Gottesdienst im Livestream

In den letzten Wochen wurde der Sonntagsgottesdienst aus der Kirche St. Ägidien live übertragen. Wir danken allen Mitfeiernden. Der Youtube-Kanal von St. Ägidien bleibt weiter bestehen, so dass man sich die Gottesdienst noch anschauen kann. Außerdem wird es in nächster Zeit den ein oder anderen Podcast auf diesem Kanal geben. Falls die allgemeine Lage es erfordert, beginnt auch wieder eine Live-Übertragung

HIER gehts zum Youtube-Kanal

 

Gebetsanliegen können per MAIL weitergeleitet werden.

Füreinander Dasein, wenn es schwierig wird!

Krisen sind besonders für eine Schule herausfordernde Situationen. Zwischen Angst und Sorge, aber auch Hoffnung und Zuversicht bewegen wir uns. Als Schulseelsorger möchte ich hier aus unserem christlichen Glauben heraus immer mal wieder meine Gedanken mitteilen. Vor allem möchte damit unsere Verbundenheit untereinander stärken. Niemand soll sich in Krisen- und Notzeiten alleine fühlen.

Mein Platz!

Mittwoch, 14.10. 2020
(Diese Gedanken sind als geistliches Wort für die Lehrergesamtkonferenz gedacht!)

Besondere Situationen bedürfen besondere Maßnahmen. Seit Beginn des neuen Schuljahres müssen sich die Klassen 5 bis 9 am Ende der beiden großen Hofpausen an ihren Klassenschildern einfinden, um dann vom jeweiligen Fachlehrer abgeholt zu werden. Diese Maßnahme wurde aufgrund des Hygiene-Wege-Konzeptes notwendig, um den Andrang in den Treppenhäusern zu minimieren, was, ehrlich gesagt, aus verschiedensten Gründen nur wenig funktioniert. Aber sei es drum. Ich kann hinter jeder getroffenen Maßnahme mein Fragezeichen setzen. Ich kann aber auch versuchen, meinen Beitrag zu leisten, damit ein reibungsloser und geregelter Schulbetrieb aufrecht gehalten werden kann. Das hat etwas mit Haltung zu tun. Aber darauf will ich heute gar nicht hinaus.

Jeder weiß um die Enge und die Begrenztheit unserer Räume und unseres Schulhofes. Und wo soll ich hin, wenn ich meinen Platz suche? In einer Zeit, die geprägt ist von ständig ändernden Sachlagen und Maßnahmen mit der einhergehenden Unsicherheit, weiß ich manchmal nicht mehr, wo stehe ich eigentlich gerade? Wo gehöre ich hin? Was ist mein Platz in diesem Leben, in dieser unseren Schule? Auf kaum mehr ist etwas Verlass, ich kann kaum den nächsten Tag wirklich planen, weil ich nicht weiß, ob das Geplante nicht in Echtzeit der Planung schon wieder verworfen werden muss. Hin- und Hergerissen zwischen Gedanken, Gefühlen, Regelungen und immer wieder neuen Herausforderungen fühle ich mich bisweilen als ein Getriebener, der ständig auf der Suche ist nach dem, nach seinem Platz. Seit März sind wir doch alle – vielleicht mit Ausnahme der Ferientage – nur noch in einem Krisenmodus, der schon zu einem Normalzustand geworden ist. Natürlich darf die Frage hier erlaubt sein, ob wir überhaupt wieder ein wenig Ruhe in unseren Alltag bekommen. Letztlich werden wir alle lernen müssen, mit diesem Virus zu leben. Er hat seinen Platz mitten unter uns gefunden. Und wir? Und ich?

Ich sehe Menschen, die voller Unsicherheit nicht mehr wissen, wohin sie gehören, die das Gefühl in sich tragen, dass ihnen ihr Platz weggenommen wurde. Ich sehe Menschen, die ihren Platz verlassen haben, und nicht wiederkommen, deren Platz einfach leer bleibt und ich mich frage, was ist mit ihnen? Ich sehe Menschen, die ihren Platz nicht verlassen möchten, die sich gut eingerichtet haben und keine Veranlassung sehen, sich auf neue Herausforderungen einzulassen, die auch im Kopf kaum Platz haben für neue Gedanken und Wege (siehe Digitalisierung unseres Schulalltages). Damit ich nicht falsch verstanden werde: Für all diese Menschen habe ich Verständnis, oder anders ausgedrückt, ich räume ihnen einen berechtigten Platz in meinen Gedanken ein.

Aber ich frage mich auch, wo hat unser Glaube, wo hat Gott seinen Platz in dieser Zeit an unserer Schule, wenn beispielsweise Gottesdienste in gewohnter Form nicht mehr stattfinden können? Machen wir uns nichts vor, es gab schon immer einen himmelweiten Unterschied zwischen dem, was der Mensch erwartet und dem, was die Antwort Gottes ist. Nein, groß zu leiden hat niemand von uns. Insofern ist jedwede Panik oder Aufregung fehl am Platz. So ist mein Platz derzeit in der Spannung zwischen einer vertrauensvollen Gelassenheit und der ständigen Suche nach Antworten, Lösungen und Entscheidungen. Und ich bin eben auch für jeden sehr dankbar, der sich auf den Platz stellt und verantwortungsvolle Entscheidungen trifft. Das ist heutzutage nicht selbstverständlich. Was ist nun also mein Platz?

Mein Glaube erspart mir keine Herausforderung, kein Suchen, keine Unsicherheit im Leben, „denn“, so heißt es im Hebräerbrief: „…wir haben hier keine bleibende Stätte, sondern suchen die zukünftige!“ (Hebr 13,14). Dieser Spruch hängt übrigens auch im Lehrerzimmer als Plakat seit einigen Jahren. Es gibt eben etwas, was für mich unverfügbar bleibt. Mein Glaube sagt mir eben dann nicht: „Alles wird gut!“, sondern er gibt mir die Zuversicht, in jeder Lebenslage getragen zu sein, nicht alleine zu sein. Das ist mein, das darf unser Fundament auch und gerade in Schule sein. Es schenkt eine Perspektive, die jegliches Suchen und Fragen ertragen lässt. Mein Platz ist bei ihm, bei Gott. „Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir!“ (Apg 17, 28) Oder ich vertraue auf die Zusage Jesu, der sagt: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen, und ich gehe jetzt hin, um dort einen Platz für euch bereitzumachen!“

In diesem Sinne gehen wir mit Haltung und Zuversicht weiter durch dieses Schuljahr!

Und natürlich: Seid gut zueinander, weil ihr das könnt!

 

 

Mit Haltung und Zuversicht!

Montag, 31.08.2020

"Mit Haltung und Zuversicht!" in das neue Schuljahres 2020/2021.

Haltung,

… weil ich weiß, was mir Halt gibt, woran ich mich festhalten kann, wenn es schwierig wird.

… weil ich weiß, dass es auch um mein Verhalten, damit Leben in Gemeinschaft funktionieren kann.

.. weil es um einen Standpunkt geht, der den Schwachen schützt und verteidigt.

Zuversicht,

… weil sie mehr ist als Optimismus, der alles gut werden sieht.

… weil es um die Sicht auf die Dinge geht, um die Perspektive, die Leben gelingen lassen kann.

... weil sie Hoffnung schenkt.

Seid gut zueinander!

Auf geht's!

Mittwoch, 26.08.2020

Am kommenden Montag startet nun wieder ein neues Schuljahr, dass sich doch irgendwie unwirklich und so anders anfühlt, als in den vergangenen Jahren. Es heißt zwar Regelbetrieb, aber wie soll das im Einzelnen gehen und vor allem, wie lange geht das gut. Ungewissheit, ja und auch ein bisschen Bammel vor dem, was da in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten kommen mag, verspüre ich schon, aber auch eine große Portion Hoffnung, dass alles möglichst gut verlaufen wird.

In unserem oft sehr durchstrukturierten Leben, in dem wir uns nach allen Seiten bestmöglich absichern, vergessen wir oft, dass es nur Zufall, oder besser ein Geschenk ist, einigermaßen sicher leben zu können. Wie selbstverständlich gehe ich Tag für Tag meine Wege, verrichte meine Dinge, plane meine Zukunft. Ja, beinahe leichtfüßig setze ich Schritt für Schritt und überwinde die unterschiedlichsten Hürden und Hindernisse. Ich spüre die Energie und eine tiefe innere Überzeugung, die mich an Höhe und Weite im Leben gewinnen lässt. „Was soll mir schon großartiges passieren?“, so denke ich und schaue ein wenig bemitleidend auf die, denen bei jedem Schritt die Angst ins Gesicht geschrieben steht. „Sollen sie doch zu Hause bleiben!“ Ich halte inne und denke, wie überheblich so ein Gedanke doch ist.

Wäre es nicht deine Aufgabe, ihnen zu helfen, ihre Ängste zu überwinden, ihnen gut zuzureden, dass es ganz normal ist, Angst zu haben, weil es eine ganz vernünftige Reaktion der Psyche ist, die auf eine Gefahr hinweist und zur Sorgfalt auffordert? Ist es nicht deine Aufgabe, sie an die Hand zu nehmen und ihnen zeigen, dass viel mehr Fähigkeiten in ihnen steckt, als sie glaubten, und die ihre Angst bis dahin verborgen hatte? Warum bist du so ungeduldig?

Dabei erinnere ich an einer meiner letzten Bergtouren vor ein paar Jahren mit Schülerinnen und Schüler unserer Schule im Dachsteingebirge. Das Wetter hatte umgeschlagen, es war nass und neblig. An einer Felswand ging es nur noch mit Drahtseil und Steigeisen hinunter, wobei man das „Unten“ von oben nicht sehen konnte. Der erste mutige kletterte hinunter und rief dann den nächsten. Zum Schluss war ich an der Reihe. Die ersten zaghaften Tritte klappte es gut, dann rutschte ich mit meinem linken Fuß vom Steigeisen und ein paar Zentimeter mit den Händen am feuchten Drahtseil ab. Mit schwerem Rucksack bepackt, rutschte mir das Herz in die Hose. Ich musste all meinen Mut zusammenraffen, damit ich wieder ordentlich Halt unter den Füßen hatte. Mit Hilfe der anderen kam ich dann heil unten an und ich wusste, wie so oft schon beim Bergsteigen und in meinem Leben überhaupt, hatte ich einfach Glück.

Nicht nur diese Begebenheit erinnern mich daran, wie ausgesetzt unser kleines Stückchen Leben in diesem Universum doch ist. Aus der astronomische Forschung wissen wir, was für ein großer Zufall es war, dass die Sternenwelt und Leben entstehen konnte. Welchen glücklichen Umständen verdanke ich, dass ich so bin, wie ich bin, mit meiner Kraft und Ausdauer, mit meiner Gesundheit und dem Wohlstand, den ich habe? Und wie lange kann ich darauf vertrauen?

Und da ist er wieder, dieser eine Moment, in dem ich große Dankbarkeit empfinde. Nichts ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Natürlich habe ich auch an mir gearbeitet, dass ich so leben und genießen, so kraftvoll durchs Leben und über die Berge gehen kann, wie ich es tue. Aber letztlich ist es ein großes Geschenk, dass ich jetzt habe und jetzt nutzen kann, dass ich aber nicht nur für mich und nicht für immer habe. Denn ich spüre, wie ausgesetzt man doch in seinem Leben ist, wie brüchig Selbstsicherheit und Selbstgenügsamkeit sind.

Wenn es jetzt wieder losgeht mit dem Schulalltag, dann braucht jeder von uns immer wieder die Hand, die den anderen hält, wenn ihm angst und bange wird. Da braucht es das ermutigende Wort, wenn jeder Schritt zu einer Qual wird. Und da braucht es die Antwort auf die Frage: Was ist denn dein Halt, dem du vertraust, wenn du den Boden unter deinen Füßen zu verlieren drohst?

Hand, Mut und Antwort sollen uns stärken und begleiten in einem Schuljahr, dass sich so unwirklich, so anders anfühlt, als in den vergangenen Jahren.

Im Buch der Psalmen heißt es: „Der Herr wird uns zur Stütze, er führt uns hinaus ins Weite!“ (nach Psalm 18). Darauf vertraue ich und in diesem Vertrauen segne, stärke und begleite uns in diesem Schuljahr Gott der Vater + und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

P.S. Seien wir gut zueinander!

Jetzt abschalten!

Freitag, 17. Juli 2020

Das Schulhaus ist wieder leer und es ist wieder ganz still geworden. Also nutze ich diesen Moment, um meine letzten Gedanken zu den nun startenden Sommerferien aufzuschreiben:

Letzte Tag war ich unten im Keller und fand dieses Bild aus unserem Serverraum mag sinnbildlich für das zu Ende gehende Schuljahrlich, das so vieles auf den Kopf gestellt hat. Wir haben einen bis dahin nie dagewesenen Lockdown in Schule und Gesellschaft erlebt. Wir haben hier in der Schule einer „neuen“ Form des digitalen Unterrichtens und Lernens zu tun bekommen und mussten ziemlich schnell lernen damit umzugehen. In der Zwischenzeit wurde auch der digitale Wechsel vom Server in Bestwig auf den Server hier in Heiligenstadt umgestellt, was relativ geräuscharm vonstattenging. In der ganzen Zeit seit dem 17. März habe ich zumindest wieder mehr als genug gespürt, dass alles irgendwie miteinander zusammenhängt. Dass, wenn ich an einem Kabel ziehen, das Auswirkungen auf das Ganze haben wird. Und auch deswegen möchte ich meinen herzlichen Dank allen aussprechen, die in den vergangenen Wochen und Monaten nicht den Überblick verloren haben und mit Herz, Blut und Verstand unsere Schule mit all ihren Menschen gelenkt, gestaltet und behütet haben.

Jetzt heißt es: Schalt ab, mach mal Pause! Denn wer ständig unter Strom steht und in Bewegung ist, wem die Bodenhaftung und die Erdung fehlt, dem rutscht auch leicht der Boden unter den Füßen weg. Gerade deshalb ist es so wichtig, von Zeit zu Zeit innezuhalten, nachzudenken über das, was war, und Ausschau zu halten nach dem, was kommt. Wenn ich das ernsthaft mache, dann kommen nicht nur angenehme und schöne Erinnerungen hoch, sondern auch Dinge, die mich oder andere verletzen und wehtun. Die Gefahr ist groß, dies nicht zuzulassen, sich lieber ablenken und zurieseln lassen. Wirklich Kraft holen hat eben auch seinen Preis.

Ich wünsche euch allen eine gute, erholsame und kraftspendende Zeit der Ferien in der Hoffnung, uns alle dann wiederzusehen.

... und vor allem:

Seid gut zueinander!

Euer Schulpfarrer Markus Könen

"Weine nicht, wenn der Regen fällt!"

Mittwoch, 08.07.2020

Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich meine letzten Gedanken hier verfasst habe. Eigentlich ein gutes Zeichen, dass nämlich genug zu tun ist in der Schule. Es geht auf die Zielgerade, die Noten werden von den Lehrerinnen und Lehrern in die Computer eingegeben und verglichen, Zeugnisse werden gedruckt und unterschrieben und irgendwie freut sich dann doch alles, dass dieses verrückte Schuljahr endlich vorbei ist.

Trotz herausfordernder Umstände haben wir in einer festlichen und ergreifenden Feierstunde letzten Samstag unsere Abiturientinnen und Abiturienten verabschiedet. Unsere guten Wünsche und Gebete für eine gelingende Zukunft mögen sie begleiten.

Und nun? Irgendwie fühle ich mich gerade in so einem Zustand, wo ich nicht weiß, soll ich mich freuen, oder traurig sein, soll ich eine Jacke anziehen, oder reicht ein T-Shirt, soll ich mir schon mal Gedanken machen über das kommende Schuljahr, oder lasse ich es lieber, weil man ja eh nicht sagen kann, was kommt und was wird. Die Stimmungslage gleicht dem heutigen Wetter. Irgendwie alles trist. Obwohl wir ja im Hinblick auf die Natur froh und dankbar über den Regen sein können.

Wie war das an dem Montag 19.August 2019 unserem ersten Schultag? Niemand hat an dem Tag sich in kühnsten Träumen ausdenken können, dass wir 7 Monate später eine Komplettschließung unserer Schule vornehmen mussten, aufgrund eines Virus, der sich weltweit breitmacht. Mit Drafi Deutschers „Mamor, Stein und Eisen bricht…“ starteten wir damals in das neue Schuljahr. Als Symbol wählte ich den Regenschirm, der dann ein ganzes Jahr die Eingänge im Neu- und Altbau zierte. Darunter der Leitspruch für das Schuljahr: „Keine Panik!“ „Ob ich damals prophetische Kräfte besessen haben?“, fragte man mich angesichts der Corona-Krise. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass in der Rückschau bis zu dem heutigen Tag wir allesamt ziemlich gut beschirmt und behütet waren. Es gibt nicht nur schöne und erfolgreiche Schultage. Es gibt eben auch die traurigen, unglücklichen, erfolglosen und Unsicherheit verbreitenden Momente. Es scheint nicht nur die Sonne, manchmal kann es auch ganz schön nass werden, neblig und trüb sein und mir der Wind von vorn kräftig ins Gesicht blasen.

Aber, um die Zeilen des bekannten Schlagers aus dem Jahr 1965 nochmal zu zitieren, im Blick auf all das Chaos, den Trubel, das Durcheinander, manch Unverständnis und Ärger, aber vor allem die Unsicherheiten der letzten Wochen und Monate, dürfen wir darauf vertrauen: „Es gibt einen, der zu dir hält!“ Das ist das, was für mich am Ende zählt. Und dafür bin ich sehr dankbar.

In diesem Sinne:

Keine Panik und seid gut zueinander!

"Ich bin dann mal weg!"

Dienstag, 16.06.2020

Ja, die letzten Wochen haben schon geschlaucht und da tut es gut, mal für ein paar Tage Luft zu holen, Kraft zu tanken und eine andere Perspektive einzunehmen. Ich weiß natürlich, dass viele Lehrerinnen und Lehrer, und vor allem unsere Schulleitung so eine Auszeit auch bitter nötig haben. Zumindest gedanklich sind alle mit hier dabei. Und vielleicht kann ich nach meiner Rückkehr etwas von dem ihnen und euch allen weitergeben, was ich in den Tagen hier in Benediktbeuern geschenkt bekomme. Jedoch ist es mir auch nicht entgangen, dass manche Familien die wechselnden Präsenzzeiten in der Schule als günstige Gelegenheit nutzen, dem Alltag zu entfliehen und manchen Kurzurlaub zu unternehmen. Auch wenn ich das im Blick darauf, dass ja noch keine Sommerferien sind, ein wenig bedenklich finde, steht mir jedoch kein Urteil zu.

Manchmal tut es gut, einfach mal abzutauchen, weg zu sein, von der Bildfläche zu verschwinden. Es ordnet manches wieder und bringt es in die richtige Reihenfolge, was wirklich wichtig ist. Andererseits befreit es von dem falschen Gedanken, man sei unersetzlich. Irgendwie läuft ja alles weiter (zumindest laut täglicher Berichterstattung). Ja, auch trotz Corona, trotz Krieg, Gewalt, Hass, Hunger und Elend, trotz Ungerechtigkeiten jedweder Art, die Erde dreht sich weiter. Das sich vor Augen zu führen, dafür muss man mal raus, dafür muss man die Erfahrung machen, dass nicht alles den Bach runter geht, nur weil man gerade nicht auf dem Posten ist.

Wie viele von uns geraten in eine gewisse panische Sorge, wenn mal etwas nicht so läuft, wie geplant? Dazu gehört auch die ein oder andere schlechtere Note (übrigens: eine Drei zähle ich nicht dazu, denn sie sagt ja aus, dass die Leistung zufriedenstellend ist). Auszeiten, wie diese Corona-Krise rücken manche Einstellung wieder gerade. Denn es sind nicht die Dinge, oder die Situationen, oder die Erlebnisse, die uns Angst machen, sondern unser Blick darauf. Deswegen bin ich öfter auch einfach mal weg, um meinen Blick zu schärfen und dahingehend Vertrauen zu fassen, dass sich die Erde auch in meiner Abwesenheit weiterdreht. Manchmal überrollt uns eine Krise wie eine Welle. Manchmal machen wir selbst dann die große Welle. Bis wir merken, dass jede Welle irgendwann einfach verschwindet, strandet am Ufer der Ewigkeit.

Mir hilft dabei immer ein Satz des Heiligen Johannes (Don) Bosco: „Tun wir das, was wir tun können; Gott wird das Fehlende schon hinzufügen!“

In diesem Sinne:

Macht nicht immer die große Welle und seid gut zueinander!

Durchatmen

Dienstag, 02.06.2020

Es geht zu meinen allmorgendlichen Ritualen, wenn ich in die Schule bzw. in mein Büro komme. Ich öffne das Fenster und zünde diese Kerze an. Und jedes Mal, wenn diese Kerze brennt, spreche ich leise: „Vater, lass mich heute wie diese Kerze für dich und die Menschen brennen!“ Und dann atme ich einmal tief durch.

Natürlich ist diese Kerze in diesen Tagen besonders für unsere Abiturientinnen und Abiturienten und natürlich für die Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse bei ihrer Besonderen Leistungsfeststellung entzündet. Aber sie leuchtet jeden Tag im Schuljahr und ist für mich zu einem wichtigen Symbol der Verbundenheit geworden. Der Blick auf die brennende Kerze von meinem Schreibtisch aus bringt mir jedes Gesicht unserer Schule und meinen Auftrag, den ich übernommen habe vor Augen. Niemand soll sich alleine fühlen. Gerade die Erfahrungen der letzten Wochen zeigen: Wer sich auf den Weg macht, der kann nicht damit rechnen, dass die eingeschlagenen Wege immer eben und gradlinig verlaufen. Wer die Segel setzt, um aufs Meer hinauszufahren kann nicht erwarten, dass die Winde immer günstig stehen. Wer den ersten Schritt vor die Haustür setzt, kann nicht sagen, wohin dieser Schritt ihn führt.

Aber nur, wer diesen ersten Schritt wagt, nur, wer bereit ist die Segel zu setzen, nur, wer bereit ist, sich auf den Weg zu machen, wird etwas finden, wird Spuren hinterlassen, wird immer mit etwas völlig Unerwartetem rechnen müssen. Denn Leben heißt, sich darauf verlassen können, getragen zu sein.

Ich staune immer wieder, wie die unterschiedlichsten Herausforderungen gemeistert werden. Und vielleicht ist es genau dieses Staunen, was uns in Atem hält und nicht untergehen lässt. Wir lieben unser Leben und das, was uns geschenkt wurde und auch noch wird. Wir brennen dafür, alles Mögliche zu unternehmen, damit unser Leben gelingen kann. Und heute können wir nach einigen Wochen extrem angespannter Lage doch auch alle mal ein bisschen durchatmen, dass es bis jetzt ziemlich gut verlaufen ist.

Diese Kerze steht eben auch für die Liebe, die letztlich die Antwort sein kann, wenn unser Atem nicht mehr reicht.

In den letzten Tagen haben wir das Pfingstfest gefeiert. In der Apostelgeschichte lese ich: „Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, […] erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt…“ Die Jünger sind versammelt in der Gemeinschaft, sie brauchen das Zueinandergehören in einer Zeit der Ratlosigkeit und der Neuorientierung. Interessant dabei ist für mich, dass auf jeden von ihnen eine Zunge, wie von Feuer niederlässt. Jeder ist und bleibt ein Individuum. Auch dafür brennt diese Kerze in meinem Büro, treu dem Leitwort aus unserem Jubiläumsjahr: „Den Einzelnen sehen und zum Leben befähigen!“

In diesem Sinne:

Atmet durch und seid gut zueinander!

Wir machen den Weg frei!

Dienstag, 19.05.2020

Manche lernen es nie. Zugegeben, mir fällt es auch noch sehr schwer, immer den richtigen Ausgang bzw. Eingang zu benutzen. Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier und nicht nur ich frage mich oft nach der Sinnhaftigkeit dieser Regelung. Klar, es sollen sich keine größere Ansammlung von Menschen an, zwischen und vor den Türen aufhalten. Aber meistens bin ich ja alleine. Und wer hindert mich daran, nach dem Benutzen der Türklinke mir dir Hände zu waschen? Naja, Ordnung muss sein, damit alles seinen Gang geht.

Und zu einem „normalen“ Gang im Schulalltag gehören auch die Abiturprüfungen. Aber, was ist in diesen Zeiten schon normal? Gestern nun haben sie in den naturwissenschaftlichen Fächern begonnen und werden morgen im Fach Deutsch fortgesetzt. Endlich, könnte man sagen, geht’s los. Bei aller Traurigkeit über ausgefallene und nichtstattfindende Rahmenfeierlichkeiten, scheint es mir in erster Linie wichtig zu sein, allen unseren Schülerinnen und Schülern einen Weg in eine gute Zukunft zu ebnen. Wie heißt es so schön? „Schule ist die Vorbereitung aufs Leben!“ Als ob während der Schulzeit kein Leben stattfindet.

Eine gewisse Etappe an Lebenswegstrecke gehen wir gemeinsam. Auch wenn uns vielleicht ab und an unterschiedliche Interessen und Ziele leiten, so sind wir zumindest zeitweise gemeinsam auf diesem Weg. Wie vortrefflich können wir uns über die Richtung, in die wir oder jeder einzelne gehen soll, streiten. Am Ende möchte jedoch jede und jeder von uns etwas erreicht haben.

Auch wenn mir mit der Zeit viele Wege im Leben vertraut sind, so wüsste ich manchmal schon gerne, was mich erwartet, wo es hingeht und worauf ich zu achten habe auf meinen Wegen? Wie geht es weiter in dieser sogenannten „Corona-Krise“, nicht nur schulisch, sondern gesellschaftlich und sicher auch im privaten Leben.

Im Laufe einer Schulzeit höre ich Fragen, wie: „Warum mache ich das eigentlich hier?“, oder „Gibt es eine Abkürzung?“ Aber bei allem gemeinsamen Gehen sind diese Wege, die mich dann und wann auch überraschen können, weil ich manches nicht erwartet hätte. Wege, bei denen ich aus dem Staunen und Wundern nicht herauskomme. Wege, die mir so fremd sind, dass sich aus dem Gehen dieser Wege Neues entwickeln kann. Wege, die mich verändern, die mich als einen anderen an- oder zurückkommen lässt als ich gestartet bin. Und auch jetzt in dieser unsicheren und oft chaotisch anmutenden Zeit ist das Fremde dabei das Entscheidende, denn nur so bleibe ich ein Lernender meines Lebens. Ja, es mag eine Zumutung sein so manchen Weg zu gehen, den ich nie gehen wollte. Oder besser, auf einen Weg zu verzichten, den ich mir schon so schön habe ausgemalt. Aber auf diesen ungewollt gegangenen Wegen sind es die überraschenden und wohltuenden Momente, die ich in Erinnerung behalten möchte.

Und genau darum geht es. Ich kann im Leben nichts festhalten. Nichts ist für die Ewigkeit. Gerade unsere Abiturientinnen und Abiturienten, aber auch alle anderen an unserer Schule haben hautnah erleben können, dass das, was sie geplant und sich vorgenommen haben, durch ein kleines Virus wie eine Seifenblase zerplatzt ist. Und vielleicht ist es das, was Schule am Ende mitgeben kann, dass Sicherheiten nur begrenzt vorhanden sind, und dass kein Weg eine Garantie für ein glückliches Ankommen ist. Aber, dass selbst im fremden und ungewollten Weg Zukunft steckt und ich gerade auf diesen Wegen meine eigenen Stärken und meine eigenen Schwächen, meine Kraft und meine Zerbrechlichkeit erkenne.

Und am Wichtigsten ist die Erfahrung, dass es gut zu wissen ist, dass ich die Wege nicht alleine gehe, dass mir gesagt wird: „Hab keine Angst! Geh deinen Weg! Du gehst ihn niemals alleine!“

In diesem Sinne:

Seid gut zueinander!

Mülltrennung 2.0

Dienstag, 12.05.2020

Ich glaube, die Erfahrung macht wohl jeder von uns. Im Laufe der Zeit sammelt sich ne Menge an Zeug an. Jede freie Ecke wird irgendwann durch irgendwas ausgefüllt und am Ende weiß man nicht mehr genau, warum man dieses oder jenes hier aufbewahrt hat. Geschweige denn, dass man überhaupt noch weiß, dass man es noch hat.

Also habe ich mir in den letzten Wochen gedacht, jetzt ist eine gute Zeit in meinem Büro auszumisten. Schränke auf, alles raus und nur noch das wieder hineinsortiert, was ich wirklich brauche. Mein Sofa an die Seite und den ganzen Mist, der sich darunter und dahinter angesammelt hat, beseitigen. Ich habe sogar einen neuen Schrank bekommen, der in Nulllkommanix schon gut gefüllt war. Aber mittendrin musste ich immer wieder aufpassen, dass mir nichts Wichtiges abhandenkommt, das unter einem Stapel Unwichtigem lag. Also, Aufmerksamkeit beim Aufräumen war und ist angesagt, damit nicht alles auf den Müll kommt.

Und ich denke, dass gilt auch für unsere Schule und besonders für uns als Schulgemeinschaft.

Auch wenn in den letzten Tagen einzelne Klassen und einzelne Schüler wieder hier in der Schule zu begegnen sind, so habe ich den Eindruck, dass manches von dem, was uns auszeichnet, bis aufs Nötigste oder auf ein Minimum reduziert wurde. Als Menschen sind wir zutiefst kommunikative Wesen. Aber genau diese Kommunikation fällt gerade ein wenig hinten runter. Und – Hand aufs Herz – jede digitale Form der Verständigung kann niemals das Gespräch „Face-to-Face“ ersetzen. Wie sonst sollten bestimmte Gefühle und Eindrücke vermittelt werden können, wenn ich mich nicht analog gegenübersitze? Und die Erfahrung zeigt mir auch, dass die unterschiedlichsten Messenger keine gelungene Diskussionskultur möglich machen. Eher dann doch zu mehr Missverständnissen und Verärgerungen führen.

Gerade in dieser schwierigen Zeit spielen die persönlichen Befindlichkeiten eine große Rolle. Umso wichtiger ist, dass die Ressource einer guten Gesprächskultur, einer gelungenen Kommunikation nicht mit oder durch die momentan gegebenen Rahmenbedingungen auf den Müll laden. Da möchte ich sehr aufmerksam bleiben.

Aufmerksam vor allem dann, wenn ich merke, dass manche unserer Schüler nicht erreichbar sind. Schüler, die auch in „normalen“ Zeiten es schwer haben, Kontakt zu halten, im Lernstoff mitzukommen oder auch ihr soziales Umfeld einiges an Last auf die Schultern legt. Entschuldigt bitte diesen Ausdruck, aber ich habe ein wenig die Befürchtung, dass unsere Kommunikation und damit auch unser Zusammenleben verwahrlost.

Und ich möchte alles daransetzen und aufmerksam sein, dass weder unser Gesprächsfaden, noch irgendeiner unserer Schulgemeinschaft, also sei es Schülerin oder Schüler, Lehrerin oder Lehrer, oder Eltern aufgrund dieser Krise, bildlich gesprochen auf den Müll landet. Zumindest bin ich mir keineswegs zu schade im selbigen zu wühlen, um Verlorenes wiederzufinden.

Menschen mit knappen Ressourcen Bildung, Kommunikation oder sozialen Kontakten sind nicht Teil des Problems, sondern Agenten einer Lösung. Sucht mit mir gemeinsam Lösungen, dass nichts und niemand letzten Endes in der Tonne landet.

Und in diesem Sinne:

Seid gut zueinander!

Das schaffen wir mit Links!

Dienstag, 05.05.2020

Hurra, es ist wieder Leben in der Bude! Naja, ein bisschen wenigstens. Nachdem letzte Woche die Schülerinnen und Schüler der 12. Klassen hier waren, haben in diesen Tagen die 10Klässler ihren ersten Präsenzunterricht nach geschlagenen sieben Wochen.

Apropos „geschlagen“: Bei all den derzeitigen Herausforderungen und Schwierigkeiten gibt es hin und wieder schon einmal Momente und Situationen, die sicher nicht nur mich, sondern auch den ein oder anderen von euch oder eure Eltern ziemlich auf den Kranz gehen und ärgern. Da ist es gut, so einen Boxsack zu haben, auf den ich mal so richtig draufschlagen kann. All den Frust und all die angestaute Unzufriedenheit kann ich an so einem Teil herrlich abbauen. Dabei frage ich mich gerade, was ihr zum Abreagieren benutzt? Es wird ja nicht jeder unbedingt so ein Boxsack zu Hause haben.

Und bei dem ganzen Draufrumboxen hält man sich auch ein wenig fit, man bleibt in Bewegung. Wobei diese Tatsache nun generell für den schulischen Alltag gilt. Es gibt klare Wegbeschreibungen, durch welche Tür man in das Schulgebäude hineindarf, und aus welcher man halt nur hinausgehen soll. Da muss man bisweilen halt mal den ein oder anderen Umweg laufen. Dann sind die einzelnen Gruppen in unseren zwei Gebäuden schon weit auseinander verstreut in den Räumen verteilt, so dass ich echt mal überlegen soll, meine gelaufenen Kilometer zu zählen. Aber schaden kann es mir ja nicht, ein wenig mehr zu laufen als sonst. Wenn da nicht diese Schutzmaske wäre, unter der man echt wenig Luft bekommt. Und wieder ein Schlag mehr auf den Sack. Und für das Warten auf entsprechende Antworten des Kultusministeriums sowieso. Oh ja, dann macht es auch wieder ein bisschen Spaß hier zu sein.

Ich glaube, wir müssen alle uns irgendwie durch diese Zeit boxen. Und dabei geht es gar nicht mal darum, meine eigenen Interessen durchzuboxen, sondern versuchen, dass jeder von uns weiterhin schlagkräftig genug bleibt, um die Herausforderungen zu meistern. Niemand ist nur seines eigenen Glückes Schmied. Und ich bin froh und dankbar (und seit letzter Woche noch mehr), dass ich hier immer wieder Menschen begegnen durfte und darf, mit denen man im Gespräch ist und bleibt, Gedanken und Gefühle austauschen kann, und manchmal auch gemeinsam gegen diesen Boxsack schlagen kann.

Und dann kommt der Moment, in dem ich mich einfach mal ruhig in eine Ecke setze (manchmal noch ganz außer Atem) und aufhöre ständig zu fragen, was muss ich jetzt noch alles tun und schaffen? In diesen Momenten habe ich die Chance mich beschenken zu lassen von einer Ruhe und einer Energie, die ich brauche, um mich mit euch allen zusammen, durch diese Krisenzeit durchzuboxen. Keiner kämpft nur auf eigenen Faust! Gemeinsam schaffen wir das mit Links. Auch wenn wir diese gerade verstärkt nur in digitaler Form nutzen!

In diesem Sinne:

Seid gut zueinander!

Leben heißt Abwägen!

Mittwoch, 29.04.2020

Seit Montag sitzen die Schülerinnen und Schüler der 12. Klasse wieder in unserer Schule. Und die Stimmung ist ziemlich unterschiedlich. Ich spüre Unsicherheit, große Sorge, Traurigkeit, Enttäuschung und auch Unverständnis. Aber da sind auch die Motivierten, die Gelassenen, die Einsichtigen, Mitfühlenden und Ausgeglichenen, sicher auch die Gleichgültigen und Gelangweilten. Alle verbindet irgendwie der Wunsch, dass die ganze Geschichte mit dem Abitur nun so schnell wie möglich über die Bühne geht und nicht noch irgendeine Regelung kommt, dass doch wieder alles anders wird, als geplant.

Was vor 1 ½ Monaten noch selbstverständlich war, ist jetzt ganz anders. Und wir alle müssen uns daran gewöhnen, dass Türen auf einmal nicht mehr Ein- und Ausgänge sind, sondern ein gewisses Einbahnstraßensystem herrscht (naja, mehr oder weniger). Dass niemand mehr ohne Mund-Nasen-Bedeckung durchs Schulgelände und –gebäude laufen darf (auch hier wurde schon die Reserve im Sekretariat angerührt). In den einzelnen Räumen dürfen auch nur noch max. 10 Personen anwesend sein und natürlich die Abstandsregel nicht zu vergssen, für die extra Klebestreifen auf dem Boden im Haus verteilt wurde (wie viele Augen hier zugedrückt werden, sei mal geflissentlich dahingestellt). Im Endeffekt entscheidet der gesunde Menschenverstand, die eigene Vernunft, was richtig und was falsch ist.

Man kann sicher die ein oder andere Entscheidung seitens der Schulleitung oder der Regierung in Frage stellen. Und sicher gibt es Regelungen, die für Kopfschütteln sorgen. Aber sind sie damit per se falsch?

Es ist und bleibt ein ständiges Abwägen. Es gibt ein Grundrecht auf ein gesundes Leben. Aber genauso gibt es ein Grundrecht auf gute Bildung bzw. Ausbildung. Es gibt ein Grundrecht auf freie Entfaltung. Aber genauso ein Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit. Was wiegt mehr? Soll man beispielsweise den Autoverkehr verbieten, weil es so viele Unfalltote pro Jahr gibt? Und wenn jetzt vieles grad nicht möglich ist, wem schadet es am meisten? Gehört nicht auch zu einem gesunden Leben die Ausübung diverser Freizeitaktivitäten und auch eine gewisse berufliche Zukunftsperspektive. Wie weit müssen da Hygieneregeln und Verordnungen gehen? Ich möchte gerade nicht in der Haut derer stecken, die verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen haben und irgendwann merken, dass durch falsche Prioritätensetzung eine nicht so gute Entscheidung getroffen haben.

Unsere Schülerinnen und Schüler möchte wir in den Jahren ihrer Zeit an unserer Schule mit der guten Eigenschaft ausstatten und sie dazu bilden, dass sie Güter abwägen und eigenverantwortlich Entscheidungen treffen können für ihr Leben und das der anderen. Aber was noch viel wichtiger ist, denke ich, dass sie hinter den Entscheidungen anderer nicht einen bösen Willen sehen, sondern vielleicht eben nur eine andere Gewichtung der Dinge. Und dass es darauf ankommt, immer offen und ehrlich darüber zu diskutieren, konstruktiv zu streiten, eben einfach im Gespräch zu bleiben, ohne dem anderen etwas vorzuwerfen.

Dankbar schaue ich auf unsere 12Klässler und vertraue darauf, dass ihnen alle ihr Leben und das Leben auf dieser Welt schlechthin nicht gleichgültig ist, so dass sie gute und abgewogene Entscheidungen treffen können.

In diesem Sinne:

Seid gut zueinander!

Messbares Miteinander

Freitag, 24.04.2020 (einen Tag später,als sonst!)

Abstand halten ist demnächst auch hier bei uns in der Schule angesagt. Wenn ich mir vorstelle, wie an manchen Tagen sich hier auf der Treppe die „Massen“ hoch und runter bewegen, dann wird das eine echte Herausforderung. Klar, es werden in den nächsten Wochen allein aus hygienischen Gründen ja nicht alle zur gleichen Zeit im Haus sein können. Aber trotzdem mag es zu ungewohnten Situationen kommen, wenn wir alle uns an die 1,50m-Abstandregel zu halten haben. Kein Händeschütteln, kein Umarmen, nur auf Distanz zuwinken, anlächeln und „Hallo“ sagen.

Nicht nur für unsere Hausmeister und Volontäre (FSJler) wird der Zollstock eines der wichtigsten Utensilien sein in der kommenden Zeit. Es muss alles ausgemessen werden, damit das Schutzkonzept eingehalten werden kann.

Mit dieser Messlatte in der Hand frage ich mich schon eine ganze Weile: Woran messe ich mein Leben? Oder, was ist für mich der Maßstab, damit ich von einem guten Leben spreche? Ist die Gesundheit? Ist es der schulische oder berufliche Erfolg? Ist es der Geldbeutel oder der Kontoauszug? Ist es die Familie und/oder sind es die Freundschaften?

Ich glaube, das Grundproblem liegt darin, dass ich schnell dabei bin zu vergleichen. Ich schaue auf mein begrenztes Leben und sehe dabei andere, die höher, weiter und schneller vorwärtskommen als ich. Aber der Schein trügt natürlich. Weil ich eben alles von meinem Standpunkt aus betrachte. Wer sagt denn, dass ich für den anderen nicht genauso höher, weiter und schneller bin?

In diesem Jahr müssen wir und vor allem ihr, liebe Schülerinnen und Schüler, auf vieles verzichten. Wir müssen Abstand halten, auch wenn es uns nach Nähe drängt. Die 12Klässler haben sich auf ihre Mottowoche und die Party am letzten Schultag zu Recht gefreut. Alles bricht jetzt leider weg. Da hilft es wenig, vor lauter Ärger und Traurigkeit neidvoll auf die vergangenen und vermutlich zukünftige Jahre zu schauen, sondern das anzunehmen, was jetzt ist. Alles andere lässt verbittern, verzweifeln und mutlos werden. Welcher Maßstab zählt jetzt für dich? Dieses sich ständig „vergleichen-müssen“ mit einer anderen Zeit, mit anderen Menschen kann auf Dauer nicht funktionieren und macht krank. Irgendjemand und irgendwas bleibt da immer auf der Strecke, und wenn es die Perspektive für das eigene Leben ist.

Ich bin davon überzeugt, dass wir eine andere Antwort brauchen und auch besitzen, die uns zunächst darauf aufmerksam macht, was wir alles haben, ohne etwas Anderes, oder noch mehr haben zu müssen, was wir sind, ohne ein anderer sein zu müssen, was wir können, ohne noch mehr können zu müssen.

Und diese Antwort ist für mich auch in unserem Miteinander zu finden, woran ich zumindest oft mein Leben bemesse, weil mehr im Spiel ist und auf dem Spiel steht, als nur meine kleinen, oft überschätzten menschlichen Wünsche.

In diesem Sinne:

Seid gut zueinander!

Maskenball und andere Normalitäten

Dienstag, 21.04.2020

Yeah! Es geht wieder los! So langsam steigt die Spannung. Wie wird es ab nächste Woche werden? Welche Vorgaben regeln den langsamen Anlauf in einen Schulalltag, der zumindest in diesem Schuljahr kein normaler Alltag mehr sein wird? Zu spüren bekommen das vor allem unsere 12Klässler, deren geplante Mottowoche und die wohlverdiente Party zum letzten Schultag nun vorerst beiseitegelegt werden musste. Ich kann mir vorstellen, wie groß die Enttäuschung bei ihnen sein muss. In den letzten sieben Jahren mitzuerleben, wie Jahrgänge über ihnen sich krachend von der Schule verabschiedet haben und jetzt durch ein kleines Virus mit seinen verheerenden Auswirkungen gezwungen zu sein, sich leise aus dem Staub zu machen. Ja, das ist nicht fair. Und ich finde es auch persönlich ziemlich traurig, da so eine Tradition eben zur Schule gehört. Aber in diesem Jahr ist eben alles anders.

Nun werdet ihr ab kommender Woche wieder hier auftauchen. Es könnte sein, dass wir alle dann so einen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen. Wie da gute Unterrichtskommunikation geschehen soll, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. Denn solche Masken sind ja kein Maulkorb, und sollen mundtot machen. Eure Gedanken und Ideen sind weiterhin sehr gefragt. Und das meine ich sehr bewusst und überzeugt.

Dabei denke ich jedoch an unseren Schulalltag (wann war das noch mal?) zurück und überlege, wie oft jemand von uns bewusst oder unbewusst eine Maske trägt, um sein wahres Gesicht, sein eigentliches Ich nicht zu zeigen? Wie oft verstellen wir uns, um zu den Guten, den Anständigen, den Braven oder den Unauffälligen zu gehören? Wie oft verbergen wir uns hinter einer Maske, damit niemand merkt, wie es mir wirklich geht in diesem Moment? Wie oft verstecken wir uns hinter einer Deckung, um keine unangenehmen Fragen gestellt zu bekommen? Oh ja, die Wahrheit liegt oft tiefer und ist oft schmerzhafter, als ich zugeben möchte. Dennoch ist sie an vielen Augen oft an jedem von uns abzulesen.

Die Zwangspause zu Hause hat (hoffentlich) vielen bewusstgemacht, was wirklich wichtig ist im Leben. Es wäre also zu hoffen, wenn wir nun bald wieder zurück in die Schule kommen, dass wir ehrlicher miteinander umgehen, dass manche Maske abgelegt wird. Wenn uns die Corona-Krise nur digital weitergebracht hat, dann fände ich das nicht nur sehr schade, sondern für unsere ganze Schulgemeinschaft trostlos.

Und dann kommt mir die Idee, dass Masken ja auch als Verkleidung beim Karneval gerne genutzt werden. Also, liebe 12Klässler, seid mal ein bisschen kreativ und gestaltet – natürlich unter den hygienischen Vorgaben – lustige und einfallsreiche Masken, damit eure Mottowoche vielleicht ein bisschen Einzug hält in die Schule und euren Jahrgang zu etwas ganz Besonderem macht (was er ja jetzt schon irgendwie ist).

Ich freue mich auf euch, dass ich hier nicht mehr so alleine bin.

In diesem Sinne:

Seid gut zueinander!

Schmeckt's?

Donnerstag, 16.04.2020

Hat’s euch auch wieder mal an Ostern so gut geschmeckt, wie mir?

Ich glaube, dass mir in den kommenden Tagen doch wieder ein wenig mehr Bewegung nicht schaden könnte. Diese Schoko-Dinger sind aber auch lecker. Und da vor Ostern keine Schüler mehr im Haus waren, habe ich jetzt noch einige in meinem Büro auf Vorrat. Keine Angst, die werde ich sicher nicht alleine futtern.

Wusstet ihr, dass ca. 60% aller weltweiten Schoko-Hasen-Genießer beim Verspeisen dieser Mümmelmännder bei den Ohren anfangen? Das haben HNO-Ärztinnen und Ärzte des Henry-Ford-Hospitals herausgefunden. Warum das so ist, kann sich jeder selbst mal fragen.

Mir fällt bei dem Bild des Hasen mit den abgebissenen Löffeln der Film „Keinohrhase“ von 2007 mit Til Schweiger ein. Kurz gesagt, geht’s in dem Film um Beziehungskisten, um Vergangenheitsbewältigung, um Ehrlichkeit und um so manche Verrücktheiten.

Die Zeit der Krise, des Abstand-Halten, des Nicht-feiern-dürfen, des Nicht-in-die-Schule-gehen-dürfen, usw. schmeckt den wenigsten von uns.

Aber während ich hier so sitze und meinen Schoko-Hasen verdrücke, denke ich an die unterschiedlichsten Beziehungen, die uns miteinander verbinden. Manche lustige, belebende und gewinnbringende Beziehung, aber auch an traurige, ernste und natürlich auch streitvolle Verbindung. Was gab es nicht alles schon für verrückte Ideen und Momente im Schulalltag? Die kleinen oder größeren Streiche und Dummheiten, die mich zumindest innerlich haben schmunzeln oder laut lachen lassen? Ich denke an die vielen offenen und ehrlichen Begegnungen und Gespräche, mit Tränen der Freude aber auch der Trauer oder der Angst. Na klar, die Unehrlichkeiten kommen in meinen Betrachtungen auch vor. Ja, das sind Erinnerungen an eine Vergangenheit. Aber vor allem der Wunsch, dass es Erlebnisse für die Zukunft sein sollen.

Wie gesagt, die hinter uns liegende Zeit dieser Krise (und wer weiß, wie lange sie noch andauern wird) hat sicher nicht nur mir nicht geschmeckt. Aber mir hat sie auf jeden Fall eines deutlich gemacht, wie wichtig mir die Gemeinschaft mit euch allen ist, und wie sehr ich sie vermisse.

Was sind deine Gedanken und Erlebnisse? Schreibt es mir (gern auch mit Foto!) per Mail. Denn es wird eine Zeit kommen, da wir uns wieder hier zusammenfinden werden. „Für das, was kommt!“ brauchen wir Erinnerungen, die in uns wachhalten, was uns verbindet.

Man sagt, dass Schokolade glücklich macht. Vielleicht schaue ich mir den Film nochmal an. Aber zunächst werde ich jetzt hier in der Sonne auf dem Schulhof meinen Keinohrhasen weiter genießen und ein Stück glücklicher auf die kommende Zeit schauen.

In diesem Sinne:

Seid gut zueinander!

Es wächst!

Dienstag, 14.04.2020

Staunen kann ich schon über diese verrückte, irrationale Zeit.

Denn, während das sozio-kulturelle Leben ziemlich lahmgelegt wurde, lässt sich die Natur davon nicht beeindrucken. Es sprießt und gedeiht. Der Frühling ist in vollem Gange. Auch wenn die Temperaturen der letzten Tage schon die eines Sommers ähnelten. Nun gut, es wächst und ich denke, dass der biologische Kreislauf sich nicht in Quarantäne versetzen und aufhalten lässt. Vermutlich wird der ein oder andere das auch bei sich selbst feststellen, wenn er im Spiegel seine Haarpracht bewundert. Es sei denn Mama, Papa, Schwester oder Oma haben selbst Hand angelegt. Zumindest werden das dann individuelle Frisuren. Es wächst.

Und so staune ich in dieser verrückten Zeit, wie wir alle in diesen Herausforderungen wachsen, zu was wir alles fähig sind, welche Phantasie in unseren Köpfen sprießen, auf welche kreativen Ideen wir kommen. Aber vor allem, wie der Sinn für das Gemeinsame wächst, gerade in diesen Momenten, wo wir uns nicht zusammenfinden können.

Es wächst. Ein neues Gespür für das Miteinander, das uns vielleicht in letzter Zeit ein wenig abhandengekommen ist.

Auch unser christlicher Glaube lässt sich von der Unterbrechung unseres „normalen“ Lebens nicht beeindrucken. Irgendwie, aber trotzdem entscheidend, haben wir Ostern gefeiert und sind noch mitten drin. In aller Dunkelheit, Traurigkeit, in aller Einsamkeit und Ungewissheit, wächst immer wieder etwas Neues, wächst Leben.

Deswegen bitte ich euch heute:

Denkt an die Zeit, an der wir uns alle wieder hier in unserer Schule wiedersehen werden, in dem wir uns wieder herzlich umarmen und per Handschlag begrüßen werden, in der wir zusammen unterwegs sein und feiern können. Es wird ein großes Fest werden! Es wird eine Zeit sein, in der wir das Normale als unerwartetes, wunderschönes Geschenk empfinden werden. Das wird ein wundervoller Moment sein.

Und mit diesen Gedanken wächst es, unser Leben, unser Miteinander, unser Vertrauen!

In diesem Sinne wünsche euch noch gesegnete Ostertage und denkt daran:

Seid gut zueinander!

P.S.: Wer mag, darf mir gerne mal ein Foto aus seinem „Corona“-Alltag zusenden, egal, mit welcher Frisur? J

 

Was kommt ist Leben!

Dienstag, 07.04.2020

Was für ein Schauspiel läuft da gerade weltweit eigentlich ab? Ich würde da ja gerne mal hintern Vorhang schauen, wie es so weitergeht. Manchmal komme ich mir in diesen Tagen schon vor, wie in so einem Theater, in dem ein ziemlich schräges Stück gespielt wird. Und gerade dann, wenn ich nichts sehe bzw. sehen kann, dann höre oder lese ich allerhand wirres Zeug, was meine Verunsicherung natürlich nicht gerade mindert. Wie geht es euch so damit? Was wäre ich froh, wenn das ganze Schauspiel bald vorbei ist. Wenn ich ja nur hinter den Vorhang sehen könnte, wann und wie es weitergeht.

Und jetzt feiern wir Ostern. Für manche von euch ist es einfach nur eine Geschichte aus vergangenen Tagen, was auch auf manchen Bühnen und Leinwänden meisterhaft inszeniert wurde. Im Gegensatz zu den Menschen, vor allem den Jüngern damals, wissen wir, wie es mit der Geschichte von diesem Jesus ausgeht. Wir haben diesen Menschen etwas voraus. In diesem Jahr sieht es ein wenig anders aus. Heute wissen wir eben nicht, wie dieses Drama der Welt endet. Endet es in einer Tragödie, oder gibt es das Happy End?

In diesem Jahr muss ich es aushalten, dass ich das Ende nicht kenne, und dass ich vor allem den Zeitpunkt nicht kenne, an dem alles zu einem Ende kommt. Aber diese Ungewissheit teile ich mit euch. Und mein Blick auf die Welt und das Leben wandelt sich. Ich brauche nicht hinter den Vorhang zu schauen. Sondern ich darf vertrauen, dass vor dem Vorhang das Leben zählt. Und dieses Leben teilen wir alle miteinander. Und wenn es sich auch wandelt, und wie immer dieses Theater dieser Tage ausgeht, unsere Gemeinschaft bleibt!

In diesem Sinne wünsche ich euch ein besonderes und gesegnetes Osterfest 2020. Bleibt alles schön gesund und vor allem behütet.

Und natürlich: Seid gut zueinander!

Alles aus?

Freitag, 03.04.2020

Abgeschlossen? Der Letzte macht’s Licht aus? Oder doch: Nach mir die Sintflut?

Nein, weder für immer geschlossen, noch auf ewig dunkel, noch nie wieder Hoffnung.

Nein, es sind einfach Ferien, auch wenn sich das vielleicht nicht so anfühlt.

Und deswegen: Nur vorrübergehend verriegelt! Nur eine kleine Zeit dunkel! Nur zwischenzeitlich den Platz verlassen.

Ich komme wieder!

In diesem Sinne:

Schöne Ferien, erholt euch gut, seid zuversichtlich und gut zueinander!

Spannung aushalten

Donnerstag, 02.04.2020

Nein, der Sportlichste bin ich sicher nicht mehr. Aber in diesen Tagen muss man ja irgendwie in Bewegung bleiben. Die Gefahr besteht halt, dass ich nur noch irgendwie in den Tag hinein- und ihn irgendwie überlebe. Da hilft es eben ab und zu Spannung in das Leben zu bringen.

Den Körper an den zwei Ringen zu spannen ist das Eine. Das Andere ist dann aber auch diese Spannung an- bzw. auszuhalten, das kostet eine Menge Kraft.

Und ich denke an den normalen Schulalltag. Welche Spannung muss da nicht immer wieder ausgehalten werden, wenn über 700 Menschen täglich durchs Gebäude laufen? Jede Beziehung, jede Freundschaft muss Spannung aushalten. Unser Miteinander ist eben in vielerlei Hinsicht spannend. Und im Moment finde ich es höchst spannend, wie ihr diese Zeit er- und durchlebt? Wie ihr euch in Bewegung haltet? (Vermutlich sportlicher als ich)

Ja, diese Zeit ist wirklich eine spannende Zeit. Es ist wie in einem gutgemachten Krimi, wo ständig die Frage in meinem Kopf herumgeistert: „Was wird als nächstes passieren?“ Und dann muss ich eine Zeitlang warten, bis es zu einer Auflösung kommt. Ich muss die Spannung leben, sie aushalten. Irgendwann kommt eben dann doch der Zeitpunkt, an dem ich nüchtern feststellen muss: „Ich kann nicht mehr!“ Meine Frage an dich: „Bist du schon so weit, oder schaffst du es noch?“

Für euch halte ich mich fit und bleibe in Bewegung. Für euch halte ich die Spannung aus, hier (fast) alleine zu sein. Das auszuhalten heißt für mich, vertrauen zu können, auch wenn es auf viele Fragen gerade keine Antworten gibt. Aber ohne diese Bewegung und ohne diese Spannung verliere ich den Sinn und meine Orientierung.

Es gibt diese (oft kurzen) Momente, in denen alles gut und schön ist. In denen ich nicht daran denke, was war gestern und was wird morgen sein? Es sind diese Momente, in denen ich einfach da bin. Dankbar schaue ich dann auf all das, was unser gemeinsames Leben hier an der Schule spannend gemacht hat. Und dann weiß ich wieder, tief Luft holen, Spannung aushalten, weil ich auf unser Miteinander vertraue.

In diesem Sinn:

Bleibt in Bewegung und seid gut zueinander!

P.S.: Nächste Woche kommt noch ein spezieller Oster(ferien)gruß!

Geduld und ein "Vater unser"

Dienstag, 31.03.2020

Nun gehen wir schon in die dritte Woche der Zwangspause und keiner kann wirklich sagen, wie lange das noch so andauern wird. Ich weiß nicht, wie es euch so geht, aber es gibt Momente am Tag, da habe ich das Gefühl, dass ich mich langsam an diesen Zustand gewöhnt habe. Aber dann kommt schnell schon das „Nein, auf keinen Fall!“ und das „Ich will mich erst gar nicht daran gewöhnen!“ Aber je länger etwas andauert, desto mehr wird es zur Routine und am Ende weiß keiner mehr, wieso und warum sich manches so entwickelt hat. Vielleicht ist es deshalb notwendig, sich ab und an dessen bewusst zu machen, um das eigentliche Ziel oder den eigentlichen Sinn darin nicht zu verlieren.

Dazu zähle ich übrigens auch das regelmäßige Händewaschen. Was bis vor Kurzem noch selbstverständliche Routine war, spielt auf einmal eine ganz neue Rolle in meinem Denken. „Hast du dir auch die Hände gewaschen?“, höre ich die Stimme meiner Mutter. „Und vergiss nicht, sie dir auch abzutrocknen!“ Und ich kann mich gut daran erinnern, dass es irgendwie immer schnell gehen musste. Ich wollte ja keine unnötige Zeit im Bad vergeuden, ich hatte ja Besseres und Interessanteres zu tun. Heute sagt man: Zweimal „Happy Birthday“ singen. Oder ich sage: „Einmal das „Vater unser“ beten. Ja, ich wasche mir heute bewusster die Hände. Und wie ist es bei dir?

Und während ich mir die Hände heute auf der Schultoilette wasche, kommt mir der Gedanke an eine andere Geschichte, in der es auch um das Händewaschen geht. In der Passionsgeschichte Jesu lese ich vom römischen Statthalter Pilatus, der sich die Hände wäscht, um sich von der Schuld, Jesus zum Tod verurteilt zu haben, freizusprechen.

Und dann stehe ich vor dem Waschbecken und überlege mir, was möchte ich eigentlich gerne abwaschen an mir? Viren, Dreck, meine eigene Schuld, mein Versagen, meine Mittelmäßigkeit? Meine Hände sollten gerade in diesen Tagen helfen. Meine Hände sollten in diesen Tagen durch Berührung Trost spenden. Und ich frage mich: Wie lange geht das noch? Wohl länger als ein „Vater unser“ dauert.

Geduld war beim Händewaschen noch nie meine Stärke. Aber Geduld ist der Blick auf die Zukunft, der sich an schönen Momenten der Gegenwart erfreut!

In diesem Sinne:

Wascht euch die Hände und seid gut zueinander!

Grenzen annehmen und überwinden

Donnerstag, 26.03.2020

Bei dem Wetter kann ich heute nicht im Büro oder im Haus bleiben. Also, habe ich mich auf unseren Turm begeben. Schön kalt und windig hier oben!

Die moderne Technik macht‘s möglich, dass ich am hellichten Tage sogar Himmelskörper beobachten kann. Ja, ich weiß, was vielleicht jetzt einige von euch denken werden: Er schaut in die Sterne, um vorauszusagen, wie lange die ganze Corona-Krise noch andauern wird. Aber da kann ich euch beruhigen, an solchen Spekulationen beteilige ich mich nicht. Nein, mir geht es heute um etwas ganz Anderes. Etwas, was uns alle angeht, nämlich unsere Grenzen. Wir hören gerade davon, dass alle Grenzen irgendwie geschlossen, oder zumindest stark kontrolliert werden. Jeder von uns merkt, dass seiner Bewegungsfreiheit und seiner vielfältigen Möglichkeiten schmerzhafte Grenzen gesetzt werden. Wir beobachten sorgenvoll, dass Menschen in den Kliniken, Pflegeeinrichtungen, Supermärkten und anderen Dienstleistungsunternehmen, aber auch in Familien an ihre physischen und psychischen Grenzen stoßen. Und auch schulisch gesehen, gibt es Grenzen der Planungssicherheiten, was zu manch Unruhe und Verärgerung führt. Wohl nicht nur mir geht es so, dass ich in dieser Zeit heftig zu spüren bekomme, wie begrenzt mein Menschenleben ist.

Mit dem Blick in den Himmel wird mir aber auch bewusst, wie ehrgeizig und erfinderisch der Mensch immer gewesen ist, wenn er an Grenzen gestoßen ist. Nachdem der Mensch alle Berge und Täler, Flüsse und Urwälder erforscht hatte, da wollte er weiter. Der Mensch will immer weiter, Begrenzungen halten ihn nicht auf. Harte Arbeit, viele Rückschläge und Menschenleben hat es gekostet, bis der Traum zum Mond zu fliegen wahr wurde. Und seitdem hat sich der Mensch auch nicht zurückgelehnt und damit zufriedengegeben. Die Lust, die nächste Grenze zu überwinden, ist uns irgendwie eingepflanzt.

Auch wenn uns die derzeitigen Grenzen unsicher und ängstlich machen, sie werden uns als Menschen, als Gesellschaft und auch als Schulgemeinschaft weiterbringen. Es ist halt immer eine Frage der Betrachtung (ohne alles schön reden zu wollen).

Nichts wird mehr so sein, wie es ist. Es wird auch kein Zurück geben. Sicher habe ich keine Beweise, ich habe nur meine feste Überzeugung und mein Vertrauen, die mich durch diese Zeiten des Zweifels und der Gefahr tragen. Vermutlich nicht bis zum Mond, aber sicher hier auf Erden meinen und unseren gemeinsamen Weg weiterzugehen und neue Ziele hinter den Grenzen von heute zu erreichen. Deshalb:

Seid gut zueinander!

Den Durchblick behalten

Dienstag, 24.03.2020

Nun ist es schon eine Woche her, dass der Unterricht aus der Schule in die häusliche Wohnung verlagert wurde. Und ganz ehrlich, ich vermisse euch. Ich weiß ja nicht, wie es euch grad so geht, aber mir ist manchmal ziemlich langweilig ohne den ganzen Schulbetrieb. Und da kann man schon mal auf manch verrückte Gedanken kommen. Einmal selbst ein Experiment im Chemieraum durchführen. Und alles ganz ohne Fachfrau oder Fachmann. Das wäre großartig. Ich ziehe mir also vorschriftsmäßig eine Schutzbrille auf, fülle zwei Gläser ein wenig mit Erde und dann gieße ich Wasser darüber. Eine dicke braune Brühe entsteht. Und dann fange ich an, in dem einen Glas zu rühren. Ich habe ja Zeit, und kann warten und rühren, und warten und rühren. Tja, und dann (tatatataaaa!), „quod erat demonstrandum!“*. In dem einen Glas, in dem ich rühre und die Erde aufgewühlt wird, da ist ständig Bewegung, ständig Action. Und wie man sieht, ist es ziemlich trüb und undurchsichtig. Und das andere Glas steht halt schon eine ganze Weile einfach nur da. Das Wasser schaut ziemlich ruhig und klar aus und ich kann sogar bis auf den Grund schauen.

Wenn sich jemand jetzt also fragen sollte, was soll das? Den würde ich antwortend fragen: Was meinst du, welches Glas entspricht gerade mehr deinem Leben, deiner Gefühlslage, deiner Situation? Bist du in dieser schwierigen Zeit eher aufgewühlt, ständig in Bewegung, unruhig und hast irgendwie den Durchblick verloren? Oder, kommt dein Leben grade ein wenig zur Ruhe, es entschleunigt sich alles ein wenig, es setzt sich alles irgendwie, du gewinnst eine neue und klare Sicht auf dein Leben und du kannst dich auf das Wesentliche konzentrieren? Vielleicht probiert ihr es einfach selber mal aus. Denn, egal wie lange uns die Krise auch begleiten und unser Leben bestimmen mag, ab und zu zur Ruhe und zur Gelassenheit zu kommen, kann helfen, ungetrübten Blickes in die Zukunft zu schauen.

*“was zu beweisen war“

In diesem Sinne:

„Seid gut zueinander!“

 

Der Zug steht still!

Donnerstag, 19.03.2020

Heute ist der dritte Tag nach der Schulschließung und es ist gespenstisch ruhig hier im Gebäude. Hier, wo sonst junge und ältere Stimmen durch die Räume und Flure hallen, wo sich jugendliche Füße hordenweise im Treppenhaus hoch und runter bewegen, wo ständig Türen auf und oft viel zu laut wieder zugehen, wo neben Musik immer auch irgendeine ermahnende Stimme sich erhebt, wo man alle naselang über irgendeinen Rucksack oder Ranzen stolpert, eben wo ein lebendiges Miteinander in all seinen Facetten zu spüren ist, dort ist es auf einem Mal ganz still. Im fahrenden Zug hat jemand die Notbremse gezogen. Und jetzt steht alles. Und ich habe keine Ahnung, wann und wie der Zug wieder ins Rollen kommt. Aber in dieser Stille höre ich die bangen Fragen unserer 12Klässler, ob sie alle Anschlüsse erreichen werden. Ich höre die Stimme unserer 10Klässler, die gespannt darauf sind, was sie erwartet, wenn es weitergeht. Ich vernehme die Gedanken aller unserer Schüler, die zwischen dankbarer Verschnaufspause und ungeduldigem Wunsch, dass es endlich weitergehen soll, schwanken. Aber es kommt keine Durchsage, die mir die nötige Information überbringen kann. Unsere gemeinsame Zeit hier an dieser Schule gleicht einer Zugfahrt, bei der immer wieder neue Leute einsteigen und andere diesen Zug verlassen. Und es liegt in der Natur eines Zuges, dass immer irgendwie alles in Bewegung ist. Und jetzt steht dieser Zug Schule mitten auf dem freien Feld, alle mussten aussteigen und keiner weiß, wie lange diese unfreiwillige Pause dauern wird. Wenn ich aber so über meinen Schreibtisch schaue und die vielen Dinge (meist Geschenke von euch) sehe, die im Laufe der Jahre sich angesammelt haben und von so vielen schönen und weniger schönen Begegnungen erzählen, dann weiß ich, ES WIRD WEITERGEHEN!

Diese Hoffnung braucht von mir jetzt den Mut in dieser Zeit den Samen für eine bessere Zukunft zu legen. Mut, jetzt die Stille und die Ungewissheit auszuhalten. Den Mut, mit Abstand solidarisch einander zu sein. Und ich hänge symbolisch einen großen Zettel an unseren Zug, damit es jeder lesen kann:

„Seid gut zueinander!“

Gedanken zur Schulschließung wegen der Corona-Pandemie

Dienstag, 17.03.2020

Eine Schule ist ausgerichtet auf die Zukunft. Unsere jungen Menschen lernen für das, was später von ihnen erwartet und abverlangt wird. Wir schauen täglich auf ein Morgen und malen es uns in den buntesten Farben aus, wie das Leben zukünftig sein soll. Das ist gut und wichtig.

Auf einmal aber merken wir, dass uns die Zukunft nicht gehört und sie ungewisser wird. Mit einem Schlag wird uns bewusst, dass wir im Heute leben und nicht sagen können, was Morgen sein wird.

Dietrich Bonhoeffers wunderbare Zeilen fallen mir dabei ein:

„Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag!“

Ich weiß mich und meine Zukunft in Gottes Hand.

In dem großen Gebet, dem Vater Unser, drückt sich das in besonderer Weise aus und bekommt in diesen Tagen eine neue Dimension. Wenn wir beten „Gib uns täglich unser Brot!“, dann bedeutet das eigentlich Heute, heute lebe ich, morgen wirst du, Gott, für mich sorgen.

In diesem Sinne bleiben wir verbunden, Gott segne und begleite uns alle in und durch diese Zeit,

Ihr und euer

Markus Könen, Schulpfarrer

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14.10.2020: Ab sofort gelten die Regeln der Corona Warnstufe GELB!