manchmal ziemlich langweilig ohne den ganzen Schulbetrieb. Und da kann man schon mal auf manch verrückte Gedanken kommen. Einmal selbst ein Experiment im Chemieraum durchführen. Und alles ganz ohne Fachfrau oder Fachmann. Das wäre großartig. Ich ziehe mir also vorschriftsmäßig eine Schutzbrille auf, fülle zwei Gläser ein wenig mit Erde und dann gieße ich Wasser darüber. Eine dicke braune Brühe entsteht. Und dann fange ich an, in dem einen Glas zu rühren. Ich habe ja Zeit, und kann warten und rühren, und warten und rühren. Tja, und dann (tatatataaaa!), „quod erat demonstrandum!“*. In dem einen Glas, in dem ich rühre und die Erde aufgewühlt wird, da ist ständig Bewegung, ständig Action. Und wie man sieht, ist es ziemlich trüb und undurchsichtig. Und das andere Glas steht halt schon eine ganze Weile einfach nur da. Das Wasser schaut ziemlich ruhig und klar aus und ich kann sogar bis auf den Grund schauen.

Wenn sich jemand jetzt also fragen sollte, was soll das? Den würde ich antwortend fragen: Was meinst du, welches Glas entspricht gerade mehr deinem Leben, deiner Gefühlslage, deiner Situation? Bist du in dieser schwierigen Zeit eher aufgewühlt, ständig in Bewegung, unruhig und hast irgendwie den Durchblick verloren? Oder, kommt dein Leben grade ein wenig zur Ruhe, es entschleunigt sich alles ein wenig, es setzt sich alles irgendwie, du gewinnst eine neue und klare Sicht auf dein Leben und du kannst dich auf das Wesentliche konzentrieren? Vielleicht probiert ihr es einfach selber mal aus. Denn, egal wie lange uns die Krise auch begleiten und unser Leben bestimmen mag, ab und zu zur Ruhe und zur Gelassenheit zu kommen, kann helfen, ungetrübten Blickes in die Zukunft zu schauen.

*“was zu beweisen war“

In diesem Sinne:

„Seid gut zueinander!“

 

Der Zug steht still!

Donnerstag, 19.03.2020

Heute ist der dritte Tag nach der Schulschließung und es ist gespenstisch ruhig hier im Gebäude. Hier, wo sonst junge und ältere Stimmen durch die Räume und Flure hallen, wo sich jugendliche Füße hordenweise im Treppenhaus hoch und runter bewegen, wo ständig Türen auf und oft viel zu laut wieder zugehen, wo neben Musik immer auch irgendeine ermahnende Stimme sich erhebt, wo man alle naselang über irgendeinen Rucksack oder Ranzen stolpert, eben wo ein lebendiges Miteinander in all seinen Facetten zu spüren ist, dort ist es auf einem Mal ganz still. Im fahrenden Zug hat jemand die Notbremse gezogen. Und jetzt steht alles. Und ich habe keine Ahnung, wann und wie der Zug wieder ins Rollen kommt. Aber in dieser Stille höre ich die bangen Fragen unserer 12Klässler, ob sie alle Anschlüsse erreichen werden. Ich höre die Stimme unserer 10Klässler, die gespannt darauf sind, was sie erwartet, wenn es weitergeht. Ich vernehme die Gedanken aller unserer Schüler, die zwischen dankbarer Verschnaufspause und ungeduldigem Wunsch, dass es endlich weitergehen soll, schwanken. Aber es kommt keine Durchsage, die mir die nötige Information überbringen kann. Unsere gemeinsame Zeit hier an dieser Schule gleicht einer Zugfahrt, bei der immer wieder neue Leute einsteigen und andere diesen Zug verlassen. Und es liegt in der Natur eines Zuges, dass immer irgendwie alles in Bewegung ist. Und jetzt steht dieser Zug Schule mitten auf dem freien Feld, alle mussten aussteigen und keiner weiß, wie lange diese unfreiwillige Pause dauern wird. Wenn ich aber so über meinen Schreibtisch schaue und die vielen Dinge (meist Geschenke von euch) sehe, die im Laufe der Jahre sich angesammelt haben und von so vielen schönen und weniger schönen Begegnungen erzählen, dann weiß ich, ES WIRD WEITERGEHEN!

Diese Hoffnung braucht von mir jetzt den Mut in dieser Zeit den Samen für eine bessere Zukunft zu legen. Mut, jetzt die Stille und die Ungewissheit auszuhalten. Den Mut, mit Abstand solidarisch einander zu sein. Und ich hänge symbolisch einen großen Zettel an unseren Zug, damit es jeder lesen kann:

„Seid gut zueinander!“

Gedanken zur Schulschließung wegen der Corona-Pandemie

Dienstag, 17.03.2020

Eine Schule ist ausgerichtet auf die Zukunft. Unsere jungen Menschen lernen für das, was später von ihnen erwartet und abverlangt wird. Wir schauen täglich auf ein Morgen und malen es uns in den buntesten Farben aus, wie das Leben zukünftig sein soll. Das ist gut und wichtig.

Auf einmal aber merken wir, dass uns die Zukunft nicht gehört und sie ungewisser wird. Mit einem Schlag wird uns bewusst, dass wir im Heute leben und nicht sagen können, was Morgen sein wird.

Dietrich Bonhoeffers wunderbare Zeilen fallen mir dabei ein:

„Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag!“

Ich weiß mich und meine Zukunft in Gottes Hand.

In dem großen Gebet, dem Vater Unser, drückt sich das in besonderer Weise aus und bekommt in diesen Tagen eine neue Dimension. Wenn wir beten „Gib uns täglich unser Brot!“, dann bedeutet das eigentlich Heute, heute lebe ich, morgen wirst du, Gott, für mich sorgen.

In diesem Sinne bleiben wir verbunden, Gott segne und begleite uns alle in und durch diese Zeit,

Ihr und euer

Markus Könen, Schulpfarrer

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(Stand: 20.3.20)