„Ihr habt euch ausgezeichnet!“
Diesen bedenkenswerten Satz sagte Frau Cornelia Eberhardt (ThILLM, Bad Berka) in ihrer Begrüßungsansprache zu den zahlreichen Schülerinnen und Schüler aus ganz Thüringen, die am 01. April 2026 zur Preisverleihung im Rahmen des anspruchsvollen Lateinwettbewerbs „Certamen Thuringiae 2026“ nach Erfurt angereist waren. Sie unterstrich damit, dass vor allem der Fleiß und die Leistungsbereitschaft der Schülerinnen und Schüler hervorragende Ergebnisse ermöglicht hätten. Lateinunterricht bedeute, sich auf einen Dialog mit Menschen einzulassen, die vor langer Zeit gelebt haben, uns heute aber immer noch etwas zu sagen haben. Lateinbegeisterte zeichneten Gründlichkeit, Geduld, Präzision in der Sprache und die Bereitschaft aus, „sich Zeit zu nehmen“ für die großen Fragen nach einem guten Leben, nach Gerechtigkeit und dem rechten Umgang der Menschen miteinander.
Prof. Dr. Jörg Rüpke, stv. Direktor des Max-Weber-Forschungskollegs der Universität Erfurt, das sich genau mit diesen Beziehungen der Menschen untereinander und ihren Weltbeziehungen wissenschaftlich befasst, begrüßte uns mit geschliffenen lateinischen Worten in seinem auch architektonisch herausragenden Zentrum der Geisteswissenschaften, das mit Beton, Glas und Holz spielt.
Ein weiterer Höhepunkt war der Vortrag von Prof. Dr. Peter Stein (Universitäten Jena und Erfurt) zum Wert der Beschäftigung mit alten, sogenannten toten Sprachen. Ausgehend von Gen. 2,23-25 in der Einheitsübersetzung, der Luther-Übersetzung und der Übersetzung von Buber/Rosenzweig erläuterte er uns den Wert der Kenntnis des Hebräischen zum Verständnis biblischer Übersetzungen. Er ging auf die Schrift des Sabäer-Reiches im heutigen Jemen ein und schließlich auf die erst kürzlich entschlüsselte Dhofari-Schrift aus dem Oman. Sich alten Sprachen zu öffnen, sei ein Weg die Welt zu erschließen, eine vermeintlich tote Welt lebendig werden zu lassen.
Der nächste Höhepunkt war dann die Preisverleihung durch Frau Dr. Nicole Hördler, Ernst Abbe Gymnasium Jena, im Namen des Thüringer Altphilologenverbands, in der die besten Teilnehmer der Jahrgangsstufen 8, 10 und 12 für ihre Übersetzungs- und Interpretationsleistungen in Latein und Griechisch und der Jahrgangsstufe 6 für ihre kreativen Beiträge (Figurentheater, Podcast zu Romulus und Remus) ausgezeichnet wurden.
Und das Beste für uns: Unser Schüler Leonard Werner, Klasse 8b, war der zweitbeste Wettbewerbsteilnehmer der Jahrgangsstufe 8. Erfreut nahm Leonard eine Urkunde, einen Büchergutschein und eine Rose zur Auszeichnung entgegen.
Mit einem Gedankenaustausch bei Donuts und Saft endete der schöne und wertvolle Nachmittag. Für mich als ehemaligen Lateinlehrer Leonards war es eine besondere Freude, ihn an diesem großen Tag nach Erfurt begleiten zu dürfen.
Text: Dr. Matthias Karsten


