Füreinander Dasein, wenn es schwierig wird!

Krisen sind besonders für eine Schule herausfordernde Situationen. Zwischen Angst und Sorge, aber auch Hoffnung und Zuversicht bewegen wir uns. Als Schulseelsorger möchte ich hier aus unserem christlichen Glauben heraus immer mal wieder meine Gedanken mitteilen. Vor allem möchte damit unsere Verbundenheit untereinander stärken. Niemand soll sich in Krisen- und Notzeiten alleine fühlen.

Die Wahrheit des Lebens steckt im Verschenken!

Montag, 15.03.2021

„Ich ging in die Wälder, denn ich wollte wohlüberlegt leben; intensiv leben wollte ich. Das Mark des Lebens in mich aufsaugen, um alles auszurotten was nicht Leben war. Damit ich nicht in der Todesstunde innewürde, dass ich gar nicht gelebt hatte.“

Zeilen des Dichters Henry David Thoreau – vielleicht sogar bekannt aus dem wunderbaren Film „Der Club der toten Dichter“.

Ist es nicht ein schönes Gefühl, von jemandem beachtet, mitunter gar angehimmelt zu werden? Ich bin wer! Andere schauen auf mich! Ich gebe ihnen Orientierung und ein Stück Halt und Sicherheit in ihrem Leben. Wenn es nicht so wäre, würde ich in die Bedeutungslosigkeit fallen, würde ich versinken in das Grau einer großen namenlosen Masse. Wenn Tag für Tag nichts geschieht, was sich abhebt vom alltäglichen Trott und mich heraushebt aus dem Gewöhnlichen, wenn ich nicht mehr persönlich gemeint bin, dann ist das, als hätte ich nicht gelebt.

Ist es nicht so, dass wir aus unserer Mitte immer wieder einen Star herausheben? Nur, dass wir uns für einen kleinen Moment an ihm sattsehen können? Und der, der nun überhöht vor allen anderen aufstrahlt, genießt selbstverständlich die kurzfristige Möglichkeit aus der Belanglosigkeit seiner Person zu entfliehen. Jedoch, so schnell dieser Stern aufleuchtet, so brutal wird er analysiert und ausgepresst, dass er wenig später schon wieder verglüht. Was zählt ist in diesem Moment eben nicht der einzelne Mensch, sondern die Show, das Geschäft, die Organisation. Ein Held, der heute hochgejubelt wird, wird morgen schneller, als man zuschauen kann, wieder fallengelassen, weil ein anderer es eben doch viel besser hinkriegt.

Und ich bleibe dann doch in meiner Mittelmäßigkeit stecken, nicht, weil ich die Möglichkeit dazu nicht hätte, sondern eher, weil die Überhöhung des einen, den anderen niederdrücken wird. Denn wenn ich oben bin, muss es eben auch einen unter mir geben.

Das ist doch der wahnsinnige Kreislauf, der niemandem am Ende hilft. Selbst dem nicht, der für den einen Moment ganz oben ist.

Das Mark des Lebens werde ich nicht aufsaugen können, indem ich es anderen wegnehme. Ich werde mein Leben nicht retten können, indem ich es nur für mich beanspruche. Ich muss nicht reich, nicht schön, nicht erfolgreich sein, um wirklich gelebt zu haben. Dann bin ich doch lieber der, der sich vorbehaltlos dem anderen schenken kann. Auch auf die Gefahr belächelt, verachtet oder missverstanden zu werden. Das ist für mich das, was mich frei über mein Leben verfügen lässt, weil ich es aus Liebe einem anderen übereignen kann. Und das ist für mich das, was meinen Namen bedeutungsvoll macht.

Seid gut zueiander!

Liebe sprengt Normalitäten

Montag, 08.03.2021

Ich suche in dieser Zeit eine gewisse Normalität, die irgendwie schon länger abhandengekommen ist. „Ganz normal“ war gestern, heute steht alles in Frage. Aber abfinden kann ich mich damit nicht. Fast zwanghaft versuche ich immer wieder diese Normalität, woran ich mich so gewöhnt habe, wiederherzustellen, allen Vorsichtsmaßnahmen, allen gut gemeinten Ratschlägen, ja auch allen gesetzlichen Vorgaben zum Trotz. Aber erfolgreich bin ich nicht so recht. Zumindest stellt sich diese Normalität nicht wieder ein. Vielleicht ist ja das, was gerade ist, das, was ich in Zukunft als normal betrachten werde. Jedoch dabei regt sich Widerstand: Das kann doch nicht sein! Das darf auf keinen Fall so sein!
Und dabei fürchte ich mich doch ein wenig vor den Vorstellungen einer neuen und ganz anderen Normalität, weil sie so gar nicht in mein Weltbild passen. Es soll doch bitte schön alles so bleiben, wie es ist, oder wenigstens so werden, wie es vor einem Jahr noch war. Ich fürchte mich aber davor, weil diese Vorstellung mich dazu zwingt, mich und mein Leben radikal zu ändern. Weil sie mich zu Entscheidungen drängt, die mir einiges abverlangen werden. Denn diese Veränderungen sind alles andere als schmerzschonend und sensibel.
In meinem Leben geht es eben nicht immer nur um Ordnung, um das ganz normale, so wie immer halt. Doch normal muss nicht immer zwingend richtig sein. Manchmal ist eben notwendig reinen Tisch zu machen, auszumisten, rauszuwerfen, was eigentlich keinen Platz mehr in meinem Leben haben sollte, weil es dem, weil es meinem Leben letztlich schadet, weil alles andere unehrlich bleibt. Normalität kann sehr bequem werden. Und ab und an ist es wohl nötig, dass äußere Umstände mich dazu zwingen, umzudenken. Das krampfhafte Festhalten an einer noch so geliebten Ordnung lässt den roten Faden durchreißen, belastet und gefährdet meine Beziehungen. In Zeiten des Umbruchs, in Zeiten der Infragestellung meiner gewohnten Normalität bedarf es im Grunde viel Mut andere Wege zu gehen, aber noch viel mehr Demut, diese zu erkennen und sich selbst dafür zu öffnen.
Vielleicht ist jetzt gerade die richtige Zeit mein Leben zu sanieren, eine noch so schöne Normalität loszulassen und neue Wege zu gehen. Und alles einzig und allein aus Liebe. Denn was Anderes ist auf Dauer nicht tragfähig

Seid gut zueinander!

In der Wahrheit kommunikativ bleiben

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Warum ist es so wahnsinnig schwierig, einem anderen die Wahrheit ins Gesicht zu sagen? Vielleicht weil ich Angst vor den Konsequenzen habe, weil ich mich vor der Reaktion des anderen fürchte. Vielleicht möchte ich den anderen aber auch damit nicht unnötig belasten und verschweige es einfach, um ihn nicht zu überfordern, oder gar Schaden anzurichten. Wie viel Wahrheit muten mir derzeit die Regierenden zu? Ich erinnere mich dabei an eine Pressekonferenz vor dem Fußballländerspiel Deutschland gegen die Niederlande im Jahr 2015. Aus Angst vor einem terroristischen Anschlag sagte der damalige Bundesinnenminister Lothar de Maizière: „Ein Teil dieser Antwort würde die Bevölkerung verunsichern!“ Abgesehen davon, dass allein dieser Satz schon zu mehr Verunsicherung geführt hat, bleibe ich mit der Wahrheit, oder zumindest mit der Teilen der Wahrheit hinterm Berg, um den anderen zu schützen. In diesem Sinne handeln Eltern gegenüber ihren Kindern sicher manchmal. Das wird dann als verantwortungsbewusst bezeichnet. Ja, ich habe gegenüber dem, dem ich die Wahrheit sage, oder eben nicht eine Verantwortung. Ansonsten hätte ich nicht solche schlaflosen Nächte und würde ich mir nicht so viele Gedanken darüber machen.

Ja, da ist auf der einen Seite der Wunsch nach einem heilen und harmonischen Leben, auf der anderen Seite aber eben auch die Erkenntnis meiner eigenen Grenzen und die der anderen. Ich will keinem wehtun, aber merke, dass es meine eigene Unzufriedenheit, aber auch meine Traurigkeit steigert und ich keinen Schritt weiterkomme. Letztlich ist niemandem geholfen, so lange zu warten, bis der andere nicht mehr zuhört, oder zuhören kann. Nein, ich muss dem anderen sicherlich nicht alles sagen, was mich und meine Gedanken und Gefühle betrifft. Aber ich trage eine Verantwortung für die Wahrheit, die uns beide berührt. Jeder von uns würde wohl dem zustimmen, dass eine Freundschaft auf Ehrlichkeit aufbaut. Kann diese Ehrlichkeit aber eben nicht auch eine Freundschaft gefährden, sie zumindest schwer belasten?

Es gibt ganz verschiedene Formen von Wahrheit, rein faktisch gesehen, also durch wissenschaftliche Methodik nachprüfbar, und gefühlte Wahrheiten. Wenn ich sage, das ist heute ein schöner Tag, weil die Sonne so herrlich scheint, kann dieser selbe sonnige Tag für jemanden sehr traurig sein, weil er beispielsweise eine schlechte Nachricht bekommen hat. Und dabei ist die gefühlte Wahrheit, über die sich so schwierig sprechen lässt, vor allem dann, wenn sie den anderen betrifft. Deswegen glaube ich auch, dass eine Wahrheit ein Vertrauen, aber vor allem die Vergebung braucht. Ohne die Gewissheit, dass das, was ich dem anderen an Wahrheit ins Gesicht sage, auf vergebende Ohren und ein vergebendes Herz trifft, bleibt mein Mund geschlossen.

Die Frage nach der Wahrheit wird mich mein ganzes Leben begleiten, weil sie in der Endlichkeit meines Lebens unbeantwortet bleibt, aber im Glauben an die Ewigkeit ihre Klärung findet. Ich verwende Bruchstücke meiner Wahrheit, um überhaupt sinnvoll mit den anderen zu kommunizieren und selbst kritikfähig zu bleiben. Und diese Kommunikation zwingt mich, immer auch eine andere Perspektive einzunehmen, weil es eben nicht nur um meine Wahrheitsentwürfe geht, sondern auch um die meiner Gesprächspartner. Darin geschieht Vergebung, weil ich „meine“ Wahrheit auch imstande bin zu korrigieren. Es bedarf also ständig den Mut aus der Verantwortung für den anderen, in der Wahrheit kommunikativ zu bleiben.  

Kein Ende macht gleichgültig

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Schwarze dunkle Wolken überziehen die Erde. Ein donnerndes Grollen überrollt das Land. Der Himmel wirft regenartig Feuerbälle wie Blitze hinunter. Alles fängt an lichterloh zu brennen und wird wie in einem Inferno zerstört. Meine Füße finden keinen Halt mehr am Boden. Der Asphalt der Straßen spaltet sich in riesengroße Canyons, und überall riecht es nach Schwefel und Vernichtung. Apokalypse – Now.
Ja, liebe Freunde, so stelle ich mir das Ende der Welt vor. Oder sind es vielleicht doch eher die eindrucksvollen Bilder eines Katastrophenfilmes, beispielsweise von einem Roland Emmerich, den ich mir angeschaut habe?
Egal, seit jeher faszinieren mich diese Bilder. Letztlich weiß doch jeder, dass alles, was seinen Anfang nimmt, auch irgendwann sein Ende finden wird. Die Frage ist, wie stellst du dir das Ende vor?
Ob nun durch Kunst, Musik oder Religion, die besagten und faszinierenden Bilder sollen ja zunächst einmal nichts Anderes als abschrecken. Sie sollen wachrütteln: Hey, das Ende naht, tu genau jetzt etwas, damit es für dich nicht so schlimm ausgehen wird, damit du zumindest ruhigen Gewissens dem Ende entgegensehen kannst.
Ob ich nun an einen Gott glaube oder nicht, tief im Inneren versteckt sich doch in jedem von uns eine Angst vor so einem Ende, die Angst vor der Apokalypse. Warum sonst sollten wir uns Mühe geben in Bereichen des Umwelt- und Klimaschutzes, wenn dahinter nicht eine Angst stünde, dass, wenn wir nichts tun, unser Planet zerstört wird? Verschiedene Atomreaktorkatastrophen haben ein drohendes Unheil angezeigt, so dass um der Zukunft Willen gewisse politische Entscheidungen getroffen wurden.
Die Angst vor dem Ende, vor der Apokalypse, also dem Offenbarwerden des Weltunterganges, macht erfinderisch, sie macht aktiv und produktiv. Was geben wir nicht für eine Menge Geld für die Forschung aus, um zu wissen, was uns die Zukunft bringt?
Dabei ist die Angst bei mir manchmal stärker und manchmal weniger ausgeprägt. Je nachdem, wie gerade mein Leben verläuft. Und vermutlich ist sie in diesen Tagen und Monaten bei vielen, wie bei mir wieder mehr präsent. Covid und seine tödlichen Folgen stellen mir klar das unweigerliche Ende meiner menschlichen Existenz vor Augen.
Und gerade deswegen bin ich auch davon überzeugt, dass solche Bilder vom Ende, vom Untergang, von der Apokalypse wichtig und hilfreich sind. Sie weisen unmissverständlich auf die Unverfügbarkeit über das Leben auf dieser Erde hin.
Wenn ich mir also das Ende nicht vorstellen kann, werde ich letztlich auch mein Leben der Beliebigkeit hingeben, dann ist mir vieles, ja bis alles egal, was ich tue und wie ich mich verhalte.
Unser gemeinschaftliches Leben ist geprägt von klaren Regeln und Umgangsformen, die der Idee eines definitiven Endes folgen. Ich will bis zum Ende versuchen, so viele Probleme wie möglich zu lösen. Ich könnte ja sonst zur Verantwortung gezogen werden, worum ich mich eben nicht gekümmert habe.
Also male ich mir weiter solche Bilder aus, schaue sie mir in diversen Filmen an, höre sie in der Musik oder lese sie eben in der Bibel. Weil der Gedanke an das Ende mich von Gleichgültigkeit befreit. Nichts ist egal in meinem, in deinem Leben! Und positiv ausgedrückt: Weil ich mir das Ende der Pandemie herbeiwünsche, werde ich alles tun und mich so verhalten, dass es auch schnellstmöglich eintritt.
Also, nicht: „Nach mir die Sintflut!“, sondern „Vor mir das Ende – mach was draus!“

Humor braucht Haltung!

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Ich muss derzeit ziemlich aufpassen, dass ich bei dem ganzen Trubel nicht bekloppt werde. Und damit meine ich natürlich nicht eine ausgelassene Karnevalsstimmung. Die darf und wird es ja gar in diesem Jahr nicht geben. Corona hier und Verordnungen da, Diskussionen, Spekulationen, Isolationen, fehlende Haarkreationen, und immer wieder kommt da einer aus seinem Loch, der natürlich alles besser weiß. Und zu guter Letzt jetzt auch noch dieser Wintereinbruch, quasi mitten im Winter. Da kannst du schon echt bekloppt werden. Irgendwie decken diese Schneemassen gerade die fünfte Jahreszeit ganz einfach mal zu: Ruhe, Sendepause, Feierabend. Kein Ballermann-Feeling im Februar, keine bierselige Schunkelei im Dreivierteltakt. In diesem Jahr heißt es wohl: Schluss mit Lustig. Da wird man doch echt bekloppt.

Doch wirklich, ganz ehrlich gesagt, bin ich jedoch ein wenig froh darum. Wer mich kennt, der weiß, dass ich den Karneval sehr schätze und ihn gerne feiere. Aber Karneval hat eben nicht nur mit Party, Alkohol und sich selbst auf die Schulter klopfen, was ich für ein guter Kerl bin, zu tun. Der Karneval ist im besten Sinne Unterhaltung. Bei allem lustigen Vergnügen, die mich die derzeitigen Sorgen ein wenig vergessen lassen sollen, geht es im Karneval immer auch ein Stück um meine eigene Haltung, gegenüber meinen Mitmenschen, meiner Umwelt, Gott und auch mir selbst. Der Karneval hält mir quasi einen Spiegel vor die Nase, um zu sehen, so nimmt dich die Welt da draußen wahr. Ja, die Aufgabe eines Narren, eines Hofnarren war und ist es nicht nur zu zerstreuen und zu belustigen, sondern auch durch Provokationen und Irritation ganz ungeschminkt mir die Wahrheit ins Gesicht zu sagen. Er hat im wahrsten Sinne des Wortes: Narrenfreiheit. Das kann und es ist manchmal ziemlich schmerzhaft zu merken, dass ich eben nicht so perfekt bin, wie ich es gerne sein möchte. Der Karneval darf und muss sogar auf humorvolle Weise alles in Frage stellen, was ich mir so aufgebaut und so vorgestellt habe im Leben. Und ich glaube, es ist gerade jetzt wirklich wichtig, Haltung zu zeigen, zumindest eine gewisse Haltung nicht zu verlieren. Ob nun Covid 19 oder selbst die eisigen Wintertemperaturen, im Grunde leiden wir doch alle gleichermaßen darunter, ohne Unterschied zwischen Alter, Geschlecht, Religion, Sprache oder Hautfarbe. Diese Tatsache verbindet. Und was mich mit dir und mit den anderen verbindet, dafür trage ich auch Verantwortung. Die Sorge um mein eigenes Wohl ist nicht zu trennen von der Sorge um das Wohl für alle. In dem Moment, in dem ich angehalten bin, Abstand zu wahren, ist es notwendiger denn je, dass ich mein Verhalten prüfe, damit Leben hier in einer Gesellschaft und Gemeinschaft funktionieren kann. Keine menschliche Seele wird überleben, ohne die physische Nähe einer anderen. Jede Form von digitalisierter Kommunikation ist gerade in diesen Tagen sicher hilfreich, aber sie bleibt weit hinter den Bedürfnissen menschlicher Sehnsucht zurück und wird einem umfassenden Bildungsauftrag mitnichten gerecht. Teilweise überfordert sie. Auch hier ist meine Haltung gefragt. Ob der digitale Fortschritt zum besseren Gemeinwohl führt, oder ob der Mensch den gnadenlosen Algorithmen des Internets ausgeliefert wird.

Haltung ist gefragt, denn es geht um eine Kultur der Achtsamkeit.

In Situationen, in denen meine Zukunft bildlich gesprochen zugehalten wird, ich eben nicht weiß, wie es weitergeht, brauche ich eine Perspektive. Haltung zeigen, im Karneval oder in einer Krise, heißt Positiv für etwas zu stehen und nicht nur ständig gegen etwas zu sein. Deswegen nehme ich gerade in diesen Tagen die Haltung einer Zuversicht ein. Nichts ist in meinem Leben selbstverständlich. Aber die Zuversicht lässt mich vieles aushalten.

Vertrauen schafft Wunder

Freitag, 05.02.2021

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Wenn ich ohne Hoffnung leben müsste
Wenn ich glauben müsste, dass mich niemand liebt
Dass es nie für mich ein Glück mehr gibt
Ach, das wär' schwer
Wenn ich nicht in meinem Herzen wüsste
Dass du einmal zu mir sagst: "Ich liebe dich"
Wär' das Leben ohne Sinn für mich
Doch ich weiß mehr

Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh'n
Und dann werden tausend Märchen wahr
Ich weiß, so schnell kann keine Liebe vergeh'n
Die so groß ist und so wunderbar

Zeilen eines gewissen Bruno Balz, doch eher bekannt durch die unnachahmliche Interpretation einer Zarah Leander aus dem Jahr 1942.

Ja, was würde ich geben für ein Wunder? Wenn du mal zurückschaust auf dein Leben, wie viele Wunder sind dir schon begegnet und wie viele davon hast du an eigenem Leib erfahren? Naja, gelegentlich wird wohl eins dabei gewesen sein, oder? Aber dieses „gelegentlich“ hilft jetzt, hier und heute nicht viel weiter. Es schafft eher neue Probleme. Denn wenn es „gelegentliche“ Wunder gibt, dann ist es doch ein willkürliches Schicksal, dann gerät so etwas wie ein Wunder schnell in eine Kategorie von Belohnung des Guten oder, wenn es eben nicht eintritt, die Bestrafung des Bösen. Habe ich überhaupt so ein Wunder verdient und was muss ich dafür tun, ein solches zu erfahren? Vielleicht habe ich auch etwas dabei übersehen? Dass es nur „gelegentlich“ Wunder gibt, hilft also irgendwie nicht weiter.

Vermutlich wenn man den Gedanken verdreht wird wohl ein Schuh draus. Zumindest könnte er mich dann eher weiterbringen. Wunder geschehen also nicht gelegentlich, sondern unablässig, immer wieder. Und warum sehe ich sie dann nicht? Warum spüre ich davon nichts? Möglicherweise, weil mir der Mut zur Offenheit fehlt, der Mut zum Loslassen fehlt, der Mut zur Wahrheit fehlt.

Ist es nicht so, dass du und ich ziemlich gut Bescheid wissen über unser Leben, unseren Körper, den Zusammenhängen und die Komplexität des menschlichen Daseins? Aber das, was uns miteinander verbindet, was uns als Menschen ausmacht, weiterbringt und gemeinsam tragen lässt, viel zu oft Schwierigkeiten bereitet? Und in diesen Schwierigkeiten fangen wir an zu schweigen und es entstehen tiefe Gräben, und aus den Gräben wird die Einsamkeit, und in der Einsamkeit wächst die Enttäuschung und die Verbitterung.

Wenn ich ohne Hoffnung leben müsste
Wenn ich glauben müsste, dass mich niemand liebt
Dass es nie für mich ein Glück mehr gibt
Ach, das wär' schwer
Wenn ich nicht in meinem Herzen wüsste
Dass du einmal zu mir sagst: "Ich liebe dich"
Wär' das Leben ohne Sinn für mich
Doch ich weiß mehr

Das Wunder in meinen Augen gerade in diesen Tagen nur gelegentlich passieren, liegt an mir, an meinem Schweigen und meiner Verschlossenheit.

Ich glaube, erst dort, wo ich es schaffe mich in einem tiefen Vertrauen fallen zu lassen, wird mein Leben ein einziges Wunder sein. Vertrauen schafft Wunder - unablässig und immer, jeden Tag!

Es liegt nicht an einem, an deinem oder meinem Schicksal, es liegt an meiner, an deiner, an unserer Liebe. Dann weiß ich ein Wunder geschieht!

 

Der Indikativ macht Mut

Freitag, 29.01.2021

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Ist dir eigentlich schon einmal aufgefallen, dass wir unser Leben gerade ziemlich im Konjunktiv leben? Es könnte so schön sein. Es wäre doch viel einfacher. Was würde passieren? Hätten wir doch lieber … usw.

Ja, wir wissen um die schier unbegrenzten Möglichkeiten unseres Lebens. Alles scheint erreichbar und machbar. Zumindest noch vor einem Jahr. Wie gern würden vieles jetzt auch wieder machen oder einfach ausprobieren wollen. Aber wir bleiben bei unserem Reden in der Möglichkeitsform. Und dieser Form lässt viel zu viel offen: „Es könnte so schön sein, aber es könnte eben aber immer auch ganz anders sein!“ „Es wäre doch viel einfacher, aber es kann auch viel komplizierter und schwerer sein!“ „Was würde passieren? Vielleicht wird auch gar nichts passieren!“ „Hätten wir doch lieber mal… Aber wir haben eben nicht!“

Die Wirklichkeit ist nun mal so, wie sie ist. Und natürlich wünschte ich mir sie bisweilen ganz anders. Aber im Konjunktiv geschieht da nichts. Der Konjunktiv befreit mich von jeglicher Verantwortung und er verleitet nur zu gut zu emotionalen Gefühlsausbrüchen, zur Aufregung und Beschwerden, wenn es nicht so kommt, wie ich mir das hätte vorstellen wollen. Alles ist möglich, aber nichts ist gewiss. Leben funktioniert nicht in der Möglichkeitsform. „Ich würde ja gerne und ich hätte vor allem und was ich nicht alles könnte…“ Nein, im Letzten ruft die Möglichkeitsform nur Ungewissheit hervor. Sie macht Angst, Angst etwas zu verlieren oder Angst, etwas falsch zu machen, weil mir jeder andere direkt vor Augen führen kann, dass es auch ganz hätte laufen können. Dein und mein Leben entstanden nicht aus der Möglichkeit einer Liebe zweier Menschen, sondern aus der Wirklichkeit. Leben funktioniert nur in der Wirklichkeitsform. Und vor allem Liebe funktioniert nicht in der Möglichkeitsform. Liebe funktioniert nur in der Wirklichkeitsform.

 

Ehrlich gesagt, finde ich gerade Interviews und Fragen bei diversen Pressekonferenzen ziemlich ermüdend, wenn nach jeder Antwort sofort die Anschlussfrage mit „Hätte“, „Wäre“, „Könnte“ beginnt. Ja, natürlich hätte es anders gehen können, und ja, selbstverständlich wäre ein anderer Weg möglich gewesen, und ja, zweifellos könnte die Welt morgen sich verändert haben. Ermutigend ist etwas Anderes.

Und deswegen heute von mir die Botschaft:

Es wird… es wird die Zeit kommen, da wir uns wieder in die Arme nehmen können. Es wird die Zeit kommen, da wir wieder große Feste feiern können. Es wird die Zeit kommen, da wir die digitalen Formen der Begegnung auf das Notwendigste wieder reduzieren können und das Menschliche gegenüber den gnadenlosen Algorithmen des Internets schützen. Es wird die Zeit kommen, da Schulhöfe und Kindertagesstätte lautstarke Zeugnisse einer Lebendigkeit geben. Es wird auch die Zeit kommen, da ich vielleicht den ein oder anderen um Verzeihung bitten muss. Und ja, es wird die Zeit kommen, da du und ich dankbar auf eine sicher schmerzvolle Erfahrung zurückblicken und unser Leben als kostbar und wertvoll betrachten, auf das wir in Zukunft besser Acht geben werden. Heute ist es, wie es ist. Aber morgen wird es anders sein.

Der Konjunktiv macht auf Dauer nicht lebensfähig. Leben ist nicht der Konjunktiv, Leben ist wahr und nicht nur möglich. Der Konjunktiv macht unsicher, er macht nicht zufrieden, er macht unglücklich. Der Indikativ macht Mut.

Deswegen nicht: Es wäre, es könnte, es hätte, sondern: Es wird!

Rette sich, wer kann?

Freitag, 22.01.2021

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Es ist ein herrliches Geräusch! Wenn am Ende einer langweiligen, anstrengenden und nervenraubenden Unterrichtsstunde die Schulglocke ertönt. Endlich vorbei, endlich einmal durchatmen, endlich die erlösende Pause. Und wenn es dann noch die Glocke am Ende eines Schulalltages und noch viel mehr, am Beginn der Ferien ist, dann ist die Rettung aus den Zwängen der Schule perfekt. Naja, so schlimm ist es ja nicht immer. Und Schule, das merkst du vermutlich gerade jetzt im häuslichen Lernen ganz besonders, kann auch im Normalzustand ziemlich Spaß machen. Insofern sind der Wunsch und die Sehnsucht nach Rettung gerade heut in dieser Zeit nie größer gewesen. Es kommt halt darauf an, aus welcher Perspektive ich schaue.

Nun haben die vorgezogenen Winterferien begonnen, ja auch erlösend von dem Stress des digitalen Lernens, worauf der ein oder andere sehnsuchtsvoll wartet. Aber bevor du vielleicht noch ein kleiner Gedanke.

Es gibt zwei Theaterstücke des irischen Schriftstellers Samuel Becket, die handeln beide vom vergeblichen Warten: einmal, dass einer kommt und zum anderen, dass einer geht. Die Menschen in diesen Stücken wissen einfach nicht, was sie tun sollen: Sollen sie nichts tun, oder sollen sie entsprechende Entscheidungen treffen, die das Warten auflösen?

Und weil sie sich nicht entscheiden können, flüchten sie sich in Rituale, oder Bräuche, die immer leerer und nichtssagender werden; oder sie erzählen Geschichten, die immer dünner und aussageloser werden. Das Stück über das vergebliche Warten darauf, dass einer kommt, heißt „Warten auf Godot“; das Stück über das vergebliche Warten darauf, dass einer geht, heißt „Endspiel“. Ich denke beide Stücke sind sehr nah an unserer derzeitigen Realität.

Warten auf das Rettende, Erlösende. Und dabei, so ein Zitat aus dem Stück „Endspiel“: „Irgendetwas geht seinen Gang." Genau das ist es: Irgendetwas geht seinen Gang. Und dabei spüre ich meine eigene Hilflosigkeit gegenüber dem, was da im Gange ist. Und warte auf etwas, das kommt, oder eben auf etwas, das geht. Wie ich es halt sehen will. Wo bleibt die Rettung, wo bleibt die Erlösung?

Und da es auch keine Vertröstung in eine ungewisse Zukunft sein darf, sage ich: Nie wird eine Welt nach mir heil sein können, wenn ich selbst nicht anfange heilend zu leben. Nie wird unsere Welt nach mir heil sein, wenn mir selbst nichts mehr heilig ist. Nein, wir Menschen sind aufeinander angewiesen. Ein Mensch wird erst durch einen anderen Menschen zum Menschen! Wir brauchen einander.

Klar, wir alle sind keine Helden und wir werden die Welt nicht gänzlich retten können. Aber ich glaube daran, dass es auch durch das Bruchstückhafte ein Stück in dieser Welt heiler wird. Warum also dann warten? Wir alle haben Augen, Hände, und Mund, für den liebenden Blick, die liebende Tat und das liebende Wort um Leben, Freiheit und Gemeinschaft unter uns zu ermöglichen. Wer es schafft alles liegen und stehen zu lassen, was ihm im Moment wichtig ist, um für einen anderen da zu sein, der hat kapiert, dass er sein Leben nicht für sich hat. Wenn ich immer nur darauf warte, ob nun jemand kommt oder geht, nur damit es mir in dieser Situation bessergeht, besteht mein Leben grundsätzlich aus einem tiefen Misstrauen. Ich will Dinge nicht wahrhaben und erkennen, so dass mich Schwierigkeiten im Leben meistens überfordern. Ein Mensch wird erst durch einen anderen Menschen zum Menschen! Ich lebe nicht für mich, sondern für den anderen. Wer das aus ganzem Herzen sagen kann, der verbreitet auch in dieser Zeit das Gefühl von Solidarität und Gemeinschaft, das so guttut. Aber er erfährt es auch an sich selbst. Also nicht „Rette sich, wer kann!“ oder „Wir retten das, was zu retten ist!“, sondern selbst für andere zum Rettungsanker werden. Das ist wahrlich nicht immer einfach, aber wir müssen ja keine Helden sein.

In diesem Sinne wünsche ich dir alles Gute, einen gesegneten Sonntag, aber vor allem trotz der etwas schwierigen Umstände, schöne und erholsame Winterferientage!

Seid gut zueinander!

Kreativ bleiben

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Was suchst du? Endlich einen Ausweg aus der Pandemie? Endlich sich wieder mit anderen ungezwungen treffen können? Endlich wieder einen normalen Schulalltag erleben?

Was suchst du? Die Liebe deines Lebens? Den großen Erfolg? Den Nervenkitzel und den Mega-Kick? Die Freiheit und die Gerechtigkeit? Oder einfach nur die Ruhe?

Was du auch suchst, ohne eine gewisse Vorstellungskraft oder eine Idee, und vor allem ohne die Bereitschaft, dafür auch etwas einzusetzen, zu investieren, eventuell sogar etwas dafür loszulassen, wirst du niemals etwas finden.

Stell dir vor, ein leeres Blatt Papier liegt jetzt vor deiner Nase. Keine Buchstaben, keine Wörter, keine Bilder sind zu sehen. Und auch wenn du Nichts siehst, so würdest du dennoch behaupten können, dass deine Gedanken sich auf diesem Blatt Papier schon breitgemacht haben. Vielleicht haben deine Gedanken schon längst angefangen, Bilder zu malen, Wörter und Sätze darauf zu verewigen. Oder fehlt dir die nötige Phantasie dafür?

Ich staune oft über Dinge, hinter denen sich mehr verbirgt, als es auf den ersten Blick mir erscheint? Wie viele ungezählte Geschichten begegnen mir gerade jetzt täglich in den unerschöpflichen Nachrichten und Posts der sozialen Netzwerke. Jetzt, wo wir physisch nicht beisammen sein sollen, betrachte ich Galerien von Kunstwerken in Gesichtern der Menschen, die über meinen Bildschirm fliegen. Aber natürlich sehe ich vor meinem inneren Auge auch die vielen, die abgetaucht sind, deren Gesicht nicht bemerkbar ist. Was machen die mit diesem weißen Papier? Was malen ihre Gedanken auf dieses Blatt?

So nehme ich mein Stück Papier und sehe Hoffnung wachsen, wie Efeu Mauern überwinden. Ich sehe trotz Ängste, Unsicherheiten und Grenzen Farbtupfer der guten Zuversicht, die Meisterwerke unserer menschlichen Möglichkeiten sind. Die gemalt sind aus bunten Pinselstrichen meiner Träume und ehrgeizigen Ziele. Und all diese Bilder sind ausgestellt in Räumen der Liebe und gegenseitigen Wertschätzung. Kannst du dir das auch vorstellen?

Ich glaube, so lange ich gebetsmühlenartig Versprechungen wiederhole, so unter dem Motto: „Es wird schon wieder!“ und in meiner kleinen vorhandenen Welt stehen bleibe, in der ich nicht bereit bin, auch neue Bilder entstehen zu lassen, sondern krampfhaft an alten festhalten möchte, bleibt dieses Blatt Papier das, was es ist, ein Stück nutz- und wertloser Zettel. So lange ich nicht das Vertrauen habe, dass mein Suchen eine Heimat findet, werde ich rast- und ruhelos, resigniert, enttäuscht und entnervt dieses Papier beiseitelegen, oder irgendwann ganz zerreißen, zerknüllen und wegwerfen.

Nichts ist furchtbarer als ein Leben ohne Vertrauen und Glauben, dass eben alles auch ganz anders sein und werden kann. Nichts ist langweiliger, aber auch gefährlicher als die Überzeugung, dass die derzeitigen Zustände so bleiben werden wie sie sind. Denn dann wird meine Suche zur reinen Erfüllung meiner eigenen egoistischen Bedürfnisse und mein Vertrauen zur Beruhigung meines Gewissens, aber nicht zum Motor einer neuen Hoffnung.

Ich glaube daran, dass Gott mir jeden Tag aufs Neue so im Vorbeigehen dieses weiße Blatt vor die Nase legt. Ich vertraue darauf, dass ich den Pinsel meiner Träume, Ambitionen und Möglichkeiten in meiner Hand halte und es an mir und an dir liegt, damit ein Kunstwerk entstehen zu lassen. Das ist meine Hoffnung.

Ich kann das Papier zerreißen, ich kann Gott leugnen oder für tot erklären, aber ich kann gerade jetzt trotzdem an die großen Bilder der Menschlichkeit glauben und daran mitzeichnen, ohne an den alten festhalten zu müssen. Und das ist das, was uns miteinander verbindet und auch nach einer Krise als Gemeinschaft in eine gute Zukunft trägt.

Was suchst du? Nimm dir ein Stück Papier und antworte: Komm, und sieh!

Ich wünsche allen eine kreative Phantasie farbenfrohe Tage!

Seid gut zueinander!

Lass dich anstecken

Samstag, 09.01.2021

Jetzt auch als Video!

In den letzten Wochen und Monaten war ja nur noch von einem Virus, von Symptomen und Krankheitsverläufen, Ansteckungsgefahren und Risikopatienten die Rede. Sicher hat die Menschheit in ihrer Geschichte schon zahlreiche Epidemien und Pandemien kommen und gehen sehen. Und dank der Medizin und Forschung gibt es für die meistens Infektionen die entsprechenden Heilmittel und auch die vorbeugenden Impfungen. Auch wenn ich immer mal wieder krank werde, gibt es genug, was ich dagegen einnehmen kann, um schnell wieder auf die Beine zu kommen. Gegen eine Krankheit der Menschheit aber hat die Wissenschaft bis heute kein geeignetes Rezept gefunden. Und das, obwohl diese Krankheit bis heute weit mehr Opfer gefordert hat, als eine Virus-Pandemie jemals. Dabei denke ich an die Seuche, dass ich immer wieder schuldig werde an anderen, an der Schöpfung und auch an mir selbst. Es ist eine Schwäche von mir als Mensch, dass ich verletzen und enttäuschen kann, dass ich egoistisch, ungerecht und unbarmherzig bin. Es ist ein Laster, dass ich nicht immer bei der Wahrheit bleibe, nur um nicht zur Verantwortung gezogen zu werden, oder besser dazustehen. Es ist ein Verbrechen, dass ich kein Maß mehr kenne und einhalte und dadurch Menschen für meine Zwecke missbrauche und ausnutze. Es ist mein Versagen, wenn meine Kurzsichtigkeit dem anderen den nötigen Atem zum Leben raubt. In diesem Sinne bin ich ein Leben lang ein Risikopatient. Gegen die „Krankheit“ Schuld wird wohl nie ein passendes Medikament gefunden. Aber es ist und bleibt ein Geschenk für mich zu wissen, dass ich in einer großen Gemeinschaft aufgehoben bin, in der jeder nicht nur die Möglichkeit, sondern auch das Fähigkeit besitzt, mit Schuld, Egoismus und Versagen umgehen und vor allem überwinden zu können. Ich bin mit dieser Krankheit nicht allein, ich brauche den anderen und der andere mich, damit wir gegenseitig Heilungen erfahren können. Vielleicht auch eine wichtige Einsicht inmitten einer erschütternden Virus-Krise. In gegenseitiger Achtung voreinander, wird die Schuld des anderen zu meiner eigenen und umgekehrt.

Wir haben Weihnachten gefeiert. Das große Fest, an dem der unbeschreibliche, unbegreifliche und geheimnisvolle Gott Mensch wird. Er wird einer von uns. Er lässt sich anstecken von der menschlichen Krankheit und zeigt mit seinem Leben einen Weg zu Vergebung und Versöhnung, einen Weg, auf dem Heilung möglich ist.

Je mehr ich mich also von der Schuld des anderen infizieren lasse, desto mehr kann ich die lebenswichtigen Antikörper entwickeln, damit meine Zukunft nicht an der Vergangenheit scheitert.

Also, seid gut zueinander!

Lass dir was sagen!

Mittwoch, 06.01.2021

Von wem oder was lasse ich mir etwas sagen?

In einer Krise gibt es eine Menge Leute, die etwas zu sagen haben, oder die es zumindest meinen, dies in allen Formen auch tun zu müssen. Vielleicht bin ich selbst schnell versucht, zu allem meinen Senf dazugeben zu müssen, und gerade jetzt in einer doch etwas undurchsichtigen Lage nicht unbedingt zur Beruhigung oder zur Orientierung beizutragen.

Es gab Zeiten, da ließ ich mir etwas von meinen Eltern sagen. Phasenweise wurden sie pubertätsbedingt ein wenig schwierig, aber heute sind es schon gut Ratgeber. Mein Arzt macht mir klare Ansagen, denen ich Folge leisten soll. Unsere Regierung mutet mir derzeit sehr viel an Einschränkung meines gewohnten Lebensrhythmus‘ zu, Und manchmal erwische ich mich dabei, dass ich mehr darüber nachdenke, wie ich diese Einschränkungen am besten umgehen kann, als sie einfach als gegeben hinzunehmen. Und die Kirche hat es heutzutage sowieso schwer, da in den letzten Jahren doch zu viel Vertrauen verloren gegangen ist. Dann treten da die zahllosen Gesundheitsexperten, Ernährungswissenschaftler, Fitnesstrainer und Personality- und Mental-Gurus auf, die mir ein gutes und erfolgreiches Leben versprechen, und am Ende dann doch eher auf meinen Geldbeutel fixiert sind. Naja, und dann ist da ja noch die Schule. Hinter den Weisungen dieser Einrichtung steckt ja meistens eine Verpflichtung, aus der ich so schnell nicht rauskomme. Letztlich ist es wie überall, wenn ich mir nichts sagen lasse, dann muss ich auch mit den entsprechenden Konsequenzen leben. Manche davon nehme ich leicht in Kauf, manche wiegen doch schwer, weil sie beispielsweise meinen Handlungsspielraum im Leben einschränken, oder natürlich erweitert.

Von wem oder was lasse ich mir also etwas sagen? Vor allem dann, wenn ich nach einer Wahrheit suche? Wenn ich mir etwas sagen lassen möchte, dann geht es vor allem um Beziehung. Der Mensch ist der, der die Wahrheit sucht. Aber auch der, der vom Glauben lebt.

Um zu wissen, wer der andere ist und wie er so tickt, brauche ich nur den entsprechenden Namen bei Google oder einer anderen Suchmaschine eingeben und ich erfahre, wer dieser Mensch ist, wo er herkommt, wo er wohnt. Ich sehe Bilder von ihm, die ihn äußerlich sympathisch oder unsympathisch wirken lassen. Ich bekomme eine Menge von Daten. Und das ist eine Form von Wahrheit über den anderen. Aber ist es genau das, was ich wirklich über den anderen wissen will? Das geht wohl nur, wenn ich dem Menschen persönlich begegne, ich muss mit ihm ins Gespräch kommen, umso mehr zu erfahren von ihm. Und darin erzählt mein Gegenüber von seinen Gefühlen, vielleicht von seinen Schmerzen, wen oder was er wirklich mag. Das kann ich aus dem Internet nicht erfahren. [deswegen leide ich derzeit schon unter der Situation, euch alle hier nicht zu sehen]. Im gemeinsamen Gespräch erhalte ich Informationen über den anderen, die nur die betreffende Person wissen kann. Aber dann komme ich irgendwann zu dem Punkt, wo ich mich entscheiden muss, glaube ich ihm oder glaube ich ihm nicht. Denn nachprüfen kann ich es schwer, was er sagt. Lass ich mir etwas von ihm sagen? Glaub ich ihm? Oder eben nicht? Die Entscheidung liegt aber immer wieder in meiner Hand. Und wenn ich ihm vertraue, wenn ich ihm das glaube, was er mir erzählt hat, dann kann ein vertrauensvolles Miteinander daraus wachsen, wodurch ich auch meinen Gegenüber noch besser kennenlernen darf, Erkenntnisse gewinne. die viel tiefer liegen, als das, was über ihn irgendwo geschrieben steht. Ja, der Mensch ist der, der die Wahrheit sucht und wissen will. Und der Mensch ist der, der vom Glauben lebt. Ohne, dass wir uns gegenseitig Glauben schenken, ist keine Beziehung möglich. Und dieses Vertrauen ist viel wichtiger, als alle äußeren Informationen.

An diesem Tag ist von Sterndeutern aus dem Osten die Rede. Weise Männer, die es verstehen die Geheimnisse der Natur zu lesen. Sie wissen um die Deutung der Sterne und ihre Bewegung. Und womöglich kennen sie auch die heiligen Schriften des jüdischen Volkes und realisieren, da passiert irgendwas in der Natur. Und dieses Ereignis, verbunden mit dem Wissen um die Texte der Schrift, ist für sie die Ankündigung einer besonderen Person, eines besonderen Menschen. Eine eigenartige Sternenkonstellation kündet jemanden an.

Wir wären keine Schule, wenn nicht die Natur und ihre Gesetze im Unterricht behandelt würden. So weiß ich viel über die Natur, kenne viele Naturgesetze – sicher längst nicht alle. Aber glaube ich auch, dass in der Natur ein ganz anderer sich zu Wort meldet? Glaube ich, dass hinter dieser einmaligen und wunderschönen Schöpfung ein Schöpfer zu finden ist? Der Natur und ihren Gesetzen zu vertrauen, fordert von mir einen Glauben an einen Gesetzgeber.

Die Sterndeuter sind Menschen, die die Erkenntnis, die Wahrheit suchen und offensichtlich auch Menschen, die glauben können. Die Vertrauen haben, diesem Naturereignis, diesem Stern hinterherzugehen. Es reicht ihnen ihr Wissen aus den Büchern nicht. Sie wollen es mit eigenen Augen sehen. Und sie setzen alles auf eine Karte, nehmen alle ihre Reichtümer mit, weil sie glauben, dass da etwas passiert, was für ihr Leben wirklich wichtig ist.

In Jerusalem machen sie dann eine zweideutige Erfahrung. Auf der einen Seite vertieft sich ihr Wissen durch Herodes, der seine Bibelforscher, seine Schriftgelehrten fragt, wo denn der neugeborene König geboren werden solle. Die drei erfahren schon etwas von dem König Herodes, aber sie spüren vermutlich auch, der Kerl ist falsch. Dem Herodes geht es nicht wirklich darum, dass man den neuen König findet. Sie merken, da ist was faul und so gehen sie weiter nach Betlehem, sie gehen dem Stern hinterher und sie finden das Kind in der Krippe. Sie müssen sich bücken, um zu ihm zu gelangen. Gott wird von den Demütigen erkannt und wird meistens dort gefunden, wo ihn niemand vermutet.

Hier liegt der, den wir gesucht haben, dem wir unsere Reichtümer schenken können, auf den hin wir uns loslassen können.

Von wem oder was lasse ich mir etwas sagen?

In mir steckt so viel von diesem Herodes, von dem, dass ich selbst König sein möchte, der sich nicht kleinmachen und bücken möchte, der nicht sich selbst und alles, was er an Reichtümern herumschleppt loslassen kann und der selbst die Herrschaft über sein Leben behalten will.

Und trotzdem habe ich eine Sehnsucht nach Wahrheit und Erkenntnis und aus Glauben zu leben, vertrauen zu können.

Von oder was lasse ich mir etwas sagen?

Nehme ich jede Meldung in den Medien zum Anlass auf alles und jeden sofort zu schimpfen, oder vertraue ich auf eine gute Leitung durch diese Krise? Kann ich auch loslassen von gewohnten und vertrauten Dingen?

Von oder was lasse ich mir etwas sagen?

Weil einer wie Herodes letztlich nicht vertrauenswürdig ist, zogen die drei Sterndeuter auf einem anderen Weg zurück. Das Erlebnis, die Erfahrung hat sie verändert. Sie haben den gefunden, dem sie vertrauen, an den sie glauben, dem sie sich überlassen können. Und sie gehen als Verwandelte nach Hause. Es bleibt spannend, inwieweit wir uns durch die Monate der Pandemie verändert haben und auch weiterhin noch tun.

Vielleicht schaffen wir es in Schule auch, nicht nur nach der Wahrheit zu suchen, sondern auch Vertrauen zu entwickeln zu einem, der viel von uns abverlangt, der jedoch Licht und Orientierung schafft, in dem er keine großen Debatten führt, sondern Wege zum Frieden aufzeigt, indem er nicht der Versuchung erliegt, ständig nach einem Schuldigen zu suchen und sich auf das Versagen andere einschießt, sondern die Hand zur Versöhnung ausstreckt, indem er, der trotz eigenen leidvollen Erfahrungen keine Bitterkeit aufkommen lässt, sondern mit Respekt und Wertschätzung dem Leben in seiner Schönheit und Zerbrechlichkeit begegnet.

Von ihm sich etwas sagen lassen bedeutet, auch in den dunkelsten Nächten nicht nur um den Stern zu wissen, sondern diesem auch zu vertrauen. Die Geschichte der drei Magoj (griechisch für Weise) aus dem Osten ist unsere Geschichte. Und so möge dieser Stern uns auch durch dieses neue Jahr leiten!

Seid gut zueinander!

"Bleib so wie du bist!"

Donnerstag, 31.12.2020

Mein Wunsch für dich im neuen Jahr lautet nicht: „Bleib so wie du bist!“

Natürlich schmeichelt ein „Bleib so wie du bist!“ ein wenig, da in diesem Wunsch natürlich auch Lob und Anerkennung drinsteckt. Aber willst du das überhaupt, so bleiben wie du bist? Im Grunde willst du dich doch immer auch ein Stück verändern und die Zeit tut an dir das Übrige. Seit deiner Geburt veränderst du dich ständig.

Ja, manchmal habe ich den Eindruck, dass hinter dem Wunsch „Bleib so wie du bist!“ die Auffassung steckt, es möge doch bitte schön alles beim Alten bleiben. Es kommt immer auch so etwas wie Unsicherheit und Angst vor dem Neuen, Veränderten und Unberechenbaren zum Vorschein. Natürlich ist es beunruhigend, wenn Veränderungen eintreten, die ich selbst nicht mehr kontrollieren kann. Das vergangene Jahr hat uns allen das deutlich vor Augen geführt. Wenn dann doch alles so bleibt wie es ist, bin ich eher froh und dankbar, weil es läuft ja gerade alles einigermaßen gut.

Klar habe ich meine guten Seiten, die ich auch gerne beibehalten möchte. Aber oft genug sind es auch die schlechten Angewohnheiten, die ich mit mir rumschleppe: Zu viel essen und trinken, zu wenig Bewegung, zu viel Schadenfreude, zu wenig zuhören. Nach außen optimistisch, aber innerlich doch ziemlich unsicher, was die Zukunft angeht. Da ein ziemlich böser Post bei Instagram, dort eine unehrliche Nachricht bei WhatsApp.

Ich weiß nicht, ob wir uns so gegenseitig akzeptieren können. „Bleib so wie du bist!“ Beim genaueren Hinsehen merke ich doch erst, wie verwundet das Herz meines Gegenübers ist. Und dann relativiere ich schnell das Schlechte an mir und dem anderen als gar nicht mehr so schlecht. Diese negativen Angewohnheiten sind eben menschlich. Was soll schon dran sein, ist doch nicht schlimm, kann doch jedem mal passieren, Schwamm drüber und alle haben sich wieder ganz doll lieb.

Deswegen braucht es im Großen und Ganzen auch keine Veränderung. Aber was ich nicht selbst zu verändern versuche, das verändert mich letztlich. Ich werde ungenießbar. Und erst wenn es mir richtig dreckig geht, begreife ich, wo Veränderung im wahrsten Sinne des Wortes not-wendig ist.

Im positiven Sinn gibt es aber auch Erfahrungen und Momente, die mich genauso verändern: Das Geständnis einer Liebe, die Geburt eines Kindes, die vergebenden Worte und die Versöhnung-schenkende Geste. Hier werden Kräfte zur Veränderung meines Lebens freigesetzt. Sage ich hier auch: "Bleib so wie du bist!"?

Veränderungen brauchen Leid-, Sinn- und Beziehungserfahrungen, die letztlich Ja zu meinem Leben sagen, Ja zu einer Freundschaft sagen, Ja zu dieser verwundeten Welt sagen und Veränderungen erst möglich machen.

Ein neues Jahr schenkt uns allen die Möglichkeit, dieses Ja immer wieder neu zu sagen, Ja zu jedem Tag, Ja zu sich selbst, Ja zu den Mitmenschen – und letztlich ein tiefes Ja zum Leben und allen seinen Phasen und Augenblicken. Darin werde ich ein Mensch, der sich immer wieder positiv verändert, der sich selbst vom Leben und seinen Gelegenheiten erneuern lässt. In einem „Bleib so wie du bist!“ finde ich keine Gnade und Barmherzigkeit.

Und so wünsche ich uns allen für das neue Jahr 2021, dass wir nicht einfach das bleiben wollen, wer und was wir sind, sondern durch jeden Tag erneuert werden, damit wir reifer und tiefer und authentischer werden.

Möge der Stern von Betlehem, der die Sterndeuter aus dem Osten in ihrem Leben grundlegend verändert hat mit uns gehen und uns die Angst vor dem, was an Unbekanntem vor uns liegt nehmen.

„Mensch – verändere dich, damit die Welt durch dich verändert wird!“

Gottes Segen begleite uns als Schulgemeinschaft durch alle Höhen und Tiefen auch im kommenden Jahr 2021!

Einem Jahr, in dem vor allem gilt:

Sei gut zueinander!

"Hier bin ich!"

Mittwoch, 23.12.2020

Unsere Schule ist leer und dennoch voll von Erinnerungen und Gedanken. Unsere Schule ist ein Ort der Sehnsucht, der Hoffnungen, der Freude, aber auch der Trauer, der Angst, der Enttäuschung und der Wut.

Hin- und Hergerissen von den Herausforderungen unserer Zeit bleiben wir immer Suchende. Und die Antworten, die uns das Leben gibt, scheinen genauso provisorisch und vorläufig zu sein, wie der Stall von Betlehem. Die Herberge, in der meine Frage Antwort finden kann, ist begrenzt zwischen den Gedanken an die Vergangenheit und die Sorgen meiner Zukunft. Was bleibt mir dann an Sicherheit im Hier und Jetzt, hier an unserer Schule? Nichts anderes als: Hier bin ich! Ein Kind, ein Mensch, ein Gott. Gerade in diesen Tagen braucht die Welt und brauchen wir eine Frohe Botschaft. Die Antwort, die wir bekommen ist ein armseliges Flüchtlingskind in einer Baracke auf den Feldern Betlehems. Ja, Mensch, wenn du um Hilfe schreist, werde ich dir sagen: Hier bin ich!

Nein, diese Botschaft beantwortet sicher nicht die Frage nach dem „Warum?“. Es bleibt ein Rätsel, warum die Welt so ist, wie sie ist. Gelöst wird es am Ende der Weltgeschichte und ich tue gut daran im Angesicht des täglichen Leidens, dieses Ende nicht vorwegzunehmen. Denn ich kann dem Kranken helfen, auch wenn mich selbst durch Gott die Krankheit treffen kann. Ich kann dem Armen helfen, auch wenn mich selbst durch Gott die Armut treffen kann. Ich kann Leben retten, auch wenn mich selbst durch Gott der Tod ereilen kann. Und so wird aus jeder Finsternis ein neuer Morgen erwachen. Auch wenn das Dunkel meiner Wirklichkeit mich an das Morgenlicht zweifeln lässt, auch wenn die nächste Nacht sicherlich schon wartet, darf ich auf dieses Kind, diesen Menschen vertrauen, zu dem, der seine Allmacht aufgibt, zum solidarischen Mitleiden aufruft und gerade darin mir als Rebellen und armseligen Menschen nahe bleibt. Hier bin ich! Ja, Mensch, wenn du um Hilfe schreist, werde ich dir sagen: Hier bin ich!

Denn am Ende aller unserer Fragen gibt es keine Antwort mehr. Am Ende gibt es nur noch den Menschen, den Schwächling, den Hilfesuchenden, den Ausgelieferten, den nach Liebe und Barmherzigkeit schreienden Menschen, damals in der Krippe und heute hier neben mir an unserer Schule. All mein Fragen und Fordern verstummt im Anblick des Menschen, vor dem ich eben nur staunend Haltung einnehmen kann. Und das einzige, was an mein Ohr dringt ist leise die Stimme eines ganz anderen: Fürchte dich nicht! Hier bin ich!

Ich wünsche uns allen ein in die Welt, in den Menschen und in Gott Vertrauen-schenkendes Weihnachtsfest und natürlich die Bitte

Seid gut zueinander!

Die große Stille

Donnerstag, 17.12.2020

Es ist wieder still geworden in unseren Fluren. Eine Woche vor den offiziellen Weihnachtsferien sind wir wieder im kompletten Lockdown gelandet. Vieles wurde versucht, und wir haben uns alle angestrengt, damit die Infektionszahlen nicht weiter steigen. Hat aber alles nichts genutzt. Jetzt heißt es wieder: häusliches Lernen und dabei so wenig (physische) Kontakte wie nötig. Sicher, das ist alles andere als schön und ich hätte mir auch liebend gern einen anderen Start in die Weihnachtszeit gewünscht. In diesem Jahr ist eben alles anders.

Mit welchen Worten kann ich denn noch Mut machen? Welche Sätze ermuntern, amüsieren oder beruhigen? So leer wie die Flure und Räume unserer Schule, so leer scheint gerade mein Kopf und mein Wörterbuch zu sein. Ehrlich gesagt: Mir fehlen einfach die Worte.

Mag sein, dass einige jetzt nicht ganz traurig sind, nach heutigem Stand bis zum 12. Januar zu Hause bleiben zu müssen. So ist es doch ein Unterschied, ob ich nun allein in den heimlichen vier Wänden beispielsweise meine Matheaufgaben mache, oder eben mit 25 anderen im Klassenraum.

Sicher freie Tage, Ferien und Erholung sind alles wichtige Momente zum Durchatmen und Krafttanken und solche Tage muss es auch geben. Nur, und ich weiß nicht, wie es euch dabei geht, jetzt fühlt sich das alles irgendwie nicht richtig an bei mir. Es ist so, als ob vor einem ein unfertiges Puzzle liegt und ich gezwungen bin aufzustehen und zu gehen, dieses Puzzle nicht fertig zu legen und auch nicht zu wissen, wie es fertig aussehen wird. Stattdessen wird man herausgerissen aus dem vermeintlich Vertrautem. Ich beneide euch nicht, da ihr jetzt eure Aufgaben von zu Hause erledigen müsst.

Die Stille der Flure, die Leere der Räume machen mir auf schmerzhafte Weise erneut bewusst, dass eine Schule, dass unsere Schule mehr ist und mehr sein muss, als Lernen, Lehren, Leistungskontrollen und Zensuren. Dann, wenn etwas nicht mehr da ist, vermisst man es am meisten. Und in meiner Traurigkeit über die derzeitige Stille und Leere, versuche ich meine Sprachlosigkeit zu überwinden. Und das aus einem einzigen Grund, dass wir auch ohne physischen Kontakt wissen und darauf vertrauen, dass wir zusammengehören und keine alleine bleibt. Wir tragen gemeinsam das Schicksal jedes einzelnen mit. Ich werde also jetzt wieder versuchen, mindestens einmal in der Woche meine Gedanken hier loszuwerden. Wer mag darf mir auch gerne mal schreiben. Dafür jetzt schon ein Danke!

„Kündet allen in der Not: Fasset Mut und habt Vertrauen!“, so heißt es in einem Adventslied. Mein Wunsch an uns alle ist für die kommende Zeit, halten wir uns gegenseitig den Himmel offen, halten wir uns gegenseitig in unserer Schulgemeinschaft und, ganz wichtig,

seien wir gut zueinander!

Gestutzt!

Mittwoch, 11. November 2020

Etwas ungläubig und erschrocken blicke ich auf den Baum mitten auf unserem Schulhof. Gestern stand er noch in voller bunter Blätterpracht dort, Bälle flogen regelmäßig hinein und kamen nicht wieder runter, so dass Schüler oder auch FSJler hochklettern mussten, um die diversen Spielgeräte wieder zu bringen. Es hat sich etwas geändert, einfach so, und ohne Vorwarnung. Gestutzt bis aufs Nötigste. Traurig und ratlos stehe ich davor und denke mir, was ein Bild für unsere Zeit. Aber mehr noch ein Spiegelbild dessen, wie es mir persönlich grad geht.

Auch ich fühle mich irgendwie gestutzt. Meinen eigentlichen Aufgaben kann ich hier an der Schule nur sehr begrenzt nachgehen. Durch die vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen sind Gottesdienste nur sehr begrenzt möglich, und wenn, dann finden sie mit einer Klasse jeweils in der Aula statt, während bisweilen nebenan eine Berufsschulklasse lautstark sich unterhält oder Musik hört. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mit meiner Botschaft und vor allem mit der biblischen Botschaft bei den Schülern ankomme. Welche Gedanken gehen Ihnen gerade durch den Kopf. Ich möchte mit ihnen ins Gespräch kommen, was sie gerade in dieser doch etwas verrückten Situation denken, wie es ihnen geht, während ihr Leben und dessen Gestaltung genauso gestutzt wurde, wie der Baum. Aber es funktioniert nicht.

Selbstverständlich bin ich froh und dankbar, dass ein schulischer Regelbetrieb möglich ist. Und natürlich will ich selbst dazu beitragen, dass dies so lange wie möglich auch bleibt, so dass Homeschooling und Online-Unterricht größtenteils vermieden werden können.

Aber habe ich als Seelsorger einer Schule nicht noch einen höheren Anspruch, als nur die Absicherung von Unterrichtsstunden?

So fühle ich mich – wie der Baum – ein wenig gestutzt. Und ich frage mich, wie es den anderen jungen und älteren Menschen an unserer Schule geht?

Äußerlich läuft irgendwie alles ganz normal, aber was ist mit den unterschiedlichen Sorgen, Ängsten, Unsicherheiten, Konflikten und der Erfahrung von Schuld? Wo haben sie ihren Ort und ihre Zeit in einem Alltag, der geprägt ist von einer Vermeidungsstrategie, dass die Schule teils oder wieder ganz geschlossen wird?

Ich fühle mich gestutzt und kann nur abwarten. Das will ich aber nicht mutlos tun. Ich will auch diese Zeit im Rahmen meiner Möglichkeiten gestalten. Jahrein, jahraus rede ich von Vertrauen und vom Getragen-sein, gerade in schwierigen Zeiten. Warum sollte es jetzt für mich und alle jetzt in dieser Zeit nicht gelten?

Für den Baum ist es notwendig, dass er ab und an gestutzt wird, damit er im Frühling wieder treiben kann. Es bleibt also die Hoffnung beim Baum wie bei mir, dass es bald wieder Frühling werde. Ich bin gespannt, welche Blüten diese Zeit dann treiben wird.

Der jüdische Journalist Schalom Ben-Chorin schrieb 1942 diese wunderbaren Zeilen in tiefster Not:

Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt,

ist das nicht in Fingerzeig, dass die Liebe bleibt?

Dass das Leben nicht verging, so viel Blut auch schreit, achtet dieses nicht gering in der trübsten Zeit.

Freunde, dass der Mandelzweig sich in Blüten wiegt, das bleibt mir ein Fingerzeig für des Lebens Sieg.

Damit das Leben trotz des momentanen „Gestutzt-seins“ siegt, braucht es die Hoffnung, die in gegenseitiger Achtung und Solidarität lebt, deswegen:

Seid gut zueinander!

Mein Platz!

Mittwoch, 14.10. 2020
(Diese Gedanken sind als geistliches Wort für die Lehrergesamtkonferenz gedacht!)

Besondere Situationen bedürfen besondere Maßnahmen. Seit Beginn des neuen Schuljahres müssen sich die Klassen 5 bis 9 am Ende der beiden großen Hofpausen an ihren Klassenschildern einfinden, um dann vom jeweiligen Fachlehrer abgeholt zu werden. Diese Maßnahme wurde aufgrund des Hygiene-Wege-Konzeptes notwendig, um den Andrang in den Treppenhäusern zu minimieren, was, ehrlich gesagt, aus verschiedensten Gründen nur wenig funktioniert. Aber sei es drum. Ich kann hinter jeder getroffenen Maßnahme mein Fragezeichen setzen. Ich kann aber auch versuchen, meinen Beitrag zu leisten, damit ein reibungsloser und geregelter Schulbetrieb aufrecht gehalten werden kann. Das hat etwas mit Haltung zu tun. Aber darauf will ich heute gar nicht hinaus.

Jeder weiß um die Enge und die Begrenztheit unserer Räume und unseres Schulhofes. Und wo soll ich hin, wenn ich meinen Platz suche? In einer Zeit, die geprägt ist von ständig ändernden Sachlagen und Maßnahmen mit der einhergehenden Unsicherheit, weiß ich manchmal nicht mehr, wo stehe ich eigentlich gerade? Wo gehöre ich hin? Was ist mein Platz in diesem Leben, in dieser unseren Schule? Auf kaum mehr ist etwas Verlass, ich kann kaum den nächsten Tag wirklich planen, weil ich nicht weiß, ob das Geplante nicht in Echtzeit der Planung schon wieder verworfen werden muss. Hin- und Hergerissen zwischen Gedanken, Gefühlen, Regelungen und immer wieder neuen Herausforderungen fühle ich mich bisweilen als ein Getriebener, der ständig auf der Suche ist nach dem, nach seinem Platz. Seit März sind wir doch alle – vielleicht mit Ausnahme der Ferientage – nur noch in einem Krisenmodus, der schon zu einem Normalzustand geworden ist. Natürlich darf die Frage hier erlaubt sein, ob wir überhaupt wieder ein wenig Ruhe in unseren Alltag bekommen. Letztlich werden wir alle lernen müssen, mit diesem Virus zu leben. Er hat seinen Platz mitten unter uns gefunden. Und wir? Und ich?

Ich sehe Menschen, die voller Unsicherheit nicht mehr wissen, wohin sie gehören, die das Gefühl in sich tragen, dass ihnen ihr Platz weggenommen wurde. Ich sehe Menschen, die ihren Platz verlassen haben, und nicht wiederkommen, deren Platz einfach leer bleibt und ich mich frage, was ist mit ihnen? Ich sehe Menschen, die ihren Platz nicht verlassen möchten, die sich gut eingerichtet haben und keine Veranlassung sehen, sich auf neue Herausforderungen einzulassen, die auch im Kopf kaum Platz haben für neue Gedanken und Wege (siehe Digitalisierung unseres Schulalltages). Damit ich nicht falsch verstanden werde: Für all diese Menschen habe ich Verständnis, oder anders ausgedrückt, ich räume ihnen einen berechtigten Platz in meinen Gedanken ein.

Aber ich frage mich auch, wo hat unser Glaube, wo hat Gott seinen Platz in dieser Zeit an unserer Schule, wenn beispielsweise Gottesdienste in gewohnter Form nicht mehr stattfinden können? Machen wir uns nichts vor, es gab schon immer einen himmelweiten Unterschied zwischen dem, was der Mensch erwartet und dem, was die Antwort Gottes ist. Nein, groß zu leiden hat niemand von uns. Insofern ist jedwede Panik oder Aufregung fehl am Platz. So ist mein Platz derzeit in der Spannung zwischen einer vertrauensvollen Gelassenheit und der ständigen Suche nach Antworten, Lösungen und Entscheidungen. Und ich bin eben auch für jeden sehr dankbar, der sich auf den Platz stellt und verantwortungsvolle Entscheidungen trifft. Das ist heutzutage nicht selbstverständlich. Was ist nun also mein Platz?

Mein Glaube erspart mir keine Herausforderung, kein Suchen, keine Unsicherheit im Leben, „denn“, so heißt es im Hebräerbrief: „…wir haben hier keine bleibende Stätte, sondern suchen die zukünftige!“ (Hebr 13,14). Dieser Spruch hängt übrigens auch im Lehrerzimmer als Plakat seit einigen Jahren. Es gibt eben etwas, was für mich unverfügbar bleibt. Mein Glaube sagt mir eben dann nicht: „Alles wird gut!“, sondern er gibt mir die Zuversicht, in jeder Lebenslage getragen zu sein, nicht alleine zu sein. Das ist mein, das darf unser Fundament auch und gerade in Schule sein. Es schenkt eine Perspektive, die jegliches Suchen und Fragen ertragen lässt. Mein Platz ist bei ihm, bei Gott. „Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir!“ (Apg 17, 28) Oder ich vertraue auf die Zusage Jesu, der sagt: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen, und ich gehe jetzt hin, um dort einen Platz für euch bereitzumachen!“

In diesem Sinne gehen wir mit Haltung und Zuversicht weiter durch dieses Schuljahr!

Und natürlich: Seid gut zueinander, weil ihr das könnt!

 

 

Mit Haltung und Zuversicht!

Montag, 31.08.2020

"Mit Haltung und Zuversicht!" in das neue Schuljahres 2020/2021.

Haltung,

… weil ich weiß, was mir Halt gibt, woran ich mich festhalten kann, wenn es schwierig wird.

… weil ich weiß, dass es auch um mein Verhalten, damit Leben in Gemeinschaft funktionieren kann.

.. weil es um einen Standpunkt geht, der den Schwachen schützt und verteidigt.

Zuversicht,

… weil sie mehr ist als Optimismus, der alles gut werden sieht.

… weil es um die Sicht auf die Dinge geht, um die Perspektive, die Leben gelingen lassen kann.

... weil sie Hoffnung schenkt.

Seid gut zueinander!

Auf geht's!

Mittwoch, 26.08.2020

Am kommenden Montag startet nun wieder ein neues Schuljahr, dass sich doch irgendwie unwirklich und so anders anfühlt, als in den vergangenen Jahren. Es heißt zwar Regelbetrieb, aber wie soll das im Einzelnen gehen und vor allem, wie lange geht das gut. Ungewissheit, ja und auch ein bisschen Bammel vor dem, was da in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten kommen mag, verspüre ich schon, aber auch eine große Portion Hoffnung, dass alles möglichst gut verlaufen wird.

In unserem oft sehr durchstrukturierten Leben, in dem wir uns nach allen Seiten bestmöglich absichern, vergessen wir oft, dass es nur Zufall, oder besser ein Geschenk ist, einigermaßen sicher leben zu können. Wie selbstverständlich gehe ich Tag für Tag meine Wege, verrichte meine Dinge, plane meine Zukunft. Ja, beinahe leichtfüßig setze ich Schritt für Schritt und überwinde die unterschiedlichsten Hürden und Hindernisse. Ich spüre die Energie und eine tiefe innere Überzeugung, die mich an Höhe und Weite im Leben gewinnen lässt. „Was soll mir schon großartiges passieren?“, so denke ich und schaue ein wenig bemitleidend auf die, denen bei jedem Schritt die Angst ins Gesicht geschrieben steht. „Sollen sie doch zu Hause bleiben!“ Ich halte inne und denke, wie überheblich so ein Gedanke doch ist.

Wäre es nicht deine Aufgabe, ihnen zu helfen, ihre Ängste zu überwinden, ihnen gut zuzureden, dass es ganz normal ist, Angst zu haben, weil es eine ganz vernünftige Reaktion der Psyche ist, die auf eine Gefahr hinweist und zur Sorgfalt auffordert? Ist es nicht deine Aufgabe, sie an die Hand zu nehmen und ihnen zeigen, dass viel mehr Fähigkeiten in ihnen steckt, als sie glaubten, und die ihre Angst bis dahin verborgen hatte? Warum bist du so ungeduldig?

Dabei erinnere ich an einer meiner letzten Bergtouren vor ein paar Jahren mit Schülerinnen und Schüler unserer Schule im Dachsteingebirge. Das Wetter hatte umgeschlagen, es war nass und neblig. An einer Felswand ging es nur noch mit Drahtseil und Steigeisen hinunter, wobei man das „Unten“ von oben nicht sehen konnte. Der erste mutige kletterte hinunter und rief dann den nächsten. Zum Schluss war ich an der Reihe. Die ersten zaghaften Tritte klappte es gut, dann rutschte ich mit meinem linken Fuß vom Steigeisen und ein paar Zentimeter mit den Händen am feuchten Drahtseil ab. Mit schwerem Rucksack bepackt, rutschte mir das Herz in die Hose. Ich musste all meinen Mut zusammenraffen, damit ich wieder ordentlich Halt unter den Füßen hatte. Mit Hilfe der anderen kam ich dann heil unten an und ich wusste, wie so oft schon beim Bergsteigen und in meinem Leben überhaupt, hatte ich einfach Glück.

Nicht nur diese Begebenheit erinnern mich daran, wie ausgesetzt unser kleines Stückchen Leben in diesem Universum doch ist. Aus der astronomische Forschung wissen wir, was für ein großer Zufall es war, dass die Sternenwelt und Leben entstehen konnte. Welchen glücklichen Umständen verdanke ich, dass ich so bin, wie ich bin, mit meiner Kraft und Ausdauer, mit meiner Gesundheit und dem Wohlstand, den ich habe? Und wie lange kann ich darauf vertrauen?

Und da ist er wieder, dieser eine Moment, in dem ich große Dankbarkeit empfinde. Nichts ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Natürlich habe ich auch an mir gearbeitet, dass ich so leben und genießen, so kraftvoll durchs Leben und über die Berge gehen kann, wie ich es tue. Aber letztlich ist es ein großes Geschenk, dass ich jetzt habe und jetzt nutzen kann, dass ich aber nicht nur für mich und nicht für immer habe. Denn ich spüre, wie ausgesetzt man doch in seinem Leben ist, wie brüchig Selbstsicherheit und Selbstgenügsamkeit sind.

Wenn es jetzt wieder losgeht mit dem Schulalltag, dann braucht jeder von uns immer wieder die Hand, die den anderen hält, wenn ihm angst und bange wird. Da braucht es das ermutigende Wort, wenn jeder Schritt zu einer Qual wird. Und da braucht es die Antwort auf die Frage: Was ist denn dein Halt, dem du vertraust, wenn du den Boden unter deinen Füßen zu verlieren drohst?

Hand, Mut und Antwort sollen uns stärken und begleiten in einem Schuljahr, dass sich so unwirklich, so anders anfühlt, als in den vergangenen Jahren.

Im Buch der Psalmen heißt es: „Der Herr wird uns zur Stütze, er führt uns hinaus ins Weite!“ (nach Psalm 18). Darauf vertraue ich und in diesem Vertrauen segne, stärke und begleite uns in diesem Schuljahr Gott der Vater + und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

P.S. Seien wir gut zueinander!

Jetzt abschalten!

Freitag, 17. Juli 2020

Das Schulhaus ist wieder leer und es ist wieder ganz still geworden. Also nutze ich diesen Moment, um meine letzten Gedanken zu den nun startenden Sommerferien aufzuschreiben:

Letzte Tag war ich unten im Keller und fand dieses Bild aus unserem Serverraum mag sinnbildlich für das zu Ende gehende Schuljahrlich, das so vieles auf den Kopf gestellt hat. Wir haben einen bis dahin nie dagewesenen Lockdown in Schule und Gesellschaft erlebt. Wir haben hier in der Schule einer „neuen“ Form des digitalen Unterrichtens und Lernens zu tun bekommen und mussten ziemlich schnell lernen damit umzugehen. In der Zwischenzeit wurde auch der digitale Wechsel vom Server in Bestwig auf den Server hier in Heiligenstadt umgestellt, was relativ geräuscharm vonstattenging. In der ganzen Zeit seit dem 17. März habe ich zumindest wieder mehr als genug gespürt, dass alles irgendwie miteinander zusammenhängt. Dass, wenn ich an einem Kabel ziehen, das Auswirkungen auf das Ganze haben wird. Und auch deswegen möchte ich meinen herzlichen Dank allen aussprechen, die in den vergangenen Wochen und Monaten nicht den Überblick verloren haben und mit Herz, Blut und Verstand unsere Schule mit all ihren Menschen gelenkt, gestaltet und behütet haben.

Jetzt heißt es: Schalt ab, mach mal Pause! Denn wer ständig unter Strom steht und in Bewegung ist, wem die Bodenhaftung und die Erdung fehlt, dem rutscht auch leicht der Boden unter den Füßen weg. Gerade deshalb ist es so wichtig, von Zeit zu Zeit innezuhalten, nachzudenken über das, was war, und Ausschau zu halten nach dem, was kommt. Wenn ich das ernsthaft mache, dann kommen nicht nur angenehme und schöne Erinnerungen hoch, sondern auch Dinge, die mich oder andere verletzen und wehtun. Die Gefahr ist groß, dies nicht zuzulassen, sich lieber ablenken und zurieseln lassen. Wirklich Kraft holen hat eben auch seinen Preis.

Ich wünsche euch allen eine gute, erholsame und kraftspendende Zeit der Ferien in der Hoffnung, uns alle dann wiederzusehen.

... und vor allem:

Seid gut zueinander!

Euer Schulpfarrer Markus Könen

"Weine nicht, wenn der Regen fällt!"

Mittwoch, 08.07.2020

Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich meine letzten Gedanken hier verfasst habe. Eigentlich ein gutes Zeichen, dass nämlich genug zu tun ist in der Schule. Es geht auf die Zielgerade, die Noten werden von den Lehrerinnen und Lehrern in die Computer eingegeben und verglichen, Zeugnisse werden gedruckt und unterschrieben und irgendwie freut sich dann doch alles, dass dieses verrückte Schuljahr endlich vorbei ist.

Trotz herausfordernder Umstände haben wir in einer festlichen und ergreifenden Feierstunde letzten Samstag unsere Abiturientinnen und Abiturienten verabschiedet. Unsere guten Wünsche und Gebete für eine gelingende Zukunft mögen sie begleiten.

Und nun? Irgendwie fühle ich mich gerade in so einem Zustand, wo ich nicht weiß, soll ich mich freuen, oder traurig sein, soll ich eine Jacke anziehen, oder reicht ein T-Shirt, soll ich mir schon mal Gedanken machen über das kommende Schuljahr, oder lasse ich es lieber, weil man ja eh nicht sagen kann, was kommt und was wird. Die Stimmungslage gleicht dem heutigen Wetter. Irgendwie alles trist. Obwohl wir ja im Hinblick auf die Natur froh und dankbar über den Regen sein können.

Wie war das an dem Montag 19.August 2019 unserem ersten Schultag? Niemand hat an dem Tag sich in kühnsten Träumen ausdenken können, dass wir 7 Monate später eine Komplettschließung unserer Schule vornehmen mussten, aufgrund eines Virus, der sich weltweit breitmacht. Mit Drafi Deutschers „Mamor, Stein und Eisen bricht…“ starteten wir damals in das neue Schuljahr. Als Symbol wählte ich den Regenschirm, der dann ein ganzes Jahr die Eingänge im Neu- und Altbau zierte. Darunter der Leitspruch für das Schuljahr: „Keine Panik!“ „Ob ich damals prophetische Kräfte besessen haben?“, fragte man mich angesichts der Corona-Krise. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass in der Rückschau bis zu dem heutigen Tag wir allesamt ziemlich gut beschirmt und behütet waren. Es gibt nicht nur schöne und erfolgreiche Schultage. Es gibt eben auch die traurigen, unglücklichen, erfolglosen und Unsicherheit verbreitenden Momente. Es scheint nicht nur die Sonne, manchmal kann es auch ganz schön nass werden, neblig und trüb sein und mir der Wind von vorn kräftig ins Gesicht blasen.

Aber, um die Zeilen des bekannten Schlagers aus dem Jahr 1965 nochmal zu zitieren, im Blick auf all das Chaos, den Trubel, das Durcheinander, manch Unverständnis und Ärger, aber vor allem die Unsicherheiten der letzten Wochen und Monate, dürfen wir darauf vertrauen: „Es gibt einen, der zu dir hält!“ Das ist das, was für mich am Ende zählt. Und dafür bin ich sehr dankbar.

In diesem Sinne:

Keine Panik und seid gut zueinander!

"Ich bin dann mal weg!"

Dienstag, 16.06.2020

Ja, die letzten Wochen haben schon geschlaucht und da tut es gut, mal für ein paar Tage Luft zu holen, Kraft zu tanken und eine andere Perspektive einzunehmen. Ich weiß natürlich, dass viele Lehrerinnen und Lehrer, und vor allem unsere Schulleitung so eine Auszeit auch bitter nötig haben. Zumindest gedanklich sind alle mit hier dabei. Und vielleicht kann ich nach meiner Rückkehr etwas von dem ihnen und euch allen weitergeben, was ich in den Tagen hier in Benediktbeuern geschenkt bekomme. Jedoch ist es mir auch nicht entgangen, dass manche Familien die wechselnden Präsenzzeiten in der Schule als günstige Gelegenheit nutzen, dem Alltag zu entfliehen und manchen Kurzurlaub zu unternehmen. Auch wenn ich das im Blick darauf, dass ja noch keine Sommerferien sind, ein wenig bedenklich finde, steht mir jedoch kein Urteil zu.

Manchmal tut es gut, einfach mal abzutauchen, weg zu sein, von der Bildfläche zu verschwinden. Es ordnet manches wieder und bringt es in die richtige Reihenfolge, was wirklich wichtig ist. Andererseits befreit es von dem falschen Gedanken, man sei unersetzlich. Irgendwie läuft ja alles weiter (zumindest laut täglicher Berichterstattung). Ja, auch trotz Corona, trotz Krieg, Gewalt, Hass, Hunger und Elend, trotz Ungerechtigkeiten jedweder Art, die Erde dreht sich weiter. Das sich vor Augen zu führen, dafür muss man mal raus, dafür muss man die Erfahrung machen, dass nicht alles den Bach runter geht, nur weil man gerade nicht auf dem Posten ist.

Wie viele von uns geraten in eine gewisse panische Sorge, wenn mal etwas nicht so läuft, wie geplant? Dazu gehört auch die ein oder andere schlechtere Note (übrigens: eine Drei zähle ich nicht dazu, denn sie sagt ja aus, dass die Leistung zufriedenstellend ist). Auszeiten, wie diese Corona-Krise rücken manche Einstellung wieder gerade. Denn es sind nicht die Dinge, oder die Situationen, oder die Erlebnisse, die uns Angst machen, sondern unser Blick darauf. Deswegen bin ich öfter auch einfach mal weg, um meinen Blick zu schärfen und dahingehend Vertrauen zu fassen, dass sich die Erde auch in meiner Abwesenheit weiterdreht. Manchmal überrollt uns eine Krise wie eine Welle. Manchmal machen wir selbst dann die große Welle. Bis wir merken, dass jede Welle irgendwann einfach verschwindet, strandet am Ufer der Ewigkeit.

Mir hilft dabei immer ein Satz des Heiligen Johannes (Don) Bosco: „Tun wir das, was wir tun können; Gott wird das Fehlende schon hinzufügen!“

In diesem Sinne:

Macht nicht immer die große Welle und seid gut zueinander!

Durchatmen

Dienstag, 02.06.2020

Es geht zu meinen allmorgendlichen Ritualen, wenn ich in die Schule bzw. in mein Büro komme. Ich öffne das Fenster und zünde diese Kerze an. Und jedes Mal, wenn diese Kerze brennt, spreche ich leise: „Vater, lass mich heute wie diese Kerze für dich und die Menschen brennen!“ Und dann atme ich einmal tief durch.

Natürlich ist diese Kerze in diesen Tagen besonders für unsere Abiturientinnen und Abiturienten und natürlich für die Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse bei ihrer Besonderen Leistungsfeststellung entzündet. Aber sie leuchtet jeden Tag im Schuljahr und ist für mich zu einem wichtigen Symbol der Verbundenheit geworden. Der Blick auf die brennende Kerze von meinem Schreibtisch aus bringt mir jedes Gesicht unserer Schule und meinen Auftrag, den ich übernommen habe vor Augen. Niemand soll sich alleine fühlen. Gerade die Erfahrungen der letzten Wochen zeigen: Wer sich auf den Weg macht, der kann nicht damit rechnen, dass die eingeschlagenen Wege immer eben und gradlinig verlaufen. Wer die Segel setzt, um aufs Meer hinauszufahren kann nicht erwarten, dass die Winde immer günstig stehen. Wer den ersten Schritt vor die Haustür setzt, kann nicht sagen, wohin dieser Schritt ihn führt.

Aber nur, wer diesen ersten Schritt wagt, nur, wer bereit ist die Segel zu setzen, nur, wer bereit ist, sich auf den Weg zu machen, wird etwas finden, wird Spuren hinterlassen, wird immer mit etwas völlig Unerwartetem rechnen müssen. Denn Leben heißt, sich darauf verlassen können, getragen zu sein.

Ich staune immer wieder, wie die unterschiedlichsten Herausforderungen gemeistert werden. Und vielleicht ist es genau dieses Staunen, was uns in Atem hält und nicht untergehen lässt. Wir lieben unser Leben und das, was uns geschenkt wurde und auch noch wird. Wir brennen dafür, alles Mögliche zu unternehmen, damit unser Leben gelingen kann. Und heute können wir nach einigen Wochen extrem angespannter Lage doch auch alle mal ein bisschen durchatmen, dass es bis jetzt ziemlich gut verlaufen ist.

Diese Kerze steht eben auch für die Liebe, die letztlich die Antwort sein kann, wenn unser Atem nicht mehr reicht.

In den letzten Tagen haben wir das Pfingstfest gefeiert. In der Apostelgeschichte lese ich: „Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, […] erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt…“ Die Jünger sind versammelt in der Gemeinschaft, sie brauchen das Zueinandergehören in einer Zeit der Ratlosigkeit und der Neuorientierung. Interessant dabei ist für mich, dass auf jeden von ihnen eine Zunge, wie von Feuer niederlässt. Jeder ist und bleibt ein Individuum. Auch dafür brennt diese Kerze in meinem Büro, treu dem Leitwort aus unserem Jubiläumsjahr: „Den Einzelnen sehen und zum Leben befähigen!“

In diesem Sinne:

Atmet durch und seid gut zueinander!

Wir machen den Weg frei!

Dienstag, 19.05.2020

Manche lernen es nie. Zugegeben, mir fällt es auch noch sehr schwer, immer den richtigen Ausgang bzw. Eingang zu benutzen. Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier und nicht nur ich frage mich oft nach der Sinnhaftigkeit dieser Regelung. Klar, es sollen sich keine größere Ansammlung von Menschen an, zwischen und vor den Türen aufhalten. Aber meistens bin ich ja alleine. Und wer hindert mich daran, nach dem Benutzen der Türklinke mir dir Hände zu waschen? Naja, Ordnung muss sein, damit alles seinen Gang geht.

Und zu einem „normalen“ Gang im Schulalltag gehören auch die Abiturprüfungen. Aber, was ist in diesen Zeiten schon normal? Gestern nun haben sie in den naturwissenschaftlichen Fächern begonnen und werden morgen im Fach Deutsch fortgesetzt. Endlich, könnte man sagen, geht’s los. Bei aller Traurigkeit über ausgefallene und nichtstattfindende Rahmenfeierlichkeiten, scheint es mir in erster Linie wichtig zu sein, allen unseren Schülerinnen und Schülern einen Weg in eine gute Zukunft zu ebnen. Wie heißt es so schön? „Schule ist die Vorbereitung aufs Leben!“ Als ob während der Schulzeit kein Leben stattfindet.

Eine gewisse Etappe an Lebenswegstrecke gehen wir gemeinsam. Auch wenn uns vielleicht ab und an unterschiedliche Interessen und Ziele leiten, so sind wir zumindest zeitweise gemeinsam auf diesem Weg. Wie vortrefflich können wir uns über die Richtung, in die wir oder jeder einzelne gehen soll, streiten. Am Ende möchte jedoch jede und jeder von uns etwas erreicht haben.

Auch wenn mir mit der Zeit viele Wege im Leben vertraut sind, so wüsste ich manchmal schon gerne, was mich erwartet, wo es hingeht und worauf ich zu achten habe auf meinen Wegen? Wie geht es weiter in dieser sogenannten „Corona-Krise“, nicht nur schulisch, sondern gesellschaftlich und sicher auch im privaten Leben.

Im Laufe einer Schulzeit höre ich Fragen, wie: „Warum mache ich das eigentlich hier?“, oder „Gibt es eine Abkürzung?“ Aber bei allem gemeinsamen Gehen sind diese Wege, die mich dann und wann auch überraschen können, weil ich manches nicht erwartet hätte. Wege, bei denen ich aus dem Staunen und Wundern nicht herauskomme. Wege, die mir so fremd sind, dass sich aus dem Gehen dieser Wege Neues entwickeln kann. Wege, die mich verändern, die mich als einen anderen an- oder zurückkommen lässt als ich gestartet bin. Und auch jetzt in dieser unsicheren und oft chaotisch anmutenden Zeit ist das Fremde dabei das Entscheidende, denn nur so bleibe ich ein Lernender meines Lebens. Ja, es mag eine Zumutung sein so manchen Weg zu gehen, den ich nie gehen wollte. Oder besser, auf einen Weg zu verzichten, den ich mir schon so schön habe ausgemalt. Aber auf diesen ungewollt gegangenen Wegen sind es die überraschenden und wohltuenden Momente, die ich in Erinnerung behalten möchte.

Und genau darum geht es. Ich kann im Leben nichts festhalten. Nichts ist für die Ewigkeit. Gerade unsere Abiturientinnen und Abiturienten, aber auch alle anderen an unserer Schule haben hautnah erleben können, dass das, was sie geplant und sich vorgenommen haben, durch ein kleines Virus wie eine Seifenblase zerplatzt ist. Und vielleicht ist es das, was Schule am Ende mitgeben kann, dass Sicherheiten nur begrenzt vorhanden sind, und dass kein Weg eine Garantie für ein glückliches Ankommen ist. Aber, dass selbst im fremden und ungewollten Weg Zukunft steckt und ich gerade auf diesen Wegen meine eigenen Stärken und meine eigenen Schwächen, meine Kraft und meine Zerbrechlichkeit erkenne.

Und am Wichtigsten ist die Erfahrung, dass es gut zu wissen ist, dass ich die Wege nicht alleine gehe, dass mir gesagt wird: „Hab keine Angst! Geh deinen Weg! Du gehst ihn niemals alleine!“

In diesem Sinne:

Seid gut zueinander!

Mülltrennung 2.0

Dienstag, 12.05.2020

Ich glaube, die Erfahrung macht wohl jeder von uns. Im Laufe der Zeit sammelt sich ne Menge an Zeug an. Jede freie Ecke wird irgendwann durch irgendwas ausgefüllt und am Ende weiß man nicht mehr genau, warum man dieses oder jenes hier aufbewahrt hat. Geschweige denn, dass man überhaupt noch weiß, dass man es noch hat.

Also habe ich mir in den letzten Wochen gedacht, jetzt ist eine gute Zeit in meinem Büro auszumisten. Schränke auf, alles raus und nur noch das wieder hineinsortiert, was ich wirklich brauche. Mein Sofa an die Seite und den ganzen Mist, der sich darunter und dahinter angesammelt hat, beseitigen. Ich habe sogar einen neuen Schrank bekommen, der in Nulllkommanix schon gut gefüllt war. Aber mittendrin musste ich immer wieder aufpassen, dass mir nichts Wichtiges abhandenkommt, das unter einem Stapel Unwichtigem lag. Also, Aufmerksamkeit beim Aufräumen war und ist angesagt, damit nicht alles auf den Müll kommt.

Und ich denke, dass gilt auch für unsere Schule und besonders für uns als Schulgemeinschaft.

Auch wenn in den letzten Tagen einzelne Klassen und einzelne Schüler wieder hier in der Schule zu begegnen sind, so habe ich den Eindruck, dass manches von dem, was uns auszeichnet, bis aufs Nötigste oder auf ein Minimum reduziert wurde. Als Menschen sind wir zutiefst kommunikative Wesen. Aber genau diese Kommunikation fällt gerade ein wenig hinten runter. Und – Hand aufs Herz – jede digitale Form der Verständigung kann niemals das Gespräch „Face-to-Face“ ersetzen. Wie sonst sollten bestimmte Gefühle und Eindrücke vermittelt werden können, wenn ich mich nicht analog gegenübersitze? Und die Erfahrung zeigt mir auch, dass die unterschiedlichsten Messenger keine gelungene Diskussionskultur möglich machen. Eher dann doch zu mehr Missverständnissen und Verärgerungen führen.

Gerade in dieser schwierigen Zeit spielen die persönlichen Befindlichkeiten eine große Rolle. Umso wichtiger ist, dass die Ressource einer guten Gesprächskultur, einer gelungenen Kommunikation nicht mit oder durch die momentan gegebenen Rahmenbedingungen auf den Müll laden. Da möchte ich sehr aufmerksam bleiben.

Aufmerksam vor allem dann, wenn ich merke, dass manche unserer Schüler nicht erreichbar sind. Schüler, die auch in „normalen“ Zeiten es schwer haben, Kontakt zu halten, im Lernstoff mitzukommen oder auch ihr soziales Umfeld einiges an Last auf die Schultern legt. Entschuldigt bitte diesen Ausdruck, aber ich habe ein wenig die Befürchtung, dass unsere Kommunikation und damit auch unser Zusammenleben verwahrlost.

Und ich möchte alles daransetzen und aufmerksam sein, dass weder unser Gesprächsfaden, noch irgendeiner unserer Schulgemeinschaft, also sei es Schülerin oder Schüler, Lehrerin oder Lehrer, oder Eltern aufgrund dieser Krise, bildlich gesprochen auf den Müll landet. Zumindest bin ich mir keineswegs zu schade im selbigen zu wühlen, um Verlorenes wiederzufinden.

Menschen mit knappen Ressourcen Bildung, Kommunikation oder sozialen Kontakten sind nicht Teil des Problems, sondern Agenten einer Lösung. Sucht mit mir gemeinsam Lösungen, dass nichts und niemand letzten Endes in der Tonne landet.

Und in diesem Sinne:

Seid gut zueinander!

Das schaffen wir mit Links!

Dienstag, 05.05.2020

Hurra, es ist wieder Leben in der Bude! Naja, ein bisschen wenigstens. Nachdem letzte Woche die Schülerinnen und Schüler der 12. Klassen hier waren, haben in diesen Tagen die 10Klässler ihren ersten Präsenzunterricht nach geschlagenen sieben Wochen.

Apropos „geschlagen“: Bei all den derzeitigen Herausforderungen und Schwierigkeiten gibt es hin und wieder schon einmal Momente und Situationen, die sicher nicht nur mich, sondern auch den ein oder anderen von euch oder eure Eltern ziemlich auf den Kranz gehen und ärgern. Da ist es gut, so einen Boxsack zu haben, auf den ich mal so richtig draufschlagen kann. All den Frust und all die angestaute Unzufriedenheit kann ich an so einem Teil herrlich abbauen. Dabei frage ich mich gerade, was ihr zum Abreagieren benutzt? Es wird ja nicht jeder unbedingt so ein Boxsack zu Hause haben.

Und bei dem ganzen Draufrumboxen hält man sich auch ein wenig fit, man bleibt in Bewegung. Wobei diese Tatsache nun generell für den schulischen Alltag gilt. Es gibt klare Wegbeschreibungen, durch welche Tür man in das Schulgebäude hineindarf, und aus welcher man halt nur hinausgehen soll. Da muss man bisweilen halt mal den ein oder anderen Umweg laufen. Dann sind die einzelnen Gruppen in unseren zwei Gebäuden schon weit auseinander verstreut in den Räumen verteilt, so dass ich echt mal überlegen soll, meine gelaufenen Kilometer zu zählen. Aber schaden kann es mir ja nicht, ein wenig mehr zu laufen als sonst. Wenn da nicht diese Schutzmaske wäre, unter der man echt wenig Luft bekommt. Und wieder ein Schlag mehr auf den Sack. Und für das Warten auf entsprechende Antworten des Kultusministeriums sowieso. Oh ja, dann macht es auch wieder ein bisschen Spaß hier zu sein.

Ich glaube, wir müssen alle uns irgendwie durch diese Zeit boxen. Und dabei geht es gar nicht mal darum, meine eigenen Interessen durchzuboxen, sondern versuchen, dass jeder von uns weiterhin schlagkräftig genug bleibt, um die Herausforderungen zu meistern. Niemand ist nur seines eigenen Glückes Schmied. Und ich bin froh und dankbar (und seit letzter Woche noch mehr), dass ich hier immer wieder Menschen begegnen durfte und darf, mit denen man im Gespräch ist und bleibt, Gedanken und Gefühle austauschen kann, und manchmal auch gemeinsam gegen diesen Boxsack schlagen kann.

Und dann kommt der Moment, in dem ich mich einfach mal ruhig in eine Ecke setze (manchmal noch ganz außer Atem) und aufhöre ständig zu fragen, was muss ich jetzt noch alles tun und schaffen? In diesen Momenten habe ich die Chance mich beschenken zu lassen von einer Ruhe und einer Energie, die ich brauche, um mich mit euch allen zusammen, durch diese Krisenzeit durchzuboxen. Keiner kämpft nur auf eigenen Faust! Gemeinsam schaffen wir das mit Links. Auch wenn wir diese gerade verstärkt nur in digitaler Form nutzen!

In diesem Sinne:

Seid gut zueinander!

Leben heißt Abwägen!

Mittwoch, 29.04.2020

Seit Montag sitzen die Schülerinnen und Schüler der 12. Klasse wieder in unserer Schule. Und die Stimmung ist ziemlich unterschiedlich. Ich spüre Unsicherheit, große Sorge, Traurigkeit, Enttäuschung und auch Unverständnis. Aber da sind auch die Motivierten, die Gelassenen, die Einsichtigen, Mitfühlenden und Ausgeglichenen, sicher auch die Gleichgültigen und Gelangweilten. Alle verbindet irgendwie der Wunsch, dass die ganze Geschichte mit dem Abitur nun so schnell wie möglich über die Bühne geht und nicht noch irgendeine Regelung kommt, dass doch wieder alles anders wird, als geplant.

Was vor 1 ½ Monaten noch selbstverständlich war, ist jetzt ganz anders. Und wir alle müssen uns daran gewöhnen, dass Türen auf einmal nicht mehr Ein- und Ausgänge sind, sondern ein gewisses Einbahnstraßensystem herrscht (naja, mehr oder weniger). Dass niemand mehr ohne Mund-Nasen-Bedeckung durchs Schulgelände und –gebäude laufen darf (auch hier wurde schon die Reserve im Sekretariat angerührt). In den einzelnen Räumen dürfen auch nur noch max. 10 Personen anwesend sein und natürlich die Abstandsregel nicht zu vergssen, für die extra Klebestreifen auf dem Boden im Haus verteilt wurde (wie viele Augen hier zugedrückt werden, sei mal geflissentlich dahingestellt). Im Endeffekt entscheidet der gesunde Menschenverstand, die eigene Vernunft, was richtig und was falsch ist.

Man kann sicher die ein oder andere Entscheidung seitens der Schulleitung oder der Regierung in Frage stellen. Und sicher gibt es Regelungen, die für Kopfschütteln sorgen. Aber sind sie damit per se falsch?

Es ist und bleibt ein ständiges Abwägen. Es gibt ein Grundrecht auf ein gesundes Leben. Aber genauso gibt es ein Grundrecht auf gute Bildung bzw. Ausbildung. Es gibt ein Grundrecht auf freie Entfaltung. Aber genauso ein Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit. Was wiegt mehr? Soll man beispielsweise den Autoverkehr verbieten, weil es so viele Unfalltote pro Jahr gibt? Und wenn jetzt vieles grad nicht möglich ist, wem schadet es am meisten? Gehört nicht auch zu einem gesunden Leben die Ausübung diverser Freizeitaktivitäten und auch eine gewisse berufliche Zukunftsperspektive. Wie weit müssen da Hygieneregeln und Verordnungen gehen? Ich möchte gerade nicht in der Haut derer stecken, die verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen haben und irgendwann merken, dass durch falsche Prioritätensetzung eine nicht so gute Entscheidung getroffen haben.

Unsere Schülerinnen und Schüler möchte wir in den Jahren ihrer Zeit an unserer Schule mit der guten Eigenschaft ausstatten und sie dazu bilden, dass sie Güter abwägen und eigenverantwortlich Entscheidungen treffen können für ihr Leben und das der anderen. Aber was noch viel wichtiger ist, denke ich, dass sie hinter den Entscheidungen anderer nicht einen bösen Willen sehen, sondern vielleicht eben nur eine andere Gewichtung der Dinge. Und dass es darauf ankommt, immer offen und ehrlich darüber zu diskutieren, konstruktiv zu streiten, eben einfach im Gespräch zu bleiben, ohne dem anderen etwas vorzuwerfen.

Dankbar schaue ich auf unsere 12Klässler und vertraue darauf, dass ihnen alle ihr Leben und das Leben auf dieser Welt schlechthin nicht gleichgültig ist, so dass sie gute und abgewogene Entscheidungen treffen können.

In diesem Sinne:

Seid gut zueinander!

Messbares Miteinander

Freitag, 24.04.2020 (einen Tag später,als sonst!)

Abstand halten ist demnächst auch hier bei uns in der Schule angesagt. Wenn ich mir vorstelle, wie an manchen Tagen sich hier auf der Treppe die „Massen“ hoch und runter bewegen, dann wird das eine echte Herausforderung. Klar, es werden in den nächsten Wochen allein aus hygienischen Gründen ja nicht alle zur gleichen Zeit im Haus sein können. Aber trotzdem mag es zu ungewohnten Situationen kommen, wenn wir alle uns an die 1,50m-Abstandregel zu halten haben. Kein Händeschütteln, kein Umarmen, nur auf Distanz zuwinken, anlächeln und „Hallo“ sagen.

Nicht nur für unsere Hausmeister und Volontäre (FSJler) wird der Zollstock eines der wichtigsten Utensilien sein in der kommenden Zeit. Es muss alles ausgemessen werden, damit das Schutzkonzept eingehalten werden kann.

Mit dieser Messlatte in der Hand frage ich mich schon eine ganze Weile: Woran messe ich mein Leben? Oder, was ist für mich der Maßstab, damit ich von einem guten Leben spreche? Ist die Gesundheit? Ist es der schulische oder berufliche Erfolg? Ist es der Geldbeutel oder der Kontoauszug? Ist es die Familie und/oder sind es die Freundschaften?

Ich glaube, das Grundproblem liegt darin, dass ich schnell dabei bin zu vergleichen. Ich schaue auf mein begrenztes Leben und sehe dabei andere, die höher, weiter und schneller vorwärtskommen als ich. Aber der Schein trügt natürlich. Weil ich eben alles von meinem Standpunkt aus betrachte. Wer sagt denn, dass ich für den anderen nicht genauso höher, weiter und schneller bin?

In diesem Jahr müssen wir und vor allem ihr, liebe Schülerinnen und Schüler, auf vieles verzichten. Wir müssen Abstand halten, auch wenn es uns nach Nähe drängt. Die 12Klässler haben sich auf ihre Mottowoche und die Party am letzten Schultag zu Recht gefreut. Alles bricht jetzt leider weg. Da hilft es wenig, vor lauter Ärger und Traurigkeit neidvoll auf die vergangenen und vermutlich zukünftige Jahre zu schauen, sondern das anzunehmen, was jetzt ist. Alles andere lässt verbittern, verzweifeln und mutlos werden. Welcher Maßstab zählt jetzt für dich? Dieses sich ständig „vergleichen-müssen“ mit einer anderen Zeit, mit anderen Menschen kann auf Dauer nicht funktionieren und macht krank. Irgendjemand und irgendwas bleibt da immer auf der Strecke, und wenn es die Perspektive für das eigene Leben ist.

Ich bin davon überzeugt, dass wir eine andere Antwort brauchen und auch besitzen, die uns zunächst darauf aufmerksam macht, was wir alles haben, ohne etwas Anderes, oder noch mehr haben zu müssen, was wir sind, ohne ein anderer sein zu müssen, was wir können, ohne noch mehr können zu müssen.

Und diese Antwort ist für mich auch in unserem Miteinander zu finden, woran ich zumindest oft mein Leben bemesse, weil mehr im Spiel ist und auf dem Spiel steht, als nur meine kleinen, oft überschätzten menschlichen Wünsche.

In diesem Sinne:

Seid gut zueinander!

Maskenball und andere Normalitäten

Dienstag, 21.04.2020

Yeah! Es geht wieder los! So langsam steigt die Spannung. Wie wird es ab nächste Woche werden? Welche Vorgaben regeln den langsamen Anlauf in einen Schulalltag, der zumindest in diesem Schuljahr kein normaler Alltag mehr sein wird? Zu spüren bekommen das vor allem unsere 12Klässler, deren geplante Mottowoche und die wohlverdiente Party zum letzten Schultag nun vorerst beiseitegelegt werden musste. Ich kann mir vorstellen, wie groß die Enttäuschung bei ihnen sein muss. In den letzten sieben Jahren mitzuerleben, wie Jahrgänge über ihnen sich krachend von der Schule verabschiedet haben und jetzt durch ein kleines Virus mit seinen verheerenden Auswirkungen gezwungen zu sein, sich leise aus dem Staub zu machen. Ja, das ist nicht fair. Und ich finde es auch persönlich ziemlich traurig, da so eine Tradition eben zur Schule gehört. Aber in diesem Jahr ist eben alles anders.

Nun werdet ihr ab kommender Woche wieder hier auftauchen. Es könnte sein, dass wir alle dann so einen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen. Wie da gute Unterrichtskommunikation geschehen soll, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. Denn solche Masken sind ja kein Maulkorb, und sollen mundtot machen. Eure Gedanken und Ideen sind weiterhin sehr gefragt. Und das meine ich sehr bewusst und überzeugt.

Dabei denke ich jedoch an unseren Schulalltag (wann war das noch mal?) zurück und überlege, wie oft jemand von uns bewusst oder unbewusst eine Maske trägt, um sein wahres Gesicht, sein eigentliches Ich nicht zu zeigen? Wie oft verstellen wir uns, um zu den Guten, den Anständigen, den Braven oder den Unauffälligen zu gehören? Wie oft verbergen wir uns hinter einer Maske, damit niemand merkt, wie es mir wirklich geht in diesem Moment? Wie oft verstecken wir uns hinter einer Deckung, um keine unangenehmen Fragen gestellt zu bekommen? Oh ja, die Wahrheit liegt oft tiefer und ist oft schmerzhafter, als ich zugeben möchte. Dennoch ist sie an vielen Augen oft an jedem von uns abzulesen.

Die Zwangspause zu Hause hat (hoffentlich) vielen bewusstgemacht, was wirklich wichtig ist im Leben. Es wäre also zu hoffen, wenn wir nun bald wieder zurück in die Schule kommen, dass wir ehrlicher miteinander umgehen, dass manche Maske abgelegt wird. Wenn uns die Corona-Krise nur digital weitergebracht hat, dann fände ich das nicht nur sehr schade, sondern für unsere ganze Schulgemeinschaft trostlos.

Und dann kommt mir die Idee, dass Masken ja auch als Verkleidung beim Karneval gerne genutzt werden. Also, liebe 12Klässler, seid mal ein bisschen kreativ und gestaltet – natürlich unter den hygienischen Vorgaben – lustige und einfallsreiche Masken, damit eure Mottowoche vielleicht ein bisschen Einzug hält in die Schule und euren Jahrgang zu etwas ganz Besonderem macht (was er ja jetzt schon irgendwie ist).

Ich freue mich auf euch, dass ich hier nicht mehr so alleine bin.

In diesem Sinne:

Seid gut zueinander!

Schmeckt's?

Donnerstag, 16.04.2020

Hat’s euch auch wieder mal an Ostern so gut geschmeckt, wie mir?

Ich glaube, dass mir in den kommenden Tagen doch wieder ein wenig mehr Bewegung nicht schaden könnte. Diese Schoko-Dinger sind aber auch lecker. Und da vor Ostern keine Schüler mehr im Haus waren, habe ich jetzt noch einige in meinem Büro auf Vorrat. Keine Angst, die werde ich sicher nicht alleine futtern.

Wusstet ihr, dass ca. 60% aller weltweiten Schoko-Hasen-Genießer beim Verspeisen dieser Mümmelmännder bei den Ohren anfangen? Das haben HNO-Ärztinnen und Ärzte des Henry-Ford-Hospitals herausgefunden. Warum das so ist, kann sich jeder selbst mal fragen.

Mir fällt bei dem Bild des Hasen mit den abgebissenen Löffeln der Film „Keinohrhase“ von 2007 mit Til Schweiger ein. Kurz gesagt, geht’s in dem Film um Beziehungskisten, um Vergangenheitsbewältigung, um Ehrlichkeit und um so manche Verrücktheiten.

Die Zeit der Krise, des Abstand-Halten, des Nicht-feiern-dürfen, des Nicht-in-die-Schule-gehen-dürfen, usw. schmeckt den wenigsten von uns.

Aber während ich hier so sitze und meinen Schoko-Hasen verdrücke, denke ich an die unterschiedlichsten Beziehungen, die uns miteinander verbinden. Manche lustige, belebende und gewinnbringende Beziehung, aber auch an traurige, ernste und natürlich auch streitvolle Verbindung. Was gab es nicht alles schon für verrückte Ideen und Momente im Schulalltag? Die kleinen oder größeren Streiche und Dummheiten, die mich zumindest innerlich haben schmunzeln oder laut lachen lassen? Ich denke an die vielen offenen und ehrlichen Begegnungen und Gespräche, mit Tränen der Freude aber auch der Trauer oder der Angst. Na klar, die Unehrlichkeiten kommen in meinen Betrachtungen auch vor. Ja, das sind Erinnerungen an eine Vergangenheit. Aber vor allem der Wunsch, dass es Erlebnisse für die Zukunft sein sollen.

Wie gesagt, die hinter uns liegende Zeit dieser Krise (und wer weiß, wie lange sie noch andauern wird) hat sicher nicht nur mir nicht geschmeckt. Aber mir hat sie auf jeden Fall eines deutlich gemacht, wie wichtig mir die Gemeinschaft mit euch allen ist, und wie sehr ich sie vermisse.

Was sind deine Gedanken und Erlebnisse? Schreibt es mir (gern auch mit Foto!) per Mail. Denn es wird eine Zeit kommen, da wir uns wieder hier zusammenfinden werden. „Für das, was kommt!“ brauchen wir Erinnerungen, die in uns wachhalten, was uns verbindet.

Man sagt, dass Schokolade glücklich macht. Vielleicht schaue ich mir den Film nochmal an. Aber zunächst werde ich jetzt hier in der Sonne auf dem Schulhof meinen Keinohrhasen weiter genießen und ein Stück glücklicher auf die kommende Zeit schauen.

In diesem Sinne:

Seid gut zueinander!

Es wächst!

Dienstag, 14.04.2020

Staunen kann ich schon über diese verrückte, irrationale Zeit.

Denn, während das sozio-kulturelle Leben ziemlich lahmgelegt wurde, lässt sich die Natur davon nicht beeindrucken. Es sprießt und gedeiht. Der Frühling ist in vollem Gange. Auch wenn die Temperaturen der letzten Tage schon die eines Sommers ähnelten. Nun gut, es wächst und ich denke, dass der biologische Kreislauf sich nicht in Quarantäne versetzen und aufhalten lässt. Vermutlich wird der ein oder andere das auch bei sich selbst feststellen, wenn er im Spiegel seine Haarpracht bewundert. Es sei denn Mama, Papa, Schwester oder Oma haben selbst Hand angelegt. Zumindest werden das dann individuelle Frisuren. Es wächst.

Und so staune ich in dieser verrückten Zeit, wie wir alle in diesen Herausforderungen wachsen, zu was wir alles fähig sind, welche Phantasie in unseren Köpfen sprießen, auf welche kreativen Ideen wir kommen. Aber vor allem, wie der Sinn für das Gemeinsame wächst, gerade in diesen Momenten, wo wir uns nicht zusammenfinden können.

Es wächst. Ein neues Gespür für das Miteinander, das uns vielleicht in letzter Zeit ein wenig abhandengekommen ist.

Auch unser christlicher Glaube lässt sich von der Unterbrechung unseres „normalen“ Lebens nicht beeindrucken. Irgendwie, aber trotzdem entscheidend, haben wir Ostern gefeiert und sind noch mitten drin. In aller Dunkelheit, Traurigkeit, in aller Einsamkeit und Ungewissheit, wächst immer wieder etwas Neues, wächst Leben.

Deswegen bitte ich euch heute:

Denkt an die Zeit, an der wir uns alle wieder hier in unserer Schule wiedersehen werden, in dem wir uns wieder herzlich umarmen und per Handschlag begrüßen werden, in der wir zusammen unterwegs sein und feiern können. Es wird ein großes Fest werden! Es wird eine Zeit sein, in der wir das Normale als unerwartetes, wunderschönes Geschenk empfinden werden. Das wird ein wundervoller Moment sein.

Und mit diesen Gedanken wächst es, unser Leben, unser Miteinander, unser Vertrauen!

In diesem Sinne wünsche euch noch gesegnete Ostertage und denkt daran:

Seid gut zueinander!

P.S.: Wer mag, darf mir gerne mal ein Foto aus seinem „Corona“-Alltag zusenden, egal, mit welcher Frisur? J

 

Was kommt ist Leben!

Dienstag, 07.04.2020

Was für ein Schauspiel läuft da gerade weltweit eigentlich ab? Ich würde da ja gerne mal hintern Vorhang schauen, wie es so weitergeht. Manchmal komme ich mir in diesen Tagen schon vor, wie in so einem Theater, in dem ein ziemlich schräges Stück gespielt wird. Und gerade dann, wenn ich nichts sehe bzw. sehen kann, dann höre oder lese ich allerhand wirres Zeug, was meine Verunsicherung natürlich nicht gerade mindert. Wie geht es euch so damit? Was wäre ich froh, wenn das ganze Schauspiel bald vorbei ist. Wenn ich ja nur hinter den Vorhang sehen könnte, wann und wie es weitergeht.

Und jetzt feiern wir Ostern. Für manche von euch ist es einfach nur eine Geschichte aus vergangenen Tagen, was auch auf manchen Bühnen und Leinwänden meisterhaft inszeniert wurde. Im Gegensatz zu den Menschen, vor allem den Jüngern damals, wissen wir, wie es mit der Geschichte von diesem Jesus ausgeht. Wir haben diesen Menschen etwas voraus. In diesem Jahr sieht es ein wenig anders aus. Heute wissen wir eben nicht, wie dieses Drama der Welt endet. Endet es in einer Tragödie, oder gibt es das Happy End?

In diesem Jahr muss ich es aushalten, dass ich das Ende nicht kenne, und dass ich vor allem den Zeitpunkt nicht kenne, an dem alles zu einem Ende kommt. Aber diese Ungewissheit teile ich mit euch. Und mein Blick auf die Welt und das Leben wandelt sich. Ich brauche nicht hinter den Vorhang zu schauen. Sondern ich darf vertrauen, dass vor dem Vorhang das Leben zählt. Und dieses Leben teilen wir alle miteinander. Und wenn es sich auch wandelt, und wie immer dieses Theater dieser Tage ausgeht, unsere Gemeinschaft bleibt!

In diesem Sinne wünsche ich euch ein besonderes und gesegnetes Osterfest 2020. Bleibt alles schön gesund und vor allem behütet.

Und natürlich: Seid gut zueinander!

Alles aus?

Freitag, 03.04.2020

Abgeschlossen? Der Letzte macht’s Licht aus? Oder doch: Nach mir die Sintflut?

Nein, weder für immer geschlossen, noch auf ewig dunkel, noch nie wieder Hoffnung.

Nein, es sind einfach Ferien, auch wenn sich das vielleicht nicht so anfühlt.

Und deswegen: Nur vorrübergehend verriegelt! Nur eine kleine Zeit dunkel! Nur zwischenzeitlich den Platz verlassen.

Ich komme wieder!

In diesem Sinne:

Schöne Ferien, erholt euch gut, seid zuversichtlich und gut zueinander!

Spannung aushalten

Donnerstag, 02.04.2020

Nein, der Sportlichste bin ich sicher nicht mehr. Aber in diesen Tagen muss man ja irgendwie in Bewegung bleiben. Die Gefahr besteht halt, dass ich nur noch irgendwie in den Tag hinein- und ihn irgendwie überlebe. Da hilft es eben ab und zu Spannung in das Leben zu bringen.

Den Körper an den zwei Ringen zu spannen ist das Eine. Das Andere ist dann aber auch diese Spannung an- bzw. auszuhalten, das kostet eine Menge Kraft.

Und ich denke an den normalen Schulalltag. Welche Spannung muss da nicht immer wieder ausgehalten werden, wenn über 700 Menschen täglich durchs Gebäude laufen? Jede Beziehung, jede Freundschaft muss Spannung aushalten. Unser Miteinander ist eben in vielerlei Hinsicht spannend. Und im Moment finde ich es höchst spannend, wie ihr diese Zeit er- und durchlebt? Wie ihr euch in Bewegung haltet? (Vermutlich sportlicher als ich)

Ja, diese Zeit ist wirklich eine spannende Zeit. Es ist wie in einem gutgemachten Krimi, wo ständig die Frage in meinem Kopf herumgeistert: „Was wird als nächstes passieren?“ Und dann muss ich eine Zeitlang warten, bis es zu einer Auflösung kommt. Ich muss die Spannung leben, sie aushalten. Irgendwann kommt eben dann doch der Zeitpunkt, an dem ich nüchtern feststellen muss: „Ich kann nicht mehr!“ Meine Frage an dich: „Bist du schon so weit, oder schaffst du es noch?“

Für euch halte ich mich fit und bleibe in Bewegung. Für euch halte ich die Spannung aus, hier (fast) alleine zu sein. Das auszuhalten heißt für mich, vertrauen zu können, auch wenn es auf viele Fragen gerade keine Antworten gibt. Aber ohne diese Bewegung und ohne diese Spannung verliere ich den Sinn und meine Orientierung.

Es gibt diese (oft kurzen) Momente, in denen alles gut und schön ist. In denen ich nicht daran denke, was war gestern und was wird morgen sein? Es sind diese Momente, in denen ich einfach da bin. Dankbar schaue ich dann auf all das, was unser gemeinsames Leben hier an der Schule spannend gemacht hat. Und dann weiß ich wieder, tief Luft holen, Spannung aushalten, weil ich auf unser Miteinander vertraue.

In diesem Sinn:

Bleibt in Bewegung und seid gut zueinander!

P.S.: Nächste Woche kommt noch ein spezieller Oster(ferien)gruß!

Geduld und ein "Vater unser"

Dienstag, 31.03.2020

Nun gehen wir schon in die dritte Woche der Zwangspause und keiner kann wirklich sagen, wie lange das noch so andauern wird. Ich weiß nicht, wie es euch so geht, aber es gibt Momente am Tag, da habe ich das Gefühl, dass ich mich langsam an diesen Zustand gewöhnt habe. Aber dann kommt schnell schon das „Nein, auf keinen Fall!“ und das „Ich will mich erst gar nicht daran gewöhnen!“ Aber je länger etwas andauert, desto mehr wird es zur Routine und am Ende weiß keiner mehr, wieso und warum sich manches so entwickelt hat. Vielleicht ist es deshalb notwendig, sich ab und an dessen bewusst zu machen, um das eigentliche Ziel oder den eigentlichen Sinn darin nicht zu verlieren.

Dazu zähle ich übrigens auch das regelmäßige Händewaschen. Was bis vor Kurzem noch selbstverständliche Routine war, spielt auf einmal eine ganz neue Rolle in meinem Denken. „Hast du dir auch die Hände gewaschen?“, höre ich die Stimme meiner Mutter. „Und vergiss nicht, sie dir auch abzutrocknen!“ Und ich kann mich gut daran erinnern, dass es irgendwie immer schnell gehen musste. Ich wollte ja keine unnötige Zeit im Bad vergeuden, ich hatte ja Besseres und Interessanteres zu tun. Heute sagt man: Zweimal „Happy Birthday“ singen. Oder ich sage: „Einmal das „Vater unser“ beten. Ja, ich wasche mir heute bewusster die Hände. Und wie ist es bei dir?

Und während ich mir die Hände heute auf der Schultoilette wasche, kommt mir der Gedanke an eine andere Geschichte, in der es auch um das Händewaschen geht. In der Passionsgeschichte Jesu lese ich vom römischen Statthalter Pilatus, der sich die Hände wäscht, um sich von der Schuld, Jesus zum Tod verurteilt zu haben, freizusprechen.

Und dann stehe ich vor dem Waschbecken und überlege mir, was möchte ich eigentlich gerne abwaschen an mir? Viren, Dreck, meine eigene Schuld, mein Versagen, meine Mittelmäßigkeit? Meine Hände sollten gerade in diesen Tagen helfen. Meine Hände sollten in diesen Tagen durch Berührung Trost spenden. Und ich frage mich: Wie lange geht das noch? Wohl länger als ein „Vater unser“ dauert.

Geduld war beim Händewaschen noch nie meine Stärke. Aber Geduld ist der Blick auf die Zukunft, der sich an schönen Momenten der Gegenwart erfreut!

In diesem Sinne:

Wascht euch die Hände und seid gut zueinander!

Grenzen annehmen und überwinden

Donnerstag, 26.03.2020

Bei dem Wetter kann ich heute nicht im Büro oder im Haus bleiben. Also, habe ich mich auf unseren Turm begeben. Schön kalt und windig hier oben!

Die moderne Technik macht‘s möglich, dass ich am hellichten Tage sogar Himmelskörper beobachten kann. Ja, ich weiß, was vielleicht jetzt einige von euch denken werden: Er schaut in die Sterne, um vorauszusagen, wie lange die ganze Corona-Krise noch andauern wird. Aber da kann ich euch beruhigen, an solchen Spekulationen beteilige ich mich nicht. Nein, mir geht es heute um etwas ganz Anderes. Etwas, was uns alle angeht, nämlich unsere Grenzen. Wir hören gerade davon, dass alle Grenzen irgendwie geschlossen, oder zumindest stark kontrolliert werden. Jeder von uns merkt, dass seiner Bewegungsfreiheit und seiner vielfältigen Möglichkeiten schmerzhafte Grenzen gesetzt werden. Wir beobachten sorgenvoll, dass Menschen in den Kliniken, Pflegeeinrichtungen, Supermärkten und anderen Dienstleistungsunternehmen, aber auch in Familien an ihre physischen und psychischen Grenzen stoßen. Und auch schulisch gesehen, gibt es Grenzen der Planungssicherheiten, was zu manch Unruhe und Verärgerung führt. Wohl nicht nur mir geht es so, dass ich in dieser Zeit heftig zu spüren bekomme, wie begrenzt mein Menschenleben ist.

Mit dem Blick in den Himmel wird mir aber auch bewusst, wie ehrgeizig und erfinderisch der Mensch immer gewesen ist, wenn er an Grenzen gestoßen ist. Nachdem der Mensch alle Berge und Täler, Flüsse und Urwälder erforscht hatte, da wollte er weiter. Der Mensch will immer weiter, Begrenzungen halten ihn nicht auf. Harte Arbeit, viele Rückschläge und Menschenleben hat es gekostet, bis der Traum zum Mond zu fliegen wahr wurde. Und seitdem hat sich der Mensch auch nicht zurückgelehnt und damit zufriedengegeben. Die Lust, die nächste Grenze zu überwinden, ist uns irgendwie eingepflanzt.

Auch wenn uns die derzeitigen Grenzen unsicher und ängstlich machen, sie werden uns als Menschen, als Gesellschaft und auch als Schulgemeinschaft weiterbringen. Es ist halt immer eine Frage der Betrachtung (ohne alles schön reden zu wollen).

Nichts wird mehr so sein, wie es ist. Es wird auch kein Zurück geben. Sicher habe ich keine Beweise, ich habe nur meine feste Überzeugung und mein Vertrauen, die mich durch diese Zeiten des Zweifels und der Gefahr tragen. Vermutlich nicht bis zum Mond, aber sicher hier auf Erden meinen und unseren gemeinsamen Weg weiterzugehen und neue Ziele hinter den Grenzen von heute zu erreichen. Deshalb:

Seid gut zueinander!

Den Durchblick behalten

Dienstag, 24.03.2020

Nun ist es schon eine Woche her, dass der Unterricht aus der Schule in die häusliche Wohnung verlagert wurde. Und ganz ehrlich, ich vermisse euch. Ich weiß ja nicht, wie es euch grad so geht, aber mir ist manchmal ziemlich langweilig ohne den ganzen Schulbetrieb. Und da kann man schon mal auf manch verrückte Gedanken kommen. Einmal selbst ein Experiment im Chemieraum durchführen. Und alles ganz ohne Fachfrau oder Fachmann. Das wäre großartig. Ich ziehe mir also vorschriftsmäßig eine Schutzbrille auf, fülle zwei Gläser ein wenig mit Erde und dann gieße ich Wasser darüber. Eine dicke braune Brühe entsteht. Und dann fange ich an, in dem einen Glas zu rühren. Ich habe ja Zeit, und kann warten und rühren, und warten und rühren. Tja, und dann (tatatataaaa!), „quod erat demonstrandum!“*. In dem einen Glas, in dem ich rühre und die Erde aufgewühlt wird, da ist ständig Bewegung, ständig Action. Und wie man sieht, ist es ziemlich trüb und undurchsichtig. Und das andere Glas steht halt schon eine ganze Weile einfach nur da. Das Wasser schaut ziemlich ruhig und klar aus und ich kann sogar bis auf den Grund schauen.

Wenn sich jemand jetzt also fragen sollte, was soll das? Den würde ich antwortend fragen: Was meinst du, welches Glas entspricht gerade mehr deinem Leben, deiner Gefühlslage, deiner Situation? Bist du in dieser schwierigen Zeit eher aufgewühlt, ständig in Bewegung, unruhig und hast irgendwie den Durchblick verloren? Oder, kommt dein Leben grade ein wenig zur Ruhe, es entschleunigt sich alles ein wenig, es setzt sich alles irgendwie, du gewinnst eine neue und klare Sicht auf dein Leben und du kannst dich auf das Wesentliche konzentrieren? Vielleicht probiert ihr es einfach selber mal aus. Denn, egal wie lange uns die Krise auch begleiten und unser Leben bestimmen mag, ab und zu zur Ruhe und zur Gelassenheit zu kommen, kann helfen, ungetrübten Blickes in die Zukunft zu schauen.

*“was zu beweisen war“

In diesem Sinne:

„Seid gut zueinander!“

 

Der Zug steht still!

Donnerstag, 19.03.2020

Heute ist der dritte Tag nach der Schulschließung und es ist gespenstisch ruhig hier im Gebäude. Hier, wo sonst junge und ältere Stimmen durch die Räume und Flure hallen, wo sich jugendliche Füße hordenweise im Treppenhaus hoch und runter bewegen, wo ständig Türen auf und oft viel zu laut wieder zugehen, wo neben Musik immer auch irgendeine ermahnende Stimme sich erhebt, wo man alle naselang über irgendeinen Rucksack oder Ranzen stolpert, eben wo ein lebendiges Miteinander in all seinen Facetten zu spüren ist, dort ist es auf einem Mal ganz still. Im fahrenden Zug hat jemand die Notbremse gezogen. Und jetzt steht alles. Und ich habe keine Ahnung, wann und wie der Zug wieder ins Rollen kommt. Aber in dieser Stille höre ich die bangen Fragen unserer 12Klässler, ob sie alle Anschlüsse erreichen werden. Ich höre die Stimme unserer 10Klässler, die gespannt darauf sind, was sie erwartet, wenn es weitergeht. Ich vernehme die Gedanken aller unserer Schüler, die zwischen dankbarer Verschnaufspause und ungeduldigem Wunsch, dass es endlich weitergehen soll, schwanken. Aber es kommt keine Durchsage, die mir die nötige Information überbringen kann. Unsere gemeinsame Zeit hier an dieser Schule gleicht einer Zugfahrt, bei der immer wieder neue Leute einsteigen und andere diesen Zug verlassen. Und es liegt in der Natur eines Zuges, dass immer irgendwie alles in Bewegung ist. Und jetzt steht dieser Zug Schule mitten auf dem freien Feld, alle mussten aussteigen und keiner weiß, wie lange diese unfreiwillige Pause dauern wird. Wenn ich aber so über meinen Schreibtisch schaue und die vielen Dinge (meist Geschenke von euch) sehe, die im Laufe der Jahre sich angesammelt haben und von so vielen schönen und weniger schönen Begegnungen erzählen, dann weiß ich, ES WIRD WEITERGEHEN!

Diese Hoffnung braucht von mir jetzt den Mut in dieser Zeit den Samen für eine bessere Zukunft zu legen. Mut, jetzt die Stille und die Ungewissheit auszuhalten. Den Mut, mit Abstand solidarisch einander zu sein. Und ich hänge symbolisch einen großen Zettel an unseren Zug, damit es jeder lesen kann:

„Seid gut zueinander!“

Gedanken zur Schulschließung wegen der Corona-Pandemie

Dienstag, 17.03.2020

Eine Schule ist ausgerichtet auf die Zukunft. Unsere jungen Menschen lernen für das, was später von ihnen erwartet und abverlangt wird. Wir schauen täglich auf ein Morgen und malen es uns in den buntesten Farben aus, wie das Leben zukünftig sein soll. Das ist gut und wichtig.

Auf einmal aber merken wir, dass uns die Zukunft nicht gehört und sie ungewisser wird. Mit einem Schlag wird uns bewusst, dass wir im Heute leben und nicht sagen können, was Morgen sein wird.

Dietrich Bonhoeffers wunderbare Zeilen fallen mir dabei ein:

„Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag!“

Ich weiß mich und meine Zukunft in Gottes Hand.

In dem großen Gebet, dem Vater Unser, drückt sich das in besonderer Weise aus und bekommt in diesen Tagen eine neue Dimension. Wenn wir beten „Gib uns täglich unser Brot!“, dann bedeutet das eigentlich Heute, heute lebe ich, morgen wirst du, Gott, für mich sorgen.

In diesem Sinne bleiben wir verbunden, Gott segne und begleite uns alle in und durch diese Zeit,

Ihr und euer

Markus Könen, Schulpfarrer

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06. 04. 2021 Teststrategie in den thür. Schulen ab April 2021  HIER 

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